ABB hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 einen Bestellrekord vorgelegt und gleichzeitig die größte Übernahme seit Jahren angekündigt. Der Industriekonzern meldete am 16. Juli 2026 Auftragseingänge von 12,04 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 28 Prozent auf vergleichbarer Basis. Parallel dazu bestätigte das Unternehmen ein verbindliches Barangebot für den britischen Automatisierungsspezialisten Rotork plc über 503 Pence je Aktie – ein Volumen von rund 5,5 Milliarden US-Dollar, wie ABB mitteilte.
Umsatz und Marge legen deutlich zu
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 9,48 Milliarden US-Dollar. Die operative EBITA-Marge verbesserte sich von 19,3 auf 20,2 Prozent, der Reingewinn stieg um 7 Prozent auf 1,23 Milliarden US-Dollar. Auf Basis dieser Dynamik hob ABB die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 an: Statt eines hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Wachstums erwartet der Konzern nun ein vergleichbares Plus im niedrigen zweistelligen bis unteren Teens-Bereich. Die Rotork-Übernahme soll das Portfolio im Bereich Durchflusskontrolle und elektrische Stellantriebe ergänzen.
Portfolioumbau läuft auf mehreren Ebenen
Neben dem Rotork-Deal treibt ABB den Umbau des eigenen Geschäfts voran. Der Zeitplan für den Verkauf der Robotik-Sparte an die japanische SoftBank Group wurde konkretisiert: Der Abschluss wird für das zweite Halbjahr 2026 avisiert, mit einem erwarteten Nettoerlös von 4,8 Milliarden US-Dollar. Bereits Anfang Juli hatte ABB die Übernahme des italienischen Transformatorenherstellers Specialtrasfo vollzogen, um das Angebot an spezialisierten Transformatoren für industrielle Anwendungen zu erweitern. Mitte Juli kam eine strategische Minderheitsbeteiligung am britischen Software-Startup Gridcog hinzu, das Modellierungssoftware für dezentrale Energiesysteme und industrielle Mikronetze entwickelt. Zusätzlich läuft ein Aktienrückkaufprogramm: Zwischen dem 9. und 15. Juli 2026 kaufte ABB über eine separate Handelslinie an der SIX Swiss Exchange 57.500 eigene Aktien zurück.
Analysten reagieren mit höheren Kurszielen
Die DZ Bank reagierte am 16. Juli 2026 mit einer Anhebung: Analyst Robert Czerwensky erhöhte den fairen Wert für die ABB-Aktie von 90 auf 95 Schweizer Franken und bestätigte die Einstufung „Kaufen“, gestützt auf die starke Dynamik im Elektrifizierungssegment. Auch Morningstar zog einen Tag später nach und hob die Fair-Value-Schätzung von 60 auf 67 Schweizer Franken an. Das Analysehaus warnte zugleich vor einer möglichen Überbewertung der Aktie durch den aktuellen Marktfokus auf KI-Infrastruktur – ein Hinweis darauf, dass ein Teil der Kursfantasie bereits eingepreist sein könnte.
Aktie unter Druck trotz starker Zahlen
An der Börse zeigte sich zuletzt eine gegenläufige Bewegung zu den operativen Erfolgen. Die ABB-Aktie schloss am Montag bei 85,56 Euro, ein Rückgang von 0,97 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen hat das Papier deutlicher nachgegeben und notiert derzeit 6,07 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 34,15 Prozent zu Buche – die jüngste Schwäche relativiert sich damit vor dem Hintergrund eines insgesamt starken Börsenjahres. Der Rücksetzer dürfte auch mit der von Morningstar angesprochenen Bewertungsdiskussion rund um KI-getriebene Industriewerte zusammenhängen.
Der nächste wichtige Termin für Anleger folgt am 20. Oktober 2026, wenn ABB die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 vorlegt. Bis dahin dürfte der Fortschritt bei der Rotork-Integration und dem SoftBank-Deal im Fokus stehen, ebenso die Frage, ob sich die angehobene Jahresprognose in den kommenden Quartalen bestätigt.
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