Der größte Börsengang der Geschichte steht unmittelbar bevor.
Ab Freitag wird Elon Musks Weltraum-Unternehmen SpaceX unter dem Ticker SPCX an der Nasdaq den Handel aufnehmen – zu einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie und einer angestrebten Bewertung von bis zu zwei Billionen US-Dollar.
Damit würde der seit 2019 amtierende Rekordhalter Saudi Aramco entthront. Was SpaceX für die Anleger so außergewöhnlich macht, sind dabei sehr viele Zukunftstechnologien, Nicht nur die Raketentechnik lockt, sondern auch die Transformation zum globalen Daten- und Infrastrukturkonzern: Starlink, Verteidigung, Satellitennetze und langfristig sogar passend zum KI-Boom orbitale Rechenzentren sollen dem Konzern die Taschen füllen.
Kein Wunder, dass die Fantasie der Anleger die Bewertung in die Höhe treibt.
Ob 2 Billionen gerechtfertigt sind, steht dabei in den Sternen. Wem die Bewertung mit Blick auf Umsatz und fehlendem Gewinn zu astronomisch vorkommt – so wie mir – der sucht berechtigterweise nach Alternativen im Aerospace-Sektor und zwar nach Unternehmen, die von demselben Megatrend profitieren, aber noch nicht so sehr im Rampenlicht stehen wie SpaceX. In den vergangenen Wochen stieß ich bei meiner Recherche auf Voyager Technologies. Das Unternehmen bietet mindestens genauso viel Fantasie wie SpaceX, kommt aber aktuell „nur“ auf eine Marktkapitalisierung von 2,5 Mrd. US-Dollar.
Voyager Technologies ist wie SpaceX ein amerikanisches Weltraumtechnologie-Unternehmen mit Sitz in Denver.
Das Geschäft unterteilt sich in drei Segmente Defense & National Security, Space Solutions und Starlab Space Stations. Voyager entwickelt und liefert essenzielle Technologien für US-Behörden, Raumfahrtagenturen und kommerzielle Partner – und positioniert sich dabei als einer der wenigen Anbieter, der die gesamte Bandbreite moderner Raumfahrtinfrastruktur abdeckt.
Besonders im Verteidigungsbereich läuft das Geschäft seit Monaten auf Hochtouren. Vielleicht haben auch Sie mitbekommen, dass der Weltraum stark an strategischer Bedeutung gewinnt, das sorgt für Aufträge. Im ersten Quartal 2026 meldete das Unternehmen einen Auftragsbestand von 275 Mio. US-Dollar +54% mehr gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei starken 1,3, was bedeutet, dass Voyager aktuell mehr Aufträge gewinnt als abarbeitet. Die Umsatzprognose für 2026 wurde vom Management zuletzt auf 230 bis 255 Mio. US-Dollar angehoben – eine deutliche Beschleunigung gegenüber den 166 Mio. US-Dollar im Vorjahr.
Zu den Kunden gehören unter anderem Raytheon (RTX), für die Voyager Technologien für deren Standard Missile Interceptor-Programm entwickelt – ein direkter Profiteur von Trumps Lieblingsprojekt Golden-Dome, mit dem die US-Regierung die amerikanische Raketenabwehr massiv aufrüstet.
Ebenfalls aussichtsreich ist die kommerzielle Raumfahrtseite. Voyager hält eine Beteiligung an Max Space und entwickelt ausdehnbare Habitate für den Langzeitaufenthalt im Weltraum. Der politische Rückenwind ist dabei enorm: Die NASA hat angekündigt, die ISS bis 2030 aus dem Betrieb zu nehmen, und fördert aktiv kommerzielle Nachfolger – das Programm für kommerzielle Raumstationen ist mit mehreren Milliarden US-Dollar hinterlegt. Voyagers Flaggschiff-Projekt in diesem Bereich ist Starlab, das als vollwertige kommerzielle Raumstation Forschung, Produktion und langfristige Besatzungsmissionen im Erdorbit ermöglichen soll – und damit eine der wenigen realistischen Antworten auf die Frage ist, was nach der ISS kommt.
In der vergangenen Woche tätigte Voyager einen strategischen Schritt, der die Story noch spannender macht: Für bis zu 300 Mio. US-Dollar in Cash und Aktien kündigte Voyager die Übernahme von Astrobotic Technology an.
Der Übernahme-Kandidat hat bereits über 600 Mio. US-Dollar an NASA- und Verteidigungsverträgen auf sich vereint und ist das wohl bekannteste kommerzielle Mondlander-Unternehmen der USA. Analysten sehen in der Übernahme einen passenden Schritt, um eine durchgängige Mondinfrastrukturplattform aufbauen zu können. Denn nach dem Zusammenschluss deckt Voyager die gesamte Wertschöpfungskette der Mondpräsenz ab: Transport von der Erde zum Mond, Stromversorgung auf der Mond-Oberfläche, Langzeit-Habitate sowie Staubschutz-Beschichtungen – eine eigene Voyager-Entwicklung, da Mondstaub eine der gefährlichsten Herausforderungen ist.
Abseits der „industriellen Logik des Deals“ darf auch das technische Knowhow des Übernahme-Kandidaten nicht vergessen werden.
Astrobotic hat vor wenigen Wochen einen Rekord aufgestellt, der in der Raumfahrtbranche für Aufsehen sorgte. Das experimentelle Chakram-Triebwerk – ein sogenannter Rotating Detonation Rocket Engine, kurz RDRE – absolvierte eine ununterbrochene Brenndauer von 300 Sekunden, die längste je gemessene für diese Technologieklasse.
RDREs funktionieren grundlegend anders als klassische Raketentriebwerke. Statt stabiler Verbrennung nutzen sie eine rotierende Detonationswelle, die bei gleichem Treibstoff deutlich mehr Schub erzeugt – bis zu 15% effizienter, bei gleichzeitig kleinerem und leichterem Triebwerk. Das wirkt vielleicht wenig, doch bedeutet einen riesigen Unterschied. Im Weltall zählt jedes eingesparte Kilogramm Treibstoff direkt als zusätzliche Nutzlast – oder als Reichweite. Wer effizienter verbrennt, kann schwerer landen, weiter fliegen oder häufiger starten.
Wer sich den Voyager-Chart ansieht, sieht auch sofort die Kehrseite dieser spannenden Story. Die Voyager-Aktie ist seit Jahresbeginn um rund +62% gestiegen und notiert auf einem Bewertungsniveau, das auf Basis fundamentaler Kennzahlen viel zu hoch ist. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 2,3 Mrd. US-Dollar, das entspricht beim erwarteten Umsatz von 230 bis 255 Mio. US-Dollar einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 9 bis 10. Gewinne wird es dem Analystenkonsens zufolge bis 2028 auch nicht geben, was mit Blick auf die Kapitalausstattung die nächste kalte Dusche für die Story ist.
Voyager Technologies Inc. Aktie Chart
Aber: Gutes ist an der Börse selten billig und eine mehrjährige verlustbringende Investitionsphase ist überhaupt nicht ungewöhnlich, schon garnicht im Aerospace-Sektor. Die Entwicklung von Weltraumtechnologien ist kostspielig, auch SpaceX weist auf Konzernebene noch Verlust aus. Wenn zusätzlich betrachtet wird, dass der Umsatz aktuellen Analysen zufolge in den kommenden beiden Jahren auf über 860 Mio. Dollar ansteigen soll, relativiert sich der negative Teil der Investitionsstory.
Es lohnt sich also, Voyager auf die Watchlist zu setzen. In meinem Börsendienst Tech-Aktien Masterclass lege ich mit meinen Lesern daher auf die Lauer und greife in einer Schwächephase zu.
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