Der schwedische Hausgerätehersteller Electrolux hat seinen Restrukturierungskurs für die italienischen Standorte überraschend angepasst. Statt der ursprünglich befürchteten Entlassungswelle setzt das Unternehmen nun auf ein Abfindungsprogramm. An den Finanzmärkten verpuffte das Einlenken am Dienstag allerdings: Die Electrolux-Aktie verlor im Tagesverlauf 7,5 Prozent und fiel auf 24,80 SEK zurück.
Freiwillige Abgänge statt Kündigungen
Bei einem Treffen im italienischen Industrieministerium in Rom zog das Management am gestrigen Montag die zuvor eingeleiteten einseitigen Entlassungsverfahren zurück. Nachdem in früheren Plänen der Abbau von bis zu 1.700 Arbeitsplätzen im Raum stand, sieht der überarbeitete Entwurf nun das Ausscheiden von 1.250 Beschäftigten vor.
Die Reduzierung soll ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Vorgesehen ist ein mehrjähriger Prozess über freiwillige Aufhebungsverträge, der durch Kurzarbeitsregelungen und staatliche Auffangnetze abgefedert wird. Vom Abbau betroffen sind nach Unternehmensangaben 600 Angestellte sowie 650 Arbeiter.
Gewerkschaftsvertreter wie die Metallgewerkschaft UILM begrüßten den Verzicht auf Zwangsentlassungen, forderten im Gegenzug jedoch verbindliche Details zu den finanziellen Anreizen sowie langfristige Beschäftigungsgarantien.
Investitionen und Zukunft der Dunstabzugshauben
Flankiert wird der Personalumbau von Zusagen an die verbleibenden Fertigungsstandorte. Electrolux plant in Italien Investitionen von 90 Millionen Euro. Mit diesem Kapital soll die Produktion modernisiert und auf höherwertige Produktsegmente ausgerichtet werden, um ein jährliches Volumen von über drei Millionen Geräten zu sichern.
Gleichzeitig bleibt das Schicksal einzelner Unternehmensteile prekär. Für das Werk in Cerreto d’Esi in der Region Marken hält der Konzern die eigene Fertigung von Dunstabzugshauben weiterhin nicht für wirtschaftlich tragfähig.
Der Standort mit seinen 170 Beschäftigten soll zwar vorerst weiterproduzieren, parallel sucht Electrolux gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft Vertus jedoch nach externen Investoren für eine Reindustrialisierung. Die Belegschaft vor Ort reagierte gestern mit einem achtstündigen Streik auf die anhaltende Unsicherheit.
Ministerium prüft Unterstützung
Italiens Industrieminister Adolfo Urso bezeichnete die Rücknahme der Kündigungen als Schritt in die richtige Richtung und stellte finanzielle Hilfen im kommenden Staatshaushalt in Aussicht. Die Verhandlungspartner vereinbarten weitere Arbeitsgespräche für Donnerstag sowie eine Plenarsitzung am 29. Oktober, um den Sanierungsplan verbindlich abzuschließen.
Für den Konzern ist die Einigung in Rom nur ein Baustein einer umfassenderen Neuausrichtung. Der weltweite Vorstand befasst sich Anfang November mit der weiteren Reorganisation der Unternehmensstrukturen. Die Anleger bleiben angesichts der anhaltenden operativen Belastungen skeptisch: Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust der Electrolux-Aktie auf 63 Prozent.
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