Wenn ein Rüstungszulieferer acht Jahre Entwicklungsarbeit in ein einziges Bauteil steckt, geht es um mehr als Prototypen. Elmet Technologies, Tochter der Elmet Group, setzt künftig auf die Metalldrucker von 3D Systems, um Bauteile für Hyperschall-Flugkörper zu fertigen. Die Produktion soll noch 2026 anlaufen.
Niob-Legierung für Extrembedingungen
Im Zentrum steht die DMP Flex 350 Triple, ein Metall-3D-Drucker von 3D Systems, der mit drei Lasern arbeitet und ein Baufeld von 350 mal 350 mal 350 Millimetern abdeckt. Elmet will damit große Wärmetauscher für Hyperschall-Fahrzeuge herstellen — Bauteile, die enormen thermischen Belastungen standhalten müssen.
Verarbeitet wird C103, eine Niob-Legierung mit Hafnium- und Titan-Anteilen, die für Hochtemperatur-Luft- und Raumfahrtanwendungen entwickelt wurde. Die Parameter dafür erarbeitete Elmet gemeinsam mit der Application Innovation Group von 3D Systems, einem Expertenteam für Werkstoff- und Prozessentwicklung. Die Zusammenarbeit läuft nach Unternehmensangaben bereits seit acht Jahren.
Technisch macht sich das bemerkbar: Die Maschine hält den Sauerstoffgehalt unter 25 ppm, üblicherweise sogar zwischen 0 und 6 ppm. Diese kontrollierte Atmosphäre ist entscheidend, wenn reaktive Metalle wie Niob-Legierungen verarbeitet werden — sie ermöglicht hohe Pulver-Wiederverwendungsraten und präzise Oberflächenqualität.
Schnelle Zertifizierung als Verkaufsargument
Elmet rechnet mit einer Qualifizierung des Systems innerhalb weniger Monate, die NASA-6030-Zertifizierung soll kurz danach folgen. Diese Geschwindigkeit begründet das Unternehmen mit der Vorarbeit auf einem früheren 3D-Systems-Drucker, die sich nun direkt auf die neue Maschine übertragen lässt.
Für 3D Systems zahlt die Kooperation auf ein strategisches Ziel ein: heimische Lieferketten für die US-Verteidigungsindustrie zu stärken. Die additive Fertigung reduziert die Abhängigkeit von langen Zulieferketten und ermöglicht werkzeuglose, lokale Produktion — ein Argument, das in der aktuellen Debatte um Rüstungssouveränität Gewicht hat. Direct Metal Printing erlaubt zudem Bauteilgeometrien, die mit klassischen Verfahren wie Löten kaum realisierbar sind: dünnwandige Strukturen mit maximaler Wärmeübertragung bei kontrollierten Druckverlusten.
Ob sich der Auftrag in konkreten Umsatzzahlen niederschlägt, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt offen. Die Aktie reagierte im vorbörslichen Handel mit einem Kursplus, während das Papier der Elmet Group nachgab — ein Hinweis darauf, dass der Markt die Partnerschaft vorerst stärker als Signal für 3D Systems‘ Position in der Aerospace-und-Defense-Sparte wertet.
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