ABB droht durch die Schwierigkeiten beim Robotikverkauf deutlich weniger Spielraum für eigene Zukäufe. Citigroup-Analyst Martin Wilkie schätzt laut heutigen Medienberichten, dass sich die verfügbare Akquisitionskapazität auf rund 5 Mrd. US-Dollar halbieren würde. Für Anleger rückt damit die finanzielle Konsequenz des Verkaufsprozesses in den Mittelpunkt: Wie viel Kapital kann ABB für seine nächsten Schritte tatsächlich einplanen?
Weniger Kapital für Zukäufe
Wilkies Einschätzung beschreibt das Risiko für ABBs künftige Übernahmemöglichkeiten. Ein geringerer finanzieller Spielraum würde größere Zukäufe erschweren, sofern der Konzern den erwarteten Verkaufserlös nicht durch eine alternative Lösung sichern kann. Damit reicht die Bedeutung der Transaktion über die Zukunft der Robotiksparte hinaus.
ABB hatte den Verkauf im Oktober 2025 vereinbart. Der geplante weltweite Deal mit SoftBank wird in den jüngsten Berichten mit 5,4 Mrd. US-Dollar bewertet. ABB wollte ihn bis Jahresende abschließen.
Dieser Zeitplan hängt davon ab, ob beide Unternehmen eine tragfähige Transaktionsstruktur finden. Die chinesische Blockade vom Donnerstag betrifft den Erwerb des Robotikgeschäfts in China. ABB und SoftBank erklärten, weiter konstruktiv an der Transaktion zu arbeiten.
China-Ausgliederung als möglicher Ausweg
Bloomberg zufolge prüfen die Unternehmen, das chinesische Robotikgeschäft aus dem Verkauf herauszulösen. Dafür käme eine separate Gesellschaft mit anderer Eigentümerstruktur infrage. Die Gespräche befinden sich allerdings in einem frühen Stadium und könnten scheitern.
Eine solche Lösung könnte den Verkauf der übrigen Aktivitäten ermöglichen, sofern sie die chinesischen Bedenken ausräumt und sich praktisch umsetzen lässt. Die Financial Times berichtete über Befürchtungen hinsichtlich eines möglichen Transfers von Roboterdaten nach Japan zum Training von KI-Modellen. Eine offizielle Begründung für die Entscheidung wurde nicht veröffentlicht.
China ist der größte Einzelmarkt der Robotiksparte und steht für rund 30 % ihres Geschäfts. Eine Herauslösung würde daher einen wesentlichen Teil der geplanten Transaktion betreffen.
Erlös und Abschluss bleiben entscheidend
ABB prüft laut Bloomberg außerdem einen anderen Käufer oder eine Abspaltung mit Börsengang. Diese Optionen eröffnen alternative Wege, sofern sich dafür eine umsetzbare Struktur und ausreichendes Interesse finden.
Die Robotiksparte erzielte 2024 einen Umsatz von 2,3 Mrd. US-Dollar. Das entsprach rund 7 % des Konzernumsatzes.
Für ABB-Anleger entscheidet sich der finanzielle Nutzen des Verkaufs damit an drei Punkten: dem Umfang des veräußerten Geschäfts, dem erzielbaren Erlös und dem Abschlusszeitpunkt. Eine tragfähige Einigung würde den Übernahmespielraum stützen, sofern ABB damit ausreichend Mittel für weitere Zukäufe freisetzt. Bis dahin bleibt Wilkies Schätzung die konkrete Warnung vor den möglichen Folgen eines ausbleibenden Verkaufs.
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