Ein neues Kursziel, aber kein neuer Optimismus: BMO Capital traut Accenture nun 200 Dollar zu, bleibt aber bei „Market Perform“. Das zeigt, wie gespalten der Blick auf den IT-Dienstleister derzeit ausfällt — die Erwartungen an das operative Geschäft haben sich kaum verändert.
Das neue Kursziel liegt rund neun Prozent über dem aktuellen Kurs von 183,72 Dollar. BMO begründet die Anhebung explizit mit einer verbesserten Anlegerstimmung, nicht mit fundamentalen Fortschritten. Für die IT-Dienstleistungsbranche insgesamt erwartet die Bank auch für das Kalenderjahr 2027 nur verhaltene Nachfrage, ein durchgreifendes Neubewertungs-Szenario für Accenture sieht sie nicht.
Bei anderen Häusern fällt das Bild ähnlich uneinheitlich aus. Wells Fargo hat die Aktie jüngst von „Overweight“ auf „Equal Weight“ zurückgestuft und verweist auf Wachstumssorgen sowie makroökonomischen Gegenwind, das Kursziel liegt bei 194 Dollar. UBS dagegen bestätigt „Buy“ und sieht Rückenwind durch den Rückzug von Capgemini aus dem US-Regierungsgeschäft, wovon Accenture im öffentlichen Sektor profitieren könnte.
KI-Geschäft wird zum zweiten Standbein
Während die Analystenmeinungen auseinanderdriften, baut Accenture sein KI-Geschäft strukturell aus. Mit der neuen Einheit Accenture Edge zielt der Konzern gemeinsam mit AWS auf Unternehmen mit Jahresumsätzen zwischen 300 Millionen und drei Milliarden Dollar. Sechs neue Angebote reichen von Cloud-Migration über KI-gestützten Kundenservice bis zu Sicherheitstests für KI-Anwendungen.
Der Ansatz unterscheidet sich von klassischen Beratungsprojekten: Statt individueller Lösungen sollen stärker standardisierte Pakete entstehen, die sich schneller und günstiger ausrollen lassen. Damit adressiert Accenture eine Lücke im Mittelstand, wo viele Unternehmen zwar KI testen, aber Schwierigkeiten haben, daraus produktive Systeme zu machen.
Ergänzt wird die Strategie durch die milliardenschwere Zusammenarbeit mit Anthropic zur Bewertung von KI-Modellen — ein Signal, dass Accenture nicht nur Beratungsleistungen verkauft, sondern sich als Prüf- und Sicherheitsinstanz für KI-Systeme positionieren will.
Die nächste Standortbestimmung folgt in wenigen Tagen: Accenture legt in rund einer Woche Quartalszahlen vor. BMO erwartet dabei ein moderates Umsatzplus für das August-Quartal, wobei rund zwei Prozentpunkte des Wachstums für das Geschäftsjahr 2027 aus Übernahmen stammen dürften. Ob das reicht, um die skeptischeren Stimmen wie Wells Fargo zu überzeugen, zeigt sich dann in den Zahlen selbst.
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