ABB meldet für das zweite Quartal einen Rekord-Auftragseingang. Gleichzeitig kündigt der Industriekonzern die größte Übernahme seiner Geschichte an. Die Aktie reagiert darauf verhalten – am Freitag stand trotz starker Zahlen nur ein moderates Plus zu Buche.
Der Rotork-Deal: Teuer, aber strategisch passend
ABB übernimmt den britischen Durchflusskontroll-Spezialisten Rotork für rund 5,5 Milliarden US-Dollar. Der Angebotspreis liegt bei 503 Pence je Aktie. Das entspricht einer Prämie von etwa 60 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.
Die Deutsche Bank und Berenberg äußerten sich am Freitag zu dem Deal. Beide Häuser loben die strategische Ergänzung zum bestehenden Automatisierungsgeschäft von ABB. Bei der Bewertung sind die Analysten aber vorsichtig. Beide Institute bestätigten ihre neutrale Einstufung „Hold“ – kein Ausrufezeichen, eher ein Fragezeichen hinter dem Kaufpreis.
Rekordauftragseingang und Wachstumsmarkt Indien
Die am Donnerstag vorgelegten Quartalszahlen zeigen, warum ABB überhaupt in Kaufkraft investieren kann. Der Auftragseingang kletterte auf 12,04 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders stark entwickelt sich Indien. Dort wuchsen die Aufträge um 81 Prozent. Treiber sind Investitionen in Rechenzentren und die Modernisierung der Stromnetze.
CEO Morten Wierod betonte, ABB verfüge trotz des Rotork-Kaufs weiterhin über eine „M&A-Feuerkraft“ von rund 14 Milliarden US-Dollar. Ein Teil davon soll aus dem Verkauf der Robotik-Sparte an SoftBank stammen. Der Deal soll im zweiten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden und rund 4,8 Milliarden US-Dollar einbringen.
Kurs unter Druck trotz starker Fundamentaldaten
Die ABB-Aktie schloss am Freitag bei 86,40 Euro, ein Plus von 1,72 Prozent zum Vortag. Der Wochenblick zeigt allerdings ein anderes Bild: Minus 4,80 Prozent. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 96,36 Euro am 22. Juni hat der Titel damit über zehn Prozent verloren.
Auf Jahressicht bleibt die Bilanz trotzdem deutlich positiv. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn 35,47 Prozent im Plus. Die aktuelle Konsolidierung wirkt damit eher wie eine Verschnaufpause nach einem starken Lauf als wie ein Warnsignal.
Ausblick: Integration und Branchenvergleich im Fokus
In der kommenden Woche dürften Details zur Finanzierung des Rotork-Deals im Mittelpunkt stehen. Auch mögliche Integrationspläne werden Anleger genau verfolgen. Parallel nimmt die Berichtssaison in der Automatisierungsbranche Fahrt auf – Zahlen von Wettbewerbern könnten zusätzliche Impulse für den ABB-Kurs liefern.
Makroökonomisch rücken Daten zur globalen Industrietätigkeit in den Fokus. Sie dürften zeigen, ob die Nachfrage aus KI-Rechenzentren und Netzmodernisierung die Schwäche anderer Industriesektoren weiter ausgleichen kann. Zum Zeitplan der SoftBank-Transaktion erwarten Marktbeobachter im Laufe des Quartals weitere Details.
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