Nebenwerte aktuell: Steinhoff – „never ending story“?

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In Bezug auf das Thema „Vergleich“ hatte ich bei der Steinhoff International Holdings N.V. (kurz „Steinhoff“) zuletzt manchmal das Gefühl, es handle sich um eine „never ending story“.

Aber gemäß dem halb witzig, halb ernst gemeinten Steinschen Gesetz wird etwas, das nicht für immer andauern kann – auch nicht für immer andauern.

Und das wird wohl auch für das Thema „Vergleich“ bei Steinhoff gelten. Kurze Einordnung: Steinhoff hatte bekanntlich einen massiven Bilanzskandal. Das neue Management will das alles aufarbeiten und es wurde auch ein Vergleichsvorschlag für die zahlreichen Klagenden auf den Tisch gelegt.

Wenn diese auf Fortführung der Klagen verzichten, dann ist Steinhoff bereit, im Gegenzug etwas anzuerkennen – aber natürlich nicht die gesamten Forderungen. Dann könnte aber das Thema ad acta gelegt werden.

Das ist natürlich vereinfacht gesagt, denn Steinhoff selbst spricht von zahlreichen Klagen und Forderungen („various multi-jurisdictional legacy litigation and claims“) gegen Steinhoff bzw. gegen die „Steinhoff International Holdings Proprietary Limited“, kurz SIHPL.

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Einem nackten Mann kann man aber doch nicht in die Tasche greifen, oder? Gewiss – aber Steinhoff will im Rahmen des Vergleichs auch mit Dingen wie Anteilen an einer Tochter bezahlen.

Man will da zwar weiterhin das Sagen haben (sprich, mindestens 50,01% behalten?) – aber das bedeutet, dass da ein Teil der Anteil für den Vergleichsvorschlag bereitsteht.

Das alles zieht sich nun schon hin, denn bereits voriges Jahr Juli hatte Steinhoff den Vergleichvorschlag vorgelegt. Es gab danach mehrere „Updates“, aber letztlich noch keinen Durchbruch der Art, der Vergleich wird angenommen oder eben nicht.

Aktueller Stand der Dinge nun: Steinhoff teilte mit, es habe einen „wichtigen Schritt“ im Hinblick auf das Thema Vergleichsvorschlag gegeben.

Und zwar hätten vier größere Gruppen ihre Unterstützung für den Vergleichsvorschlag von Steinhoff ausgedrückt. Diese Gruppen werden als „active claimant groups“, kurz ACGs, bezeichnet.

Diese werden demnach Klagen gegen Steinhoff und die vorigen Directors und Officers einstellen. Es geht da um Organisationen, die ich persönlich nicht kenne: Burford Capital LLC, Deminor Recovery Services SA, DRS Belgium SC und DRRT/Therium…so Steinhoff.

Steinhoff kann sich freuen, dass es offensichtlich eine D&O Versicherung gab. Damit werden üblicherweise Fehlhandlungen von Vorständen etc. abgedeckt. Und die D&O Versicherer von Steinhoff haben laut Steinhoff an insgesamt sechs ACGs Angebote gemacht. Und offensichtlich haben nun vier von diesen sechs ACGs zugestimmt. Mit den restlichen zwei sei man noch im Gespräch – hieß es sinngemäß.

Mein Fazit:Gut möglich, dass ein Großteil der Prozesse gegen Steinhoff in den kommenden Monaten dann eingestellt wird. Das spart Kosten und „manpower“ – aber es kostet auch eine “Kleinigkeit”.

Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende?

Für mich ist in dem Kontext eine wichtige Frage, wie sich das bilanziell auswirken wird.

Denn wenn es Rückstellungen für die rechtlichen Risiken gab, dann stelle ich mir die Frage, ob diese Rückstellungen ausreichen. Wenn nicht, kann das Eigenkapital zusätzlich belastet werden. Und in dem Kontext beachtenswert: Steinhoff hatte laut jüngstem Geschäftsbericht ohnehin negatives Eigenkapital.

Wenn der Vergleich hingegen sogar günstiger sein sollte als gebildete Rückstellungen, dann könnte es entsprechend positive Auswirkungen haben. Um das einschätzen zu können, sind Quartals-/Halbjahres-Zahlen notwendig. Die stehen bei Steinhoff laut Blick in den Finanzkalender am 25. Juni 2021 an.

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Ihr Michael Vaupel

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Viking  @Dirty 00:06
Ich glaube das Beispiel ist eine Fehlinterpretation. SNH wird in Abstimmung mit den relevanten Gläub
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Dirty Jack  @Souza Gestern
Wenn nach einem IPO letztendlich Aktien an der Pepco Group in Wert von 2,9 Mrd € in unserem Portfoli
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tues  Thanks Gestern
Müssen ja nicht mehr viele sein, Hauptsache die werden wieder Preis pro Stück angepasst an den akt
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Michael Vaupel, Diplom-Volkswirt und Historiker (M.A.), Autor mehrerer Fachbücher. Seine Einstellung: „Gewinn um jeden Preis verachte ich. Natürlich möchte ich Gewinner-Investments und profitable Trades empfehlen. Doch keineswegs solche, welche die Umwelt oder die Gemeinschaft schädigen.“ Sein Finanzblog ist lesenswert: http://www.ethische-rendite.de

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