Adesso SE steuert auf einen Termin zu, der die weitere Kursrichtung entscheidend prägen dürfte: Am 14. August legt der IT-Dienstleister seinen Halbjahresbericht 2026 vor. Marktbeobachter erwarten darin eine Bestätigung der Jahresprognose mit einem Umsatz zwischen 1,6 und 1,7 Milliarden Euro sowie einem EBITDA von 130 bis 150 Millionen Euro. Für die Aktionäre ist der Termin ein Prüfstein nach einem Jahr, das die Aktie deutlich unter Druck gesetzt hat.
Erholung nimmt Fahrt auf
Der Kurs schloss am Freitag bei 58,80 Euro und legte auf Wochensicht um 12,21 Prozent zu – ein deutliches Lebenszeichen nach Monaten der Schwäche. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 33,93 Prozent zu Buche, das die jüngste Erholungsbewegung relativiert. Anleger, die zuletzt zugegriffen haben, wetten offenbar darauf, dass der Ausverkauf übertrieben war und der bevorstehende Bericht positive Impulse liefert.
Fundamental spricht einiges für diese These. Im ersten Quartal steigerte Adesso den organischen Umsatz um 13 Prozent auf 398,1 Millionen Euro, nach 351,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das EBITDA kletterte auf 27,0 Millionen Euro von zuvor 17,1 Millionen Euro, das Konzernergebnis drehte mit 2,7 Millionen Euro ins Plus, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 7,3 Millionen Euro angefallen war. Bereits der Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2025 hatte diese Trendwende angedeutet: Der Umsatz wuchs um 14 Prozent auf 1,47 Milliarden Euro, das EBITDA verbesserte sich um 30 Prozent auf 123,6 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie lag bei 2,83 Euro. Im Juni zahlte das Unternehmen daraus eine Dividende von 0,78 Euro je Aktie aus.
Neue Aufträge stützen das Geschäft
Auch operativ liefert Adesso Argumente für die zuletzt gestiegene Zuversicht. Am 7. Juli gewann das Unternehmen eine Ausschreibung der Netz Leipzig GmbH, einer Tochtergesellschaft der Leipziger Stadtwerke. Der Auftrag umfasst die Migration der IT-Landschaft auf SAP S/4HANA Utilities sowie den anschließenden Systembetrieb über fünf Jahre, mit einem Projektvolumen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Bereits am 10. Juni hatte Adesso nach einem Ausschreibungsverfahren einen Auftrag der Deutschen Bundesbank für IT-Dienstleistungen erhalten. Beide Aufträge unterstreichen die Position des Unternehmens im Geschäft mit öffentlichen und regulierten Kunden.
Am Donnerstag veröffentlichte Adesso zudem eine Studie zur Anwendungsmodernisierung, die für Diskussionsstoff in der Branche sorgt: 83 Prozent der befragten Unternehmen sehen dringenden Modernisierungsbedarf bei ihren Altsystemen, während 86 Prozent ihre Kernanwendungen fälschlicherweise als zukunftssicher einstufen. Die Ergebnisse untermauern das Marktpotenzial für Modernisierungsprojekte, wie sie Adesso etwa bei Netz Leipzig gerade umsetzt.
Übernahmespekulationen und Short-Wetten
Neben den operativen Fortschritten sorgt Adesso auch abseits des Tagesgeschäfts für Gesprächsstoff. Medienberichten zufolge kursierten Mitte Juli Spekulationen, wonach das Unternehmen angesichts der fortschreitenden Konsolidierung im europäischen IT-Dienstleistungssektor als potenzieller Übernahmekandidat gelten könnte. Der stark gefallene Aktienkurs hatte solche Überlegungen befeuert. Zuvor, Anfang Juli, berichteten Medien über den Aufbau einer Short-Position durch einen nicht namentlich genannten Hedgefonds, begleitet von charttechnischen Divergenzen im Relative-Stärke-Index.
Für den 14. August bleibt damit ein Spannungsfeld: Bestätigt Adesso die Jahresprognose und liefert weitere Belege für die im ersten Quartal sichtbare Ergebniswende, könnte das die jüngste Erholung festigen. Bleibt der Bericht hinter den Erwartungen zurück, dürften Übernahmefantasie und Short-Positionierung schnell wieder in den Vordergrund rücken.
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