Accentro braucht wieder mehr Luft — und bittet seine Anleihegläubiger erneut um Zugeständnisse. Der Berliner Wohnimmobilienkonzern hat heute beschlossen, die Bedingungen gleich vier verschiedener Anleihen zu ändern. Im Kern geht es um längere Laufzeiten, weniger strikte Tilgungspflichten und mehr Spielraum für Zukäufe.
Betroffen sind die Reinstated 2026 Senior Notes, die Reinstated 2029 Senior Notes, die Super Senior Notes sowie die East Refinancing Notes der Tochtergesellschaft Accentro East Holding. Für drei der vier Anleihen sucht der Vorstand den direkten Konsens mit den Gläubigern. Bei den Reinstated 2026 Senior Notes läuft es formaler: Hier greift eine Abstimmung ohne Versammlung nach dem Schuldverschreibungsgesetz. Die dafür nötige Invitation to Vote hat Accentro heute im Bundesanzeiger veröffentlicht.
Mehr Zeit, weniger Pflichten
Der zentrale Baustein der Änderungen ist die Verschiebung der Fälligkeiten. Die Reinstated Senior Secured Principal der 2026er- und 2029er-Notes wandert vom 30. September 2029 auf den 30. September 2031, die nachrangigen Beträge entsprechend vom Dezember 2034 auf Dezember 2036. Die Super Senior Notes bekommen zwei zusätzliche Jahre bis Ende 2029, die East Refinancing Notes können um bis zu zwei weitere Jahre gestreckt werden.
Parallel dazu fallen die Mindestpflichttilgungen für die 2026er- und 2029er-Notes sowie die Pflichttilgung aus Erlösen bei den Super Senior Notes komplett weg. Bei den East Refinancing Notes greift die Rückzahlungspflicht aus Verkaufserlösen künftig nur noch für Erlöse nach dem 31. Dezember 2026 — und selbst dann kann die Geschäftsführung darauf verzichten, wenn das Geld in Investitionen fließt.
Auch die Kontrollmechanismen werden gelockert. Der Independent Asset Expert samt zugehörigem Kündigungsrecht verschwindet aus allen vier Anleihebedingungen. Die Akquisitionsbeschränkungen für Inventory Property fallen für 2026 komplett weg, ab 2027 steigt das erlaubte Zukaufsvolumen auf insgesamt 50 Millionen Euro. Zusätzlich erhöht Accentro den Tap-Issue-Cap der Super Senior Notes von 15 auf 30 Millionen Euro und erlaubt künftig Anleiherückkäufe über alle vier Papiere hinweg.
Ergänzend verzichten die Gläubiger aller vier Anleihen bis Ende 2026 auf Rechte aus bisherigen Verstößen gegen Reporting-Pflichten und Verschuldungsgrenzen. Bei den East Refinancing Notes kommt ein Verzicht bezüglich der Nichtverwendung der Erlöse aus dem Verkauf des „Teilportfolios East“ hinzu.
Sämtliche Änderungen stehen unter dem Vorbehalt der Zustimmung der jeweiligen Anleihegläubiger. Während bei drei Anleihen die konsensuale Einigung angestrebt wird, entscheidet bei den Reinstated 2026 Senior Notes das formale Abstimmungsverfahren nach Schuldverschreibungsgesetz über den Ausgang.
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