Jeff Bezos geht – sein Lebenswerk bleibt

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Der über lange Zeit reichste Mann der Welt geht in den Ruhestand. Wie vor wenigen Tagen verkündet wurde, tritt er als Chief Executive Officer des von ihm gegründeten Unternehmens Amazon ab, und wechselt in die Rolle des Executive Chairman[1]. Sein Vermögen beträgt beinahe $200 Mrd.

Eine Marke, die er trotz der teuersten Scheidung der modernen Geschichte aller Voraussicht nach noch dieses Jahr erreichen wird. Sie machte MacKenzie Bezos um $38 Mrd reicher. Wäre das Paar noch verheiratet, wäre auch Dauerverfolger Elon Musk im Bloomberg Billionaires Index deutlich abgeschlagen. Grund für dieses unvorstellbare Vermögen ist der unaufhaltsame Siegeszug seines Weltkonzerns Amazon Inc.

Jeffs Lehrjahre

Milliadär werden die wenigsten in ihren Zwanzigern, ebenso wenig Jeff Bezos. Studierte er in Princeton zunächst Physik, wurde ihm dies früh zu schwer, und er wechselte in die Computerwissenschaften. Ungewöhnlich für die heutige Technologie-Elite aus den Vereinigten Staaten, schloss er das Studium 1986 erfolgreich ab. Sein erster Job führte ihn zu Fitel, einem StartUp im Telekommunikationssektor[2].

Seine wenig spektakuläre Aufgabe war das Entfernen von Programmierfehlern in der Firmensoftware. Nach wenigen Jahren war er Leiter des Kundenservices. Ein Wechsel zu Banker’s Trust folgte. Die legendäre Investmentbank wurde 1998 von der Deutschen Bank übernommen. Durch diesen Schritt wurde das Institut damals zur größten Bank der Welt[3].

Es sollte nicht lange währen. Von dort wechselte Bezos zum Hedgefonds D.E. Shaw und stieg binnen vier Jahren zum Vice President auf. Auf der Suche nach neuen Geschäftsideen erstellte er eine Liste von 20 Geschäftsideen, die im boomenden Internetmarkt der 90er Jahre Bestand haben könnten. Sein Arbeitgeber war von seiner Nummer Eins wenig beeindruckt: einem Online-Buchladen. 1994 kündigte Bezos deshalb, und setzte die Idee selbst um.

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Bodenständige Anfänge

Die Bodenständigkeit aus den Anfangsjahren von Bezos ist in den Vereinigten Staaten legendär. Sein erstes Firmenlogo war ein selbstbemaltes, urhässliches Fahnenschild. Legendär ist auch sein Video Interview mit Bob Simon 1999. Während Amazon bereits $2 Mrd Umsatz macht, fährt Bezos seinen altgedienten Honda Civic[4].

Als der Moderator das Büro von Jeff Bezos betritt, bewundert er dessen Schreibtisch: Ein abgebrochenes Stuhlbein wurde durch einen Holzspalt ersetzt. Den Deutschen kann diese Sparsamkeit an die Familie Albrecht erinnern. Deren Patriarch war dafür bekannt, Bleistifte bis zur Unkenntlichkeit aufzubrauchen.

Firmenkultur

Die Firmenkultur bei Amazon ist Gegenstand geregelter Diskussion. Über Einzelpunkte mag diskutiert werden, dennoch ist es ein Arbeitsumfeld, das guten Gewissens als kompetitiv bezeichnet werden kann. Wenn neue „Amabots“ in die Firma eintreten, werden diese in einem „nützlichen Darwinimus“ zerrieben. Mitarbeiter werden ermuntert, die Vorschläge ihrer Kollegen möglichst effektiv und ausführlich zu kritisieren. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Zentrale in Seattle beschrieb die Firmenkultur so:

„Nahezu jede Person, mit der ich gearbeitet habe, saß einmal heulend am Schreibtisch“.

Ein Portrait der New York Times aus dem Jahr 2015[5] über Amazons Arbeitskultur ist heute in den europäischen Business Schools das angeführte Negativbeispiel für ein toxisches Arbeitsumfeld.

Am Ende blieb aber eine Wahrheit: Amazon war schlicht so erfolgreich, dass die nach europäischen Maßstäben kaum verständliche Firmenkultur nicht angefochten wird. Das lag auch daran, dass die Firma zwischendurch eine Goldmine entdeckt hatte. Und nicht irgendeine. Sondern eine von nie zuvor gesehenem Ausmaß. Eine Goldmine, aus der sich das Gold selbst herausträgt.

In die Gewinnzone

Viele Start-Ups ändern ihre Strategie, oder verdienen Geld mit etwas ganz anderem, als der gemeine Konsument von außen zu sehen vermag. Etwa im Jahr 2000 hatte Amazon dasselbe Problem wie alle schnell wachsenden Start-Ups: die technische Plattform für die enorme Skalierung bereitzustellen.

Gesegnet mit den besten IT-Spezialisten der Welt, baut Amazon bis 2006 eine universell skalierbare Plattform namens Amazon Elastic Compute Cloud auf, in die sich jede Firma der Welt einklinken konnte[6]. Vorbei war das feste Mieten von Servern, für die man jährliche Gebühren zahlte.

Bei Amazon AWS konnte man tagesgenau Server mieten, oder stundenweise die Kapazitäten erweitern. Server as you go. Ursprünglich lediglich als Auslastung für die eigene und sehr teure Serverinfrastruktur gedacht, war es schnell die Blaupause für die Zukunft des Internets. Wieso keiner der Wettbewerber auf den Zug aufsprang, ist unklar.

Heute macht zwar 50% des Gesamtumsatzes von Amazon sein Onlinestore aus, während AWS lediglich 12% beiträgt, dennoch trägt AWS zu mehr als der Hälfte des Konzerngewinns bei. In den Jahren 2015-17 war AWS sogar der einzige Grund, wieso der Konzern Gewinn auswies[7]. Der Onlinestore war zu dieser Zeit noch nie profitabel gewesen. Ein Umstand, der vermutlich europäischen Mitbewerbern, die immer noch versuchen, mit dem Geschäftsmodell des Onlineshops von Amazon zu konkurrieren, zu wenig wahrhaben wollen.

Aussicht der Aktie

Mit den neuen Geschäftsbereichen Werbung auf der eigenen Plattform zu verkaufen, Offline-Stores, und einem Ausbau des AWS-Bereichs, wird Amazon auf lange Sicht jeden Aspekt der Lieferkette für seine Produkte dominieren.

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Es entsteht hier ein Welthandelskonzern mit einer durchschlagenden Marktmacht, finanziert durch seine Serverarmee. Die Aktie wird nur einen Weg kennen: den nach oben. Wer 1998 zum Börsengang €10,000 in Amazon investiert hätte, würde 2020 damit bereits €12 Mio ausweisen. Ein Abbruch des Wachstums ist nicht absehbar. Der Autor wünscht Jeff Bezos alle Gute für die Zukunft.

[1] https://www.bbc.co.uk/news/business-55912878
[2] https://www.cnbc.com/2017/08/02/what-amazon-billionaire-jeff-bezos-was-doing-in-his-20s.html
[3] https://www.ft.com/content/d7a012a2-f3d1-11e8-ae55-df4bf40f9d0d
[4] https://www.cbsnews.com/video/the-jeff-bezos-of-1999-nerd-of-the-amazon/
[5] https://www.nytimes.com/2015/08/16/technology/inside-amazon-wrestling-big-ideas-in-a-bruising-workplace.html
[6] https://techcrunch.com/2016/07/02/andy-jassys-brief-history-of-the-genesis-of-aws/
[7] https://www.ben-evans.com/benedictevans/2020/9/6/amazons-profits

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Amazon Forum

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habe Position noch im Premarket verbilligt !
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Wenn die Umsatz und Gewinn Story weiter läuft wird Amazon sicher weiter steigen... wenn nicht, wird
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Banktyp93  Halten 05. Mär
Ich würde es einfach so sagen: Wer wirklich einen langen Zeithorizont anpeilt und persönlich Vertrau
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