Abivax Aktie: 43,6-Prozent-Absturz nach Krebssignal

Trotz Rekord-Remissionsraten in der Colitis-Studie belasten sieben Krebsfälle den Aktienkurs und verschieben die Übernahmepläne.

Auf einen Blick:
  • Krebsfälle in Hochdosisgruppe entdeckt
  • Historische Remissionsraten erzielt
  • Analysten uneins über Sicherheitsrisiko
  • Übernahmegespräche auf Oktober vertagt

Ein Krebssignal in der Hochdosisgruppe hat einen der stärksten Phase-3-Datensätze der Biotech-Branche überschattet. Abivax verlor am Dienstag 43,6 Prozent seines Börsenwerts — trotz Remissionsraten, die Analysten als historisch bezeichnen.

Rekord-Wirksamkeit, brutale Reaktion

Die ABTECT-Studie lieferte beeindruckende Zahlen. In der Phase-3-Erhaltungstherapie mit dem oralen Wirkstoff Obefazimod erreichten 50,8 Prozent der Patienten in der 25-mg-Gruppe und 51,3 Prozent in der 50-mg-Gruppe eine klinische Remission. In der Placebogruppe waren es 10,4 Prozent. Leerink Partners nannte das Ergebnis ein „Best-Case-Szenario“ — die höchsten je in einer placebokontrollierten Phase-3-Studie zur Colitis ulcerosa gemessenen Remissionsraten.

Kein Wunder, dass die Wirksamkeitsdaten zunächst Euphorie auslösten. Was folgte, war das Gegenteil.

Das Krebssignal und die Spaltung der Analysten

In der 50-mg-Gruppe traten sieben Malignome auf. In der 25-mg-Gruppe und der Placebogruppe war es jeweils einer. Abivax erklärte, die Fälle seien nach Einschätzung der Prüfärzte nicht behandlungsbedingt. Vier der sieben Fälle betrafen Hautkrebs, zwei davon bei Patienten mit entsprechender Vorerkrankung. Kolondysplasien gelten zudem als bekannte Folge chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen.

Die Analysten reagierten gespalten. Jefferies stufte die Aktie von Buy auf Hold herab und senkte das Kursziel von 160 auf 90 Dollar. Das Krebssignal untergrabe die Investmentthese und belaste die strategischen Optionen — selbst wenn sich die Fälle als behandlungsunabhängig erweisen sollten. Wedbush hob die Bewertung von Underperform auf Neutral an, senkte das Kursziel aber ebenfalls auf 90 Dollar. Citizens erhöhte das Kursziel auf 187 Dollar und behielt das Outperform-Rating. Truist Securities blieb bei Buy, kürzte das Ziel jedoch leicht auf 135 Dollar.

Stifel-Analyst Damien Choplain ordnete das Signal als „potenziellen Label-Vorbehalt“ ein, nicht als klaren Kausalzusammenhang. Als Vergleich nannte er AbbVies Rinvocq: Das Mittel trägt eine FDA-Warnung zu Malignomen, erzielte 2025 aber trotzdem 8,3 Milliarden Dollar Umsatz.

Übernahme-Timeline verschiebt sich

Die Kurskorrektur trifft Abivax zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Unternehmen gilt seit Monaten als Übernahmekandidat für einen der großen Pharmakonzerne. Choplain erwartet nun, dass Abivax den vollständigen Datensatz abwartet — erwartet für Oktober — bevor es in ernsthafte Gespräche geht. Potenzielle Käufer dürften dasselbe tun.

Parallel dazu plant Abivax, den New Drug Application beim FDA für Obefazimod in der Colitis-ulcerosa-Indikation Ende des vierten Quartals 2026 einzureichen. Die Crohn-Studie ENHANCE-CD verzögert sich hingegen um rund sechs Monate. Topline-Daten aus der Phase-2b-Induktionsstudie erwartet das Unternehmen nun erst Mitte 2027. Die Kassenbestände lagen zum Ende des ersten Quartals 2026 bei 491,6 Millionen Euro — ausreichend für den Betrieb bis ins vierte Quartal 2027.

Der Oktober-Datensatz wird zeigen, ob das Krebssignal sich als statistisches Rauschen entpuppt oder als strukturelles Problem. Bis dahin bleibt die Aktie — derzeit bei rund 80 Dollar nach einem Schlusskurs von 132,63 Dollar — zwischen starker Wirksamkeit und ungelöster Sicherheitsfrage eingeklemmt.

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