Leonteq: Exklusiv-Interview mit Head Crypto Offering Tino Wendisch – “Es eröffnen sich bisher nicht gekannte Chancen!”

Unser heutiger Interviewpartner ist Tino Wendisch, Head Crypto Offering bei Leonteq. Leonteq ist ein Schweizer Wertpapierhaus mit einem führenden Marktplatz für strukturierte Anlagelösungen.

Tino Wendisch, Head Crypto Offering bei Leonteq

Herr Wendisch, erklären Sie unseren Lesern bitte zu Beginn ihr Geschäftsmodell.

T. Wendisch: Gerne Herr Möbus. Basierend auf einer eigenentwickelten modernen Technologie, bietet Leonteq derivative Anlageprodukte und Dienstleistungen an und deckt vorwiegend die Produktklassen Kapitalschutz, Renditeoptimierung und Partizipation ab. Leonteq tritt als direkte Emittentin von eigenen Produkten wie auch als Partnerin von anderen Finanzinstituten auf.

In der Schweiz zählen wir zu den führenden Emittenten für strukturierte Anlageprodukte mit einem Marktanteil von rund 28 % aller Umsätze in Renditeoptimierungsprodukte an der Schweizer Börse SIX. Seit unserer Gründung im Jahr 2007 haben wir über 200.000 strukturierte Produkte lanciert und wickeln jährlich ein Transaktionsvolumen von mehr als CHF 30 Mrd. ab.

Bei strukturierten Produkten auf Kryptowährungen dürfen wir uns als Pionier bezeichnen. So haben wir in den vergangenen Jahren strukturierte Produkte entwickelt und herausgebracht, die weltweit neuartig waren: so haben wir beispielsweise 2017 das erste Short-Tracker-Zertifikat auf Bitcoin lanciert. Heute bieten wir das weltweit größte Universum an Kryptowährungen, die als Basiswerte für Zertifikate verfügbar sind.

Sie haben Tracker-Zertifikate auf 18 Kryptowährungen in Deutschland und Österreich lanciert. Um welche Kryptowährungen handelt es sich und welche Vorteile entstehen für private und institutionelle Investoren?

T. Wendisch: Nachdem wir unsere Zertifikate auf Kryptowährungen zuerst in der Schweiz emittiert haben, bieten wir Zertifikate auf Kryptowährungen nun auch neu in Deutschland und Österreich an. Für den Start in Deutschland und Österreich kooperieren wir mit der Frankfurter ICF BANK AG. Diese fokussiert sich auf den Vertrieb der Zertifikate an institutionelle Investoren.

Die 18 durch die Zertifikate abgedeckten Kyptowährungen sind Aave, Algorand, Bitcoin, Bitcoin Cash, Cardano, Chainlink, Cosmos, EOS, Ethereum, Ethereum Classic, Filecoin, Litecoin, Maker, Polkadot, Ripple, Stellar, Tezos und Uniswap. Diese machen ungefähr zusammen 76 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen aus. Insgesamt bieten wir nun in der DACH-Region das größte verfügbare Produktuniversum für Zertifikate auf Kryptowährungen, die in verbriefter Form gehandelt werden können. Diese ermöglichen sowohl privaten als auch institutionellen Investoren, die Zertifikate als börsennotierte Produkte an der Börse Frankfurt Zertifikate AG (Open Market) zu handeln.

Zertifikate gelten als komplexe Konstrukte. Für welche Art von Privatanleger sind Krypto-Zertifikate Ihrer Meinung nach geeignet?

T. Wendisch: Wer sich als Anleger engagieren möchte, sollten über entsprechende Erfahrungen verfügen. Ein gutes Verständnis für Zertifikate und den Kryptowährungsmarkt sind unabdingbar.

Zertifikate bieten den Vorteil, Kryptowährungen ähnlich wie Aktien oder Anleihen über eine Depotbank oder Börse handelbar zu machen. Zudem sind Zertifikate auf Kryptowährungen im Kundendepot eingebucht und im Kontoauszug ersichtlich. Ein direktes Engagement mit einer Kryptobörse ist daher nicht nötig. Unsere Zertifikate ermöglichen somit einen leichteren Zugang zu den 18 Kryptowährungen und bieten die Chance, an deren Wertentwicklung zu partizipieren.

Die Zertifikate auf Kryptowährungen eignen sich demnach für erfahrene Anleger, die in eine neue aufstrebende Anlageklasse investieren wollen. Historisch hatten Kryptowährungen eine niedrige Korrelation zu anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen und können so potenziell ein Portfolio diversifizieren, bzw. breiter aufstellen.

Das breite Angebot an Zertifikaten bietet natürlich aber auch Anlegern die Möglichkeit, individuelle Investmentportfolios auf Kryptowährungen zu konstruieren. Es ist sozusagen etwas für eine Vielzahl von Anlegern dabei. Man sollte sich aber immer über die Risken der Anlageklasse Kryptowährungen bewusst sein. Die Welt der Kryptowährungen ist komplex und noch sehr jung. Entsprechend volatil können sich die einzelnen Kryptowährungen verhalten und sind damit eher als spekulatives Investment zu sehen.

Sind Kryptowährungen demnach ein seriöses Investment oder nur eine Spielerei mit hohem Risiko?

T. Wendisch: Kryptowährungen spalten nach wie vor die Investoren-Landschaft. Während einige Anleger den Kryptowährungen essenzielles Zukunftspotential nachsagen, fällt anderen die Einordung in die Vermögensallokation nach wie vor schwer. Festhalten lässt sich, dass sich der Markt inzwischen etabliert zu haben scheint, da sich inzwischen auch renommierte Unternehmen wie PayPal, Visa, Mastercard oder Fidelity beginnen, Kryptowährungen in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren. Als Zertifikateemittent ist es unser Anspruch, Anlegern einen effizienten und breiten Zugang zu dieser Anlageklasse zu verschaffen. Ob das Risikoprofil von Kryptowährungen in die persönliche Anlagestrategie passt, sollte jeder Anleger stets individuell für sich prüfen.

Viele institutionelle Investoren müssen bestimmte Sicherheitsauflagen bei ihren Anlagen erfüllen. Welche Hintergründe hat dies? Erfüllen Sie die Auflagen?

T. Wendisch: Zur Stärkung des Anlegerschutzes sollen die Finanzmärkte effizienter, widerstandsfähiger und transparenter werden. Die EU-Vorgaben werden insgesamt dazu beitragen, das Vertrauen der Anleger in die Finanzmärkte und Finanzinstrumente zu stärken. Damit wird eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen, sich auch künftig an den Börsen zu engagieren. Zum Schutz verwalteter Assets und Erhöhung der Transparenz unterliegen viele institutionelle Investoren unterschiedlichen externen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Verordnungen oder internen Anlagerichtlinien, die einen möglichst genauen Leitfaden für die Investitionspolitik geben.

Durch die Verbriefung über Zertifikate, also Inhaberschuldverschreibungen, die die Wertentwicklung von Kryptowährungen nach einem festen Bezugsverhältnis abbilden (Delta One-Struktur), haben institutionelle Investoren die Möglichkeit, an Krypto-Währungen zu partizipieren. Da es sich hierbei um börsennotierte Wertpapiere handelt, ist im Gegensatz zur Direktanlage in Krypto-Währungen eine gängige Depotverwahrung möglich, was die Investition, interne Verbuchung und Bilanzierung dieser Assets erleichtert.

Wie schätzen Sie den Markt der Kryptowährungen ein? Wo sehen Sie dadurch Ihr Unternehmen in 3 bis 5 Jahren?

T. Wendisch: Seit Entstehung von Bitcoin im Jahr 2008/09, gab es gerade in den letzten Jahren einen rasanten Anstieg der Marktkapitalisierung auf nahezu USD 1,9 Billionen (Stand: August 2021) – im Vergleich: Gold hat eine Marktkapitalisierung von ca. USD 11,5 Billionen.

Kryptowährungen haben sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt – vor allem im Bereich dezentralisierter Finanzen, aber auch in den Bereichen dezentrale Speicherung von Daten und Blockchain-Technologien. Diese gesamte Assetklasse steckt weiterhin noch in relativ kleinen Kinderschuhen, wird sich aber vermutlich im Laufe der nächsten Jahre weiter etablieren und als alternative Assetklasse positionieren. Mit unseren Produktlösungen offerieren wir Investoren Möglichkeiten, an dieser Entwicklung teilzuhaben. Durch unser aktuell in der DACH-Region einzigartiges Produkteangebot möchten wir unsere Positionierung als ein führender Anbieter von strukturierten Produkten weiter ausbauen und unsere Wahrnehmung als verlässlicher und v.a. auch innovativer Partner über alle Assetklassen hinweg konstant bestätigen.

Ethereum hat eine rasante Rally hingelegt, aber auch schon Kurseinbrüche erlebt. Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung von Ethereum?

T. Wendisch: Das wissen wir nicht. Wir haben keine Glaskugel und haben auch noch keinen getroffen, der verlässlich in die Zukunft blicken kann. Ethereum, hat wie andere Kryptowährungen eine rasante Entwicklung hingelegt und entwickelt sich technisch weiter. Diese Dynamik wird sich auch im Preis widerspiegeln, wenn solche Entwicklungen von Marktteilnehmern akzeptiert und genutzt werden.

Jede einzelne Kryptowährung, die wir nun verbrieft anbieten, hat ihre eigenen Besonderheiten. Ob es irgendwann zu einer Konsolidierung kommen wird oder in welcher Form sich die dahinter liegenden Geschäftsmodelle und Technologien entwickeln werden, wird man sehen. Sie sind auch nicht vergleichbar, da Aave beispielsweise eine Lösung im Kreditbereich ist, Chainlink eher als Datenlieferant zu sehen ist und Filecoin die Verwaltung einer dezentralen Speicherung übernimmt. Diese Vielfältigkeit macht diese Anlageklasse so interessant.

Vielen Dank für diesen Einblick, Herr Wendisch. Zum Abschluss habe ich nun noch eine Frage an Sie: Was würden Sie einem interessierten Anleger raten, der sich zum ersten Mal mit Kryptowährungen auseinandersetzt?

T. Wendisch: Auch wenn der Markt für Kryptowährungen noch nicht ausgereift wirkt, ist er nicht mehr wegzudenken. Kryptowährungen sind ein Ausdruck der fortschreitenden Digitalisierung, die mit dem Internet begonnen hat. Immer mehr Finanzinstitute und Investoren nehmen Kryptowährungen in ihre Produkt- oder Anlageportfolios auf, weil sie bisher nicht gekannte Chancen eröffnen und neue Märkte für Produkte und Dienstleistungen ermöglichen, die vor kurzem noch undenkbar waren. Es ist wichtig zu lernen und zu verstehen, wie dieser Markt und die dahinter liegenden Technologien, wie beispielsweise die Blockchain, funktionieren. Zumindest können nun Lernen, Verstehen und Investieren mit unseren verbrieften Produkten Hand in Hand gehen.

Ich bedanke mich für das Interview, Herr Wendisch. Auch wünsche ich Ihnen sowie Ihren Mitarbeitern alles Gute für die Zukunft!