Der US-Biopharmakonzern AbbVie blickt nach einem erfolgreichen zweiten Quartal optimistischer auf das Gesamtjahr 2026. Das Unternehmen hob seine Umsatzprognose um 300 Millionen US-Dollar auf nun rund 67,6 Milliarden US-Dollar an. Gleichzeitig wurde die Erwartung für den bereinigten verwässerten Gewinn je Aktie (EPS) auf eine Spanne von 13,87 bis 14,07 US-Dollar angepasst. Diese Aktualisierung berücksichtigt bereits eine Verwässerung von 0,14 US-Dollar je Aktie durch die geplante Übernahme von Apogee Therapeutics.
Immunologie-Sparte treibt Umsatzwachstum
Die Geschäftsergebnisse für das zweite Quartal unterstreichen die Wachstumsdynamik des Konzerns. AbbVie meldete einen Nettoumsatz von 16,99 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 10,2 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Besonders das Immunologie-Portfolio erwies sich mit einem Erlös von 8,786 Milliarden US-Dollar als stabiler Wachstumspfeiler.
Dabei konnten die Präparate Skyrizi und Rinvoq den deutlichen Rückgang beim einstigen Blockbuster Humira mehr als kompensieren. Während der Umsatz mit Humira um 35,9 % auf 756 Millionen US-Dollar einbrach, verzeichnete Skyrizi ein Plus von 24 % auf 5,505 Milliarden US-Dollar. Rinvoq steigerte die Erlöse um 23,7 % auf 2,525 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg im Quartalsvergleich um 22,9 % auf 3,65 US-Dollar.
An den Märkten wird die operative Entwicklung wohlwollend begleitet. Das Papier ging am Freitag bei 212,70 € aus dem Handel. Damit summieren sich die Gewinne seit Jahresbeginn auf 8,30 %. Das 52-Wochen-Hoch von 234,70 €, das Ende Juli markiert wurde, bleibt damit in Reichweite.
Milliardenübernahme von Apogee vor dem Abschluss
Ein zentraler Baustein der künftigen Strategie ist die 10,9 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Apogee Therapeutics. Die Transaktion soll voraussichtlich noch im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Ein wichtiger Meilenstein steht am kommenden Dienstag an, wenn die Aktionäre von Apogee über den Verkauf abstimmen. Mit der Übernahme sichert sich AbbVie Zugang zu vielversprechenden Wirkstoffkandidaten wie zumilokibart (APG777) und APG273.
Parallel dazu treibt das Unternehmen die Erweiterung seiner bestehenden Produktpalette voran. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat am Dienstag einen ergänzenden Zulassungsantrag für BOTOX Cosmetic zur Prüfung angenommen, der auf die Behandlung der Kaumuskulatur abzielt. Zudem erhielt SKINVIVE by JUVÉDERM am 31. Juli die US-Zulassung zur Behandlung von Halsfalten. Auch in Europa gab es Fortschritte: Die Europäische Kommission genehmigte Rinvoq zur Behandlung von Vitiligo und schwerer Alopecia areata bei Erwachsenen und Jugendlichen.
Analysten reagieren mit Kurszielerhöhungen
Die jüngsten operativen Fortschritte führten zu einer Neubewertung durch mehrere Analysehäuser. Die Experten der Erste Group hoben ihre Einstufung am vergangenen Mittwoch von „Hold“ auf „Buy“ an und verwiesen dabei auf die signifikanten Fortschritte der Forschungspipeline in den Bereichen Immunologie, Onkologie und Neurowissenschaften.
Am selben Tag erhöhte das Analysehaus Guggenheim das Kursziel für die Aktie von 272 auf 288 US-Dollar. Weitere Marktbeobachter schlossen sich diesem Trend an und riefen Ziele von bis zu 290 US-Dollar aus. Während institutionelle Investoren wie Cardano Risk Management B.V. am heutigen Sonntag Zukäufe von über 32.000 Anteilen meldeten, gab es auf der anderen Seite auch vereinzelte Verkäufe durch Vermögensverwalter wie GoalVest Advisory LLC. Trotz der positiven Quartalszahlen mahnen einzelne Research-Häuser zur Vorsicht und bewerten den aktuellen Aktienkurs im historischen Vergleich als ambitioniert. Das Unternehmen selbst untermauerte seine Handlungsfähigkeit am Donnerstag durch die Einreichung eines Prospektnachtrags bei der US-Börsenaufsicht SEC für eine potenzielle Wertpapieremission.
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