United Internet wandelt eine Darlehensforderung von rund 850 Millionen Euro in neue 1&1-Aktien um. Der Vorstand von 1&1 hat dafür am Montagabend eine Sachkapitalerhöhung beschlossen. Die Mehrheitsaktionärin baut damit ihren Anteil weiter aus.
Darlehen gegen Aktien
Das Grundkapital steigt um 20 Prozent. Das Bezugsrecht der übrigen Aktionäre ist ausgeschlossen, die Maßnahme läuft über das Genehmigte Kapital 2022. United Internet erhält 35.352.929 neue Aktien zu einem rechnerischen Ausgabepreis von 24,05 Euro je Stück. Das entspricht dem Xetra-Schlusskurs vom letzten Handelstag vor dem Vorstandsbeschluss.
Als Gegenwert bringt die Mutter eine Darlehensforderung von 850,24 Millionen Euro gegen die 1&1 Versatel GmbH ein. Das ist eine hundertprozentige mittelbare Tochter von 1&1. Frisches Geld fließt also nicht. Der Konzern tauscht Schulden gegen Eigenkapital.
Die neuen Aktien sind ab dem 1. Januar 2026 dividendenberechtigt. Sie sollen prospektfrei zum Handel im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen werden. Nach Wirksamwerden der Maßnahme umfasst das Grundkapital gut 212 Millionen Aktien.
Mehr Spielraum für den Netzausbau
1&1 verweist auf eine gestärkte Kapitalstruktur und eine höhere Eigenkapitalquote. Der finanzielle Spielraum wächst insbesondere für den weiteren Netzausbau. Das Unternehmen betreibt ein Open-RAN-Mobilfunknetz, dessen Ausbau Kapital bindet.
United Internet betont zudem, die Einbringung verursache keinen zusätzlichen Liquiditätsabfluss. Die konzerninterne Finanzierungsstruktur werde vereinfacht. Die Mutter bekräftige damit ihr langfristiges Engagement.
Ihr Anteil klettert von rund 87,19 auf rund 89,32 Prozent. In dieser Quote sind bereits gut 1,29 Millionen Aktien aus laufenden Zukäufen enthalten. Seit dem 17. August läuft eine Kauforder über bis zu sechs Millionen 1&1-Aktien zu marktschonenden Konditionen. Sie gilt bis zum 30. Juni 2027 und bleibt von der Kapitalerhöhung unberührt.
Freefloat schrumpft weiter
Für Minderheitsaktionäre bedeutet das eine Verwässerung bei ausgeschlossenem Bezugsrecht. Zugleich sinkt der frei handelbare Anteil weiter auf gut zehn Prozent. Marktbeobachter dürften darin einen Hinweis sehen, dass die Mutter die Kontrolle festigen will. Der Ausgabepreis lag auf Höhe des letzten Xetra-Schlusskurses, ohne Aufschlag.
Die Aktie schloss zuletzt bei 24,25 Euro. Die Reaktion am Dienstag dürfte zeigen, wie der Markt die Verwässerung gegen die Entschuldung abwägt. Die Zulassung der neuen Aktien folgt erst nach deren Entstehung, ein genauer Termin ist bislang nicht genannt.
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