Group 1 Automotive hat im dritten Quartal die Erwartungen verfehlt, doch die eigentliche Geschichte spielt nach dem Stichtag: Der Autohändler hat mit Hennessy eine der größten Übernahmen der Branchengeschichte abgeschlossen. Sie soll das Portfolio aufwerten, treibt aber zunächst die Verschuldung nach oben.
Quartalszahlen unter den Erwartungen
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 9,36 Dollar, Analysten hatten 9,80 Dollar erwartet. Der Umsatz sank um knapp 7 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar, auch hier lag der Konsens höher. Der bereinigte Nettogewinn fiel auf 112,1 Millionen Dollar nach 135,1 Millionen im Vorjahresquartal.
Schwach liefen vor allem Gebrauchtwagen und Finanzdienstleistungen. Die verkauften Gebrauchtwagen gingen um 10,5 Prozent zurück, die Erlöse aus Finanzierung und Versicherung um 10,4 Prozent. Neuwagen verloren 3,5 Prozent. Konzernchef Daryl Kenningham verwies auf hohe Zinsen, negatives Eigenkapital bei Fahrzeugfinanzierungen und steigende Haltungskosten. Preiserhöhungen seien kaum durchsetzbar.
Die Aktie gab vorbörslich rund 3 Prozent nach.
Hennessy: Atlanta wird zum Schwerpunkt
Am 19. Oktober schloss Group 1 die Übernahme der Hennessy Automobile Companies ab. Die zehn Autohäuser in Atlanta setzen zusammen rund 1,7 Milliarden Dollar im Jahr um, im Schnitt 170 Millionen Dollar je Standort. Das ist mehr als das Doppelte des US-Branchenschnitts. Rund drei Viertel der Erlöse stammen von Luxusmarken wie Lexus, Jaguar Land Rover und Porsche.
Für Group 1 steigt die Zahl der Standorte in Atlanta von fünf auf 15. Das Management rechnet pro forma mit etwa 30 Basispunkten mehr EBITDA-Marge und rund 100 Basispunkten geringeren Verwaltungskosten im Verhältnis zum Rohertrag. Die Integrationseffekte sollen bis in die erste Jahreshälfte 2027 wachsen.
Schulden steigen, Rückkäufe pausieren
Die Finanzierung hat ihren Preis. Zur Übernahme platzierte das Unternehmen im September Anleihen über 1,25 Milliarden Dollar. Die um Mieten bereinigte Verschuldung liegt pro forma bei etwa dem Vierfachen, zuvor waren es 3,3. Im dritten Quartal kaufte Group 1 keine eigenen Aktien zurück.
Den Abbau sollen Verkäufe schwächerer Standorte mit 1,1 bis 1,2 Milliarden Dollar Jahresumsatz bringen. Erwartet werden Erlöse von 625 bis 675 Millionen Dollar bis Mitte 2027, rund 360 Millionen davon sind bereits erledigt oder vertraglich vereinbart. Die Verschuldung soll bis Mitte oder Ende 2027 auf etwa das Dreifache sinken. Erst dann will das Management Aktienrückkäufe wieder aufnehmen.
Ein Stabilitätsanker bleibt das Servicegeschäft. Es steuert nur 13 Prozent des Umsatzes bei, aber 46 Prozent des Rohertrags, und lieferte im Quartal Rekordwerte bei Kundenzahlungen und Reparaufträgen.
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