Leoni: Prognose futsch, Aktie stürzt ab – jetzt einsteigen?

Der neue Geschäftsbericht untermauert die Trendwende des totgesagten Autozulieferers, hat den Anlegern jedoch auch einen Schrecken eingejagt. Jetzt günstig einsteigen?

Der schon häufig totgesagte Kabel- und Bordnetz-Produzent Leoni hat in den vergangenen zwei Jahren Corona und weltweiten Lieferkettenproblemen zum Trotz einen bemerkenswerten Turnaround geschafft. Am Mittwoch legte der Autozulieferer mit Sitz in Nürnberg seinen offiziellen Jahresbericht vor, der die starken vorläufigen Zahlen des Unternehmens bestätigt.

So stieg 2021 der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um fast ein Viertel auf 5,1 Milliarden €. Getrieben war die positive Entwicklung in erster Linie von einer starken Nachfrageerholung im ersten Halbjahr, die in der zweiten Jahreshälfte jedoch durch die Chipkrise in der Automobilindustrie wieder ausgebremst wurde.

Auf Stufe EBIT (vor Sondereffekten) hat Leoni einen Vorjahresverlust von 59 Millionen € im Vorjahr in einen Gewinn von 172 Millionen € gedreht. Das starke Umsatzwachstum und positive Effekte aus dem Restrukturierungsprogramm VALUE 21 waren für die Ergebnisverbesserung verantwortlich. Der Wert lag damit wie bereits erwartet deutlich über der Prognose von Juli 2021.

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Auch der freie Cashflow verbesserte sich im Vorjahresvergleich von -74 auf -12 Millionen €. Der letzte Ausblick des Vorstands hatte noch eine „deutliche Verschlechterung gegenüber 2020“ vorhergesagt. Auch das Nettoergebnis des Kabel-Produzenten verbesserte sich von -330 auf -48 Millionen €.

Prognose wegen Krieg zurückgezogen

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs überschatten jedoch derzeit das Geschäft von Leoni. So haben die zwei ukrainischen Werke des Autozulieferers mit 7.000 Mitarbeitern nach Beginn der Kampfhandlungen zeitweise stillgestanden, sagte Vorstandschef Aldo Kamper. Unter erheblichen Erschwernissen sei zunächst ein Ein-Schicht-Betrieb und seit dieser Woche auch ein Zwei-Schicht-Betrieb wieder angelaufen.

Den Umsatz für 2022 der beiden Ukraine-Werke hatte Leoni ursprünglich auf 300 Millionen € geschätzt. Hinzu kämen rund 100 Millionen € aus dem Russland-Geschäft. Diese Pläne dürften für die Nürnberger wohl nicht mehr aufgehen.

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Aufgrund dieser Produktionseinschränkungen und weiterer kriegsbedingter wirtschaftlicher Auswirkungen hat Leoni seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr zunächst zurückgezogen. Bisher plante der Vorstand mit einem Umsatz leicht über 5 Milliarden €, einem EBIT im mittleren zweitstelligen Millionenbereich und einem freien Cashflow im niedrigen positiven dreistelligen Millionenbereich.

Nun geht das Management dem Jahresbericht nach von niedrigeren Umsätzen und einem schlechteren Ergebnis als ursprünglich geplant aus. Auf genaue Zahlen wollte sich das Unternehmen wegen des volatilen Umfeldes jedoch nicht festlegen.

Beim Finanz-Update vor einem Monat hatte Leoni die Anleger bereits das erste Mal mit einem verhaltenen Ausblick erschreckt. Dass der Vorstand nun auch diese eher konservative Prognose zurücknimmt, kam an der Börse naturgemäß ebenfalls schlecht an: Die Aktie rutschte am Mittwoch um -4,5% auf 9,45 € ab.

Alles nur Strategie?

Die Geschäftszahlen von Leoni für 2021 zeigen endgültig: Trotz Pandemie und Lieferkettenproblemen hat der Zulieferer mit einem radikalen Konzernumbau im vergangenen Jahr einen bemerkenswerten Turnaround geschafft. Das Management hat an allen Ecken und Enden gespart, verkauft und umstrukturiert, um wieder in der Nettogewinnzone zu landen – was die Nürnberger jedoch knapp verpassten.

Die zurückgenommene Prognose war hingegen die große negative Überraschung des Jahresberichts. Ob der Vorstand strategisch tiefstapelt, um im Jahresverlauf mit positiven Überraschungen Impulse setzen zu können, wird sich zeigen.

Analysten schätzen jedenfalls den Nettoüberschuss für das laufende Geschäftsjahr im Schnitt auf 134 Millionen €. Auf dieser Basis ist die Leoni-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 2,3 aktuell sehr günstig bewertet. Anleger sollten die Nerven behalten und die Gelegenheit nutzen, bei dem wiederbelebten Zulieferer einzusteigen.

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