Renditeanstieg bei US-Anleihen: Ist das Comeback der Schwellenländer schon wieder vorbei?

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Etwa fünf starke Monate hatten die Aktien- und Anleihemärkte in den Schwellenländern, bevor sie vor ein paar Wochen wieder zu straucheln begannen. Auf der Suche nach höheren Renditen waren Anleger verstärkt in die riskanteren Marktsegmente ausgewichen. Für sie stellt sich nun die Frage: Ist das Comeback der Emerging Markets schon wieder vorbei oder wird die Rallye nach einer Pause weitergehen?

Schwellenländer befürchten erneuten Wutausbruch

Die Schwellenland-Anleger fühlen sich derzeit unweigerlich an das Schreckensszenario erinnert, dass sich 2013 als Taper Tantrum in ihre Gedächtnisse eingebrannt hat. Als der damalige Fed-Chef Ben Bernanke ankündigte, die großzügigen Anleihekäufe der Notenbank zu reduzieren (tapern), reagierten Investoren mit einem regelrechten Wutanfall (Tantrum).

In Erwartung steigender US-Zinsen zogen die Anleger ihr Kapital aus den Emerging Markets ab, was die dortigen Währungen stark unter Druck gesetzt hat. Da durch die Kapitalrückflüsse der Dollarkurs stieg, erhöhte sich zudem die Schuldenlast der Schwellenländer.

Wie in den Jahren vor dem denkwürdigen Temperamentsausbruch haben die Notenbanken auch in der gegenwärtigen Corona-Krise weltweit ihre Geldpolitik gelockert. Um ein Szenario wie vor acht Jahren zu vermeiden, wiederholt die Fed jedoch seit Wochen Mantra-artig, dass die Zinswende noch in weiter Ferne ist.

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Allmählich verbessern sich aber die globalen Wirtschaftsaussichten, was auch Inflationssorgen nährt. Wie im Jahr 2013 schossen dadurch vor ein paar Wochen plötzlich die Renditen von US-Staatsanleihen in die Höhe und die ersten Investoren fingen an, ihr Geld aus Schwellenländern abzuziehen.

Viel spricht derzeit für Schwellenländer

Klar, mit dem Ende der Krise wird irgendwann auch der US-Zins zurückkehren und die Rallye auf den Emerging Markets abwürgen. Abgesehen von den zuletzt gesunkenen Renditenaufschlägen sprechen derzeit jedoch viele Gründe für ein Investment in Schwellenländern.

So sind Innovationen und eine Dynamik im Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum weiterhin eher in Emerging Markets zu erwarten – zuletzt angetrieben von der beeindruckenden Entwicklung Asiens. Dieser Erfolg beruht größtenteils auf den Strukturreformen der vergangenen 20 Jahre – ein Prozess, der weiter anhält und sich beschleunigt. Zudem gibt es in vielen Schwellenländern dank eines höheren Realzinsniveaus – anders als in entwickelten Regionen – derzeit noch Spielraum für geldpolitische Impulse.

Gleichzeitig haben sich die Fundamentaldaten beträchtlich verbessert – insbesondere in den „zerbrechlichen Fünf“ – Brasilien, Indien, Türkei, Indonesien und Südafrika –, die vor acht Jahren am meisten gelitten haben. So liegt die Gesamtverschuldung in diesen Regionen im Schnitt bei knapp über 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Industrienationen liegen hingegen bei durchschnittlich über 125 Prozent.

Für eine Fortsetzung der Hausse auf Emerging Markets spricht ebenfalls, dass die Nachfrage nach Rohstoffen in nächster Zeit stabil bleiben und der Dollar wieder abwerten dürfte. Der Aufschwung in den USA bedeutet zudem nicht nur Nachteile für Schwellenländer: Joe Bidens Ausgaben-Feuerwerk bringt auch neue Einnahmen, wenn die amerikanischen Haushalte und Unternehmen wieder mehr Rohstoffe, Vorprodukte und Dienstleistungen in aller Welt einkaufen. Es ist nicht ausgemacht welcher Effekt überwiegen wird: Der Zinseffekt oder das Wachstumsplus durch die zusätzliche Nachfrage.

Die Lehren des Taper Tantrums

Das Taper Tantrum wird sich nicht wiederholen, da alle Akteure ihre Lehren aus diesem Fiasko gezogen haben. Investoren haben damals überreagiert, weil viele Experten für einige der betroffenen Länder eine scharfe Krise vorhersagten. Rückblickend erwiesen sich diese Warnung jedoch als übertrieben. Auch die damalige Angst vor rasch steigenden Zinsen entpuppte sich als nicht angebracht, da die Fed erst zwei Jahre später den Leitzins erhöhte.

Die Fed kommuniziert Änderungen ihrer Geldpolitik jetzt viel bedachter und auch die Notenbanken in den Schwellenländern haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Während sie früher ihre Politik strafften, um Kapitalabflüsse und Währungsabwertungen abzufedern, stützen sie nun ihre Volkswirtschaften, indem sie nach dem Muster der großen Zentralbanken eher antizyklisch handeln.

Chancen bei Unternehmensanleihen

Letztlich ergibt sich derzeit ein interessanter Einstiegszeitpunkt für ein Investment in Emerging Markets. In vielen Schwellenländern haben die Währungen in der Corona-Krise massiv an Wert verloren. So bieten sich beim Kauf von Anleihen aus diesen Regionen Aufwertungschancen – insbesondere in rohstoffreichen Ländern, die von der Erholung der Rohstoffpreise profitieren.

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Wenn es um Investments in Emerging Markets geht, denken die meisten an Aktien und Staatsbonds. In Dollar notierte Unternehmensanleihen werden hingegen häufig unterschätzt. Dabei ist dieser Markt in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, da teils zweistellige Renditen winken.

Wegen einer Mindeststückelung von häufig über 100.000 Dollar kommen Direktinvestitionen für die meisten Privatanleger zwar nicht in Frage; es bieten sich aber Investments über Fonds an. Eine große Streuung ist in diesen Marktsegmenten ohnehin notwendig. Das haben die Ereignisse in der Türkei zuletzt wieder gezeigt.

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