Zwei Analysehäuser haben am Montag ihre Einschätzung zu 2G Energy aktualisiert. SMC Research erhöhte das Kursziel von 78,00 Euro auf 80,00 Euro, First Berlin Equity Research sieht einen fairen Wert von 73,00 Euro. Beide Bewertungen fallen in eine Phase, in der das Unternehmen seine mittelfristigen Ziele deutlich nach oben geschraubt hat.
Hauptversammlung mit angehobener Wachstumsguidance
Auf der Hauptversammlung in Ahaus am vergangenen Montag hob der Vorstand die langfristige Guidance bis 2028 an: Statt der bisher avisierten 10 Prozent soll das jährliche Umsatzwachstum künftig bei 20 Prozent liegen, die Ziel-EBIT-Marge bei 10 Prozent.
Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte 2G Energy zudem am Freitag in einer Ad-hoc-Mitteilung die Umsatzprognose am oberen Rand der bisherigen Spanne und stellte für 2027 ein Umsatzwachstum von rund 20 Prozent in Aussicht.
Untermauert wird diese Zuversicht durch die operative Entwicklung: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Anlagenbestellungen auf 479,4 Millionen Euro, nach 110,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal meldete das Unternehmen einen Rekord-Auftragseingang von 422,4 Millionen Euro, maßgeblich getrieben durch das Neugeschäft mit Rechenzentren.
US-Expansion nimmt Fahrt auf
Wie konkret dieses Wachstum inzwischen unterlegt ist, machten CEO Pablo Hofelich und CFO Friedrich Pehle am Montag im Fach-Podcast „Glaser & Spang“ deutlich.
Demnach hat 2G Energy in den USA bereits vier Großprojekte für Rechenzentren gewonnen und verweist auf eine Projekt-Pipeline im Gigawatt-Bereich. Der Bedarf an dezentraler, schnell verfügbarer Stromerzeugung für Datacenter gilt als zentraler Wachstumstreiber, auf den auch die neue Guidance abzielt.
Ergänzend dazu hatten 2G Energy und der Partner Amogy vor rund einem Monat ein System zur emissionsfreien Stromerzeugung vorgestellt, bei dem Wasserstoff mittels Cracking-Technologie aus Ammoniak gewonnen und direkt in einem Wasserstoff-Blockheizkraftwerk verwertet wird.
Seither hat sich der Aktienkurs um 4,6 Prozent zurückentwickelt – ein Hinweis darauf, dass der Markt technologische Fortschritte derzeit weniger honoriert als konkrete Auftragszahlen.
Kurs unter kurzfristigem Durchschnitt, Bewertung bleibt gestreckt
Der Schlusskurs vom Montag lag bei 55,65 Euro und damit rund 9,0 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 61,15 Euro – ein Zeichen dafür, dass die jüngsten positiven Nachrichten den Kurs bislang nicht nachhaltig über sein kurzfristiges Preisniveau gehoben haben.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 58 Prozent zu Buche, getragen von der Kombination aus Rekordaufträgen, angehobener Guidance und der neuen Wachstumsstory rund um Rechenzentren.
Auch die Leerverkaufsposition, die vor rund zwei Wochen aufgebaut wurde, hat den Kurs seither um 8,5 Prozent gedrückt. Zwischen den fundamental positiven Nachrichten aus Ahaus und den USA einerseits und dem verhaltenen Kursverlauf andererseits klafft damit vorerst eine Lücke, die die beiden neuen Kursziele von SMC Research und First Berlin Equity Research für die Anleger schließen sollen.
Am 19. August wurde die Aktie zudem mit 0,21 Euro je Anteilsschein ex Dividende gehandelt, ausgezahlt wurde die Dividende vier Tage später. Der nächste wichtige Termin für Anleger dürfte die Vorlage der Halbjahreszahlen im Detail sein, mit denen sich zeigen wird, ob sich die angehobene Guidance bereits in der Marge niederschlägt.
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