Ein erfolgreicher Phase-3-Abschluss, und die Aktie bricht trotzdem ein. Bei Abivax zeigt sich gerade, wie sehr Sicherheitssignale Wirksamkeitsdaten überlagern können — und was das für die Übernahmegeschichte bedeutet.
Starke Wirksamkeit, beunruhigende Nebenwirkungstabelle
Am 1. Juni meldete Abivax, dass die Phase-3-Studie ABTECT ihren primären Endpunkt erreicht hat. Beide Tagesdosen von Obefazimod zeigten bei Woche 44 klinische Remissionsraten von rund 51 Prozent. Gegenüber Placebo mit etwa 10 Prozent ist das ein deutlicher Abstand. Alle wichtigen sekundären Endpunkte — darunter endoskopische Verbesserung, kortisonfreie Remission und anhaltende klinische Remission — wurden ebenfalls erfüllt.
Trotzdem brach die Aktie am Folgetag um mehr als 30 Prozent ein. Der Grund: In der Sicherheitstabelle tauchten Malignome auf. Prostatakrebs, Brustkrebs und kolonische Dysplasie im 50-mg-Arm sowie Nicht-Melanom-Hautkrebs in mehreren Studienarmen. Abivax erklärte, die Krebsfälle seien von Prüfärzten als behandlungsunabhängig eingestuft worden. Organspezifische Häufungen seien nicht beobachtet worden.
Das reichte dem Markt nicht. Die Aktie schloss gestern bei 76,65 Euro — ein Minus von gut 31 Prozent in den vergangenen sieben Tagen.
Analysten uneins über den weiteren Weg
Die Reaktionen der Analysten spiegeln die Unsicherheit wider. Jefferies stufte Abivax von Buy auf Hold herab und senkte das Kursziel von 160 auf 90 US-Dollar. Begründung: offene Fragen zur Kausalität des Krebssignals, Zulassungsrisiken und mögliche Einschränkungen im Beipackzettel.
Truist blieb dagegen bei Buy und senkte das Kursziel nur leicht von 140 auf 135 US-Dollar. Citizens erhöhte sein Kursziel sogar von 131 auf 187 US-Dollar und behielt die Outperform-Einstufung bei — mit Verweis auf Remissionsraten, die über den eigenen Erwartungen lagen.
Übernahme-Kandidat mit Fragezeichen
Abivax galt vor dem Datenereignis als aussichtsreicher Akquisitionskandidat für einen der großen Pharmariesen. Diese Einschätzung steht jetzt zur Debatte. Potenzielle Käufer dürften zunächst die vollständige Datenpräsentation abwarten — geplant für Oktober 2026. Einige könnten den Kursrückgang als Einstiegsgelegenheit sehen. Andere werden auf regulatorische Klarheit warten.
Kein unmittelbarer Liquiditätsdruck zwingt Abivax zu einer schnellen Entscheidung. Das Unternehmen verfügte zum 31. März über knapp 492 Millionen Euro an liquiden Mitteln. Die Finanzierung reicht nach eigenen Angaben bis ins vierte Quartal 2027.
Der nächste konkrete Meilenstein ist die Halbjahreszahlen am 21. September 2026. Kurz darauf plant Abivax die NDA-Einreichung bei der FDA für Obefazimod in der Indikation Colitis ulcerosa — voraussichtlich im vierten Quartal 2026. Wie die Zulassungsbehörde das Sicherheitsprofil bewertet, wird die Übernahmediskussion stärker beeinflussen als jede aktuelle Analysteneinschätzung.
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