Accenture greift auf dem Cybersicherheitsmarkt massiv an. Der Beratungsriese kauft für über vier Milliarden Dollar gleich drei US-Spezialisten. Parallel dazu streichen Analysten ihre Kursziele drastisch zusammen. Bei dem Konzern klaffen strategische Expansion und operative Realität derzeit weit auseinander.
Milliarden-Wette auf industrielle Sicherheit
Das Management übernimmt die US-Firmen Dragos, runZero und NetRise. Der Kaufpreis liegt bei rund 4,17 Milliarden US-Dollar. Damit stärkt Accenture seine Präsenz im Bereich der industriellen Sicherheitstechnik. RunZero und NetRise integriert der Konzern vollständig. Dragos bleibt als eigenständige Tochtergesellschaft erhalten.
Die drei neuen Firmen bringen jährlich wiederkehrende Umsätze von rund 200 Millionen US-Dollar ein. Das entspricht einem starken Wachstum von über 50 Prozent im Jahresvergleich. Accenture baut sein Cybersicherheitsgeschäft seit Jahren aggressiv aus. Zuletzt überstiegen die Erlöse in dieser Sparte die Marke von zehn Milliarden US-Dollar.
Analysten ziehen die Reißleine
Am Finanzmarkt verpufft die Übernahme-Nachricht weitgehend. BNP Paribas senkte am Freitag das Kursziel für Accenture von 180 auf 130 US-Dollar. Die Experten belassen die Einstufung auf „Neutral“. Sie verweisen auf schwache Wachstumsaussichten und operative Risiken. Zuvor hatte bereits Morgan Stanley die Aktie herabgestuft.
Die Skepsis hat einen konkreten Grund. Mitte Juni reduzierte der Vorstand die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf drei bis vier Prozent. Im dritten Quartal verfehlte der Konzern mit Erlösen von 18,7 Milliarden US-Dollar die Markterwartungen knapp. Einzig der Gewinn je Aktie übertraf mit 3,80 US-Dollar die Schätzungen.
Kurseinbruch ruft Anwälte auf den Plan
Die gesenkte Prognose löste Mitte Juni einen massiven Kursrutsch aus. Innerhalb weniger Tage verlor die Aktie rund 18 Prozent an Wert. Mehrere US-Kanzleien prüfen nun mögliche Verstöße gegen Wertpapiergesetze. Die Folge: zusätzliche Unsicherheit für Investoren.
Auf dem Kurszettel spiegelt sich die angespannte Lage wider. Am Freitag schloss die Aktie bei 112,85 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit fast 50 Prozent seines Wertes eingebüßt. Der Abstand zur 200-Tage-Linie beträgt rund 41 Prozent.
Der Relative-Stärke-Index signalisiert aktuell eine stark überverkaufte Situation. Kurzfristig bietet das in dieser Woche markierte Jahrestief bei 103,60 Euro eine wichtige charttechnische Unterstützung. Fällt der Kurs unter diese Marke, drohen weitere Abverkäufe.
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