Lassen Sie uns nicht nur über den DAX sprechen!

Delivery Hero im DAX 40 - was hier zu erwarten ist und wie ein Wirecard-Debakel vermieden werden kann.

Liebe Leserin, lieber Leser,

eine weitere Börsenwoche liegt hinter uns. Bevor ich nun wieder auf den „neuen“ DAX40 eingehe, eine kurze Anmerkung:

Aktuell testet der Deutsche Leitindex den Bereich um 15.000 Zähler. Halten Sie bitte im Gedächtnis, dass die Zone mit 14.800 Punkten als untere Begrenzung charttechnisch relevant ist.

Ein Fall unter die 14.800 sollte einen schnellen Rutsch bis 14.000 auslösen. Mittelfristig steht dann das Kursziel bei rund 12.000 Zählern.

Wie gesagt: Aus gegebenem Anlass wollte ich Sie darauf aufmerksam machen.

Zurück zum DAX40: Strengere Kontrollen und breitere Marktabdeckung

In der vergangenen Ausgabe bin ich auf fast schon unglaublichen Vorgänge bei Wirecard eingegangen. Es ist mehr als beschämend, dass ein DAX-Mitglied solche „Mauscheleien“ mit offensichtlich betrügerischer Absicht jahrelang durchführen kann.

Ich denke, wir sind uns alle einig, dass solche Dinge prinzipiell ein „NoGo“ sind, aber gerade im DAX nicht auftreten dürfen.

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Schließlich ist der DAX unser Leitindex.

Das ist der Index, auf den ausländische Investoren achten. Und diese sind nun einmal entscheidend für den gesamten deutschen Aktienmarkt.

Und ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal daran erinnern, dass gerade Aktien-Neulinge sehr oft Werte aus dem DAX auswählen. Unter anderem gehen sie auch so vor, weil sie eben auf besonders scharfe Kontrollmechanismen vertrauen.

Und diese Investoren wurde bitter enttäuscht. Aktuell besitzen 34% der Deutschen Aktien und Fonds. 2017 waren es nur 24%. Damit dieser sinnvolle Aufwärtstrend weiter Bestand hat, sollten sich Ereignisse wie die um Wirecard nicht mehr wiederholen.

Die Deutsche Börse wird in Zukunft die Bilanzen der DAX-Unternehmen deutlich strenger kontrollieren. Das ist ein Schritt, den viele Kapitalmarkt-Experten seit langem gefordert haben.

Scheinbar „muss das Kind erst einmal in den Brunnen fallen“, bevor längst überfällige Maßnahmen ergriffen werden.

Deshalb bin ich mit Delivery Hero im DAX nicht ganz so glücklich

Wichtig: Delivery Hero hat ein Problem. Aber das hat nichts mit Bilanzbetrügereien wie bei Wirecard zu tun. Der Lieferdienst ist bislang niemals mit „Tricksereien“ aufgefallen. Das ist mir sehr wichtig, dass Sie hier genau trennen.

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Denn das Problem von Delivery Hero ist ein ganz anderes. Die Firma macht einfach schlichtweg keinen Gewinn. Und das nicht nur im vergangenen Jahr. Mir liegen hier die Daten seit 2015 vor. In keinem Jahr seitdem wurde ein Gewinn erzielt.

Stattdessen wird das Ergebnis mit jedem Jahr schlechter. Das ist sicherlich dem Expansionseifer des Unternehmens geschuldet. Allerdings habe ich immer Bauchschmerzen, wenn solch ein Titel „ewig“ im DAX verbleibt.

Auch wenn die Firma den Umsatz stetig steigern kann, was allerdings bei einer solchen Expansion fast schon zwangsweise erfolgt. Irgendwann werden die Investoren zumindest eine positive Entwicklung beim Gewinn sehen wollen.

Und gelingt das nicht bald, werden die Anleger nervös werden. Und ob ein solcher Wert wirklich in die „Königsklasse“ DAX gehört, nun ja ich habe da zumindest aktuell meine Bedenken.

Aber wenigstens ergeben sich keine Verdachtsmomente eines „Mauscheln in der Bilanz“. Und das unterscheidet Delivery Hero wohltuend von den Vorgängen um Wirecard.

Deshalb sind 40 im DAX besser als 30

Der DAX soll aus den Aktien der größten Firmen Deutschlands bestehen. Nun sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Firmen an den Aktienmarkt gegangen.

Und unter diesen finden sich beeindruckende Namen, die eben bislang nicht im DAX vertreten waren. Der Grund war einfach: Alle 30 Plätze waren „besetzt“. Mit dem Zulauf von weiteren 10 Firmen sind nun auch endlich Namen wie Airbus, Puma oder Sartorius auf dem DAX-Kurszettel zu lesen.

Ach ja, das wird die Automobil-Enthusiasten unter uns freuen: Porsche hat ebenfalls den Weg in den neuen DAX gefunden.

Das Regelwerk in Kurzform

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX-Index auf 50 statt bisher 60 Werte.

  • Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.
  • Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.
  • Infolge dessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.
  • Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.
  • Ab 2021 gibt es bei den DAX-Indizes zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.
  • Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

(Quelle: https://qontigo.com) Qontigo ist ein Finanztechnologieunternehmen, das 2019 durch die Kombination der Indexanbieter STOXX, DAX und des Risikoanalyseunternehmens Axioma gegründet wurde. Qontigo ist Teil der Gruppe Deutsche Börse und hat seinen Hauptsitz in Eschborn, Deutschland, mit wichtigen Standorten in New York, Zug und London.

Jetzt müssen nur noch die Regeln eingehalten und vor allem auch durchgesetzt werden. Dann sollten die Anleger so schnell keine zweite Wirecard-Katastrophe erleben müssen.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen zum DAX40 und den Hintergründen beantworten und verbleibe für diese Woche mit herzlichen Grüßen!

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