Der schwedische Hausgerätehersteller AB Electrolux treibt seine globale Neuausrichtung mit Nachdruck voran. Während das Unternehmen in Osteuropa Fakten schafft und Produktionskapazitäten bündelt, sorgen Verhandlungen über einen massiven Stellenabbau in Südeuropa für Unruhe. Hinzu kommen finanzielle Belastungen aus dem Südamerika-Geschäft, die den Konzern in einer ohnehin schwierigen Marktphase treffen.
Produktionsstopp in Ungarn und Unruhe in Italien
Im ungarischen Jászberény wird die Produktion zum Ende des laufenden Jahres eingestellt. Von dieser Werksschließung sind rund 600 Arbeitsplätze betroffen.
Medienberichten zufolge plant der Konzern, die Fertigungskapazitäten nach Polen und Italien zu verlagern, um die Effizienz innerhalb des europäischen Fertigungsnetzwerks zu steigern. Doch die Verlagerungspläne treffen in Italien auf heftigen Widerstand und fallen mit dortigen Kürzungsplänen zusammen.
In den italienischen Werken stehen insgesamt 1.700 Arbeitsplätze zur Disposition, wobei der Standort Forlì mit 400 bedrohten Stellen besonders im Fokus steht. Zwar wurde die Umsetzung dieses Sparplans vorübergehend ausgesetzt, doch die Unsicherheit für die Belegschaft bleibt bestehen.
Eine entscheidende Verhandlungsrunde zwischen der Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern ist für den kommenden Donnerstag in Rom angesetzt. Analysten beobachten genau, ob Electrolux die angestrebten Kostensenkungen ohne langwierige Arbeitskämpfe realisieren kann.
Forderungsausfälle durch Großkunden belasten die Bilanz
Neben den strukturellen Umbaukosten belasten externe Faktoren die finanzielle Stabilität. In Brasilien sorgt die Krise des Einzelhändlers Casas Bahia für weitreichende Folgen. Das Unternehmen befindet sich in einem komplexen Insolvenzverfahren und weist Gesamtschulden von 28 Milliarden Real aus.
Electrolux gehört zu den 50 wichtigsten Gläubigern des Konzerns. Gemeinsam mit weiteren Lieferanten wie Samsung, LG und Whirlpool ist Electrolux von ausstehenden Zahlungen betroffen, die sich für diese Gruppe auf insgesamt 3,52 Milliarden Real summieren.
Diese Entwicklung trifft die Aktie in einem ohnehin schwachen Marktumfeld. Am Freitag ging das Papier mit einem Kurs von 28,71 SEK aus dem Handel. Seit Jahresbeginn summiert sich der Wertverlust damit bereits auf 57 Prozent. Damit bleibt die Aktie weit von ihrem 52-Wochen-Hoch entfernt, das im Februar noch bei 91,50 SEK markiert wurde.
Strategische Zukäufe im Profi-Segment
Trotz des harten Sparkurses im Konsumentengeschäft setzt die Sparte Electrolux Professional auf gezielte Expansion. Das Unternehmen schloss die Übernahme des Spezialisten für Getränkeautomaten, SPM Drink Systems, ab.
Der Zukauf aus dem italienischen Spilamberto bringt einen Jahresumsatz von etwa 30 Millionen Euro und rund 110 Mitarbeiter in die Gruppe ein. Das Ziel ist es, die Marktposition bei professionellen Getränkelösungen nachhaltig zu stärken.
Zudem konnte Electrolux Professional einen Erfolg im Bereich der Produktentwicklung verbuchen. Für die Serie SkyLine, die Kombidämpfer und Kühlzellen umfasst, erhielt das Unternehmen einen Branchenpreis für Energieeffizienz.
Diese Spezialisierung auf technologisch anspruchsvolle und margenstarke Profi-Lösungen gilt als ein Kernpfeiler der künftigen Konzernstrategie, um die Abhängigkeit vom volatilen Geschäft mit Privatkunden zu verringern. Die Geräte sollen die Produktivität in Großküchen um bis zu 25 Prozent steigern und tragen entsprechende Zertifizierungen für ergonomisches Design.
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