ABB legt heute die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor. Die Erwartungen sind hoch, der Aktienkurs ist es auch. Der Industriekonzern aus Zürich steht damit vor einem Härtetest: Kann er das Tempo aus dem ersten Quartal halten?
Analysten erwarten deutliches Wachstum
Zehn Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen. Sie rechnen mit einem kräftigen Plus bei Auftragseingang und Umsatz. Grund ist vor allem das Segment Elektrifizierung, das von der starken Nachfrage aus dem Rechenzentrumsbereich profitiert.
Die Konsensschätzungen im Überblick:
- Auftragseingang: 10.477 Mio. USD (Vorjahr: 9.254 Mio. USD)
- Umsatz: 9.453 Mio. USD (Vorjahr: 8.295 Mio. USD)
- Operative EBITA-Marge: 19,9 Prozent (Vorjahr: 19,3 Prozent)
- Reingewinn: 1.325 Mio. USD (Vorjahr: 1.151 Mio. USD)
Im Bereich Automation dürfte das Bild anders aussehen. Ein Großauftrag aus dem Vorjahr über rund 600 Millionen US-Dollar fällt als Vergleichsbasis weg. Das dürfte den Bestellungseingang in diesem Segment belasten.
Schon das erste Quartal 2026 zeigte zweistelliges Wachstum bei Bestellungen und Umsatz. ABB reagierte im April und hob die Jahresprognose an. Der Konzern stellt nun ein Umsatzwachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich in Aussicht. Die operative EBITA-Marge soll über dem Vorjahreswert von 19,2 Prozent liegen – selbst ohne die Immobilienerlöse aus dem ersten Quartal.
Die meisten Marktbeobachter erwarten, dass ABB an diesen Zielen festhält.
Aktienrückkauf läuft weiter
Parallel zur Zahlenveröffentlichung setzt ABB sein Rückkaufprogramm fort. Anfang Juli kaufte der Konzern 34.035 eigene Aktien zurück. Damit steigt die Gesamtzahl der zurückgekauften Aktien auf über 4,19 Millionen. Eine unabhängige Bank wickelte die Transaktionen an der SIX-Börse ab, im Einklang mit den Schweizer und EU-Safe-Harbour-Regeln.
Bewertung nach starker Rallye
Die ABB-Aktie war zuletzt der auffälligste Wert am Schweizer Markt. Seit Jahresanfang steht ein Plus von 42,63 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sind es sogar 75,85 Prozent. Zum Vergleich: Novartis als zweitbeste SMI-Aktie kam im ersten Halbjahr nur auf 16 Prozent, der SMI insgesamt auf knapp 7,5 Prozent.
Aktuell notiert die Aktie bei 90,14 Euro. Das liegt 6,45 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 96,36 Euro vom 22. Juni. Auf Wochensicht gab der Kurs um 2,09 Prozent nach, der RSI von 46,9 deutet auf keine Überhitzung hin. Die Marktkapitalisierung liegt bei 164,61 Milliarden Euro.
Treiber der Rallye war vor allem die Nachfrage aus dem Rechenzentrumsbereich. Der Ausbau von KI-Infrastruktur erhöht den Bedarf an Lösungen für Elektrifizierung und Energieverteilung. Gleichzeitig nutzt ABB künstliche Intelligenz, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit in Automation und Robotik zu stärken.
Mehrere Analysten mahnen inzwischen zur Vorsicht. Nach dem starken Anstieg seien die positiven Erwartungen bereits weitgehend im Kurs eingepreist. Das zeigt sich auch bei den Einstufungen: Nur vier Experten empfehlen die Aktie aktuell zum Kauf, 17 raten zum Halten, ein Experte zum Verkauf.
Ausblick
Bestätigen die heutigen Zahlen die Konsensschätzungen oder übertreffen sie diese, dürfte das Vertrauen in die angehobene Jahresprognose wachsen. Ein Risikofaktor bleibt die geopolitische Lage im Nahen Osten. ABB hatte im April erklärt, der Nahostkonflikt werde das weltweite Geschäft voraussichtlich nicht stark beeinträchtigen – bislang zeigte der Krieg tatsächlich kaum Auswirkungen auf die Geschäftszahlen des Konzerns.
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