Ein Auftrag über rund 200 Millionen Euro klingt nach guten Nachrichten. Bei Accenture reicht das aber nicht, um den tiefen Kursrutsch der letzten Monate zu stoppen. Die NATO hat den Beratungskonzern für ein siebenjähriges Digitalprojekt ausgewählt — der Aktienkurs bleibt trotzdem meilenweit von alten Höhen entfernt.
Die NATO Communications and Information Agency vergibt den Auftrag für das sogenannte Protected Business Network. Accenture soll gemeinsam mit dem italienischen Rüstungskonzern Leonardo die Kernplattform aufbauen. Rund 29.000 Nutzer im gesamten Bündnis sollen künftig über eine Multi-Cloud-Umgebung auf sichere digitale Dienste zugreifen.
Was der NATO-Auftrag bringt
Das Projekt ersetzt veraltete IT-Systeme durch ein einheitliches Cloud-Betriebsmodell. Accenture und Leonardo entwickeln dafür standardisierte Engineering-Verfahren und eine gesicherte Umgebung. Neue digitale Dienste sollen sich damit schneller entwickeln und ausrollen lassen.
Für Accenture ist der Deal ein weiterer Baustein im Verteidigungsgeschäft. Der Konzern zeigt damit, dass er auch große staatliche Digitalprojekte stemmen kann. Erst kürzlich startete Accenture zudem gemeinsam mit Google Cloud die neue Sparte Accenture Edge — sie soll KI-Lösungen speziell für mittelständische Unternehmen liefern.
Der Kurs erzählt eine andere Geschichte
Die Aktie legt am Freitag um 1,19 Prozent zu und notiert bei 122,90 Euro. Das klingt nach Erholung, ist aber nur ein kleiner Trostpreis angesichts der Gesamtbilanz. Seit Jahresanfang hat das Papier fast die Hälfte seines Werts verloren, exakt 44,60 Prozent.
Auf Zwölfmonatssicht sieht es noch düsterer aus: minus 50,13 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 250,95 Euro trennen die Aktie inzwischen mehr als 51 Prozent. Erst im Juni markierte das Papier bei 103,60 Euro ein neues Jahrestief.
Auch die kurzfristige Entwicklung bleibt schwach. In den vergangenen 30 Tagen verlor die Aktie fast 17 Prozent an Wert. Der Kurs liegt aktuell rund elf Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und sogar 34 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 186,90 Euro. Diese Distanz zeigt: Der Abwärtstrend ist nicht neu, sondern zieht sich schon über Monate.
Der RSI von 45,7 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen — ein neutrales Bild in einem Jahr voller Verluste. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei über 65 Prozent. Das zeigt: Anleger müssen weiterhin mit heftigen Kursausschlägen rechnen.
Der NATO-Auftrag untermauert Accentures Position im Bereich Cloud und Verteidigungstechnologie. Am grundsätzlichen Kursbild ändert das bislang wenig. Mit einer Marktkapitalisierung von 73,40 Milliarden Euro bleibt Accenture ein Schwergewicht der Beratungsbranche — nur eben eines, das gerade eine seiner schwierigsten Phasen durchläuft.
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