ITM Power-Aktie: Fundamental abgekoppelt!

Die Festlegung des G7-Gipfels auf konkrete Klimaziele, das neue Infrastruktur-Programm von US-Präsident Joe Biden und nun die Ankündigung einer „Green Industrial Revolution“ durch die britische Regierung: All diese Initiativen lassen wieder viel Geld in den Green-Tech-Sektor fließen.

Häufig wird dabei ein besonderer Fokus auf die Nutzung von Wasserstoff gelegt. Herkömmliche Methoden zur Gewinnung von hochwertigem Wasserstoffgas beinhalten jedoch den Einsatz von fossilen Brennstoffen – wohl kaum ein emissionsfreier Prozess.

An dieser Stelle kommt die Technologie der britischen Firma ITM Power ins Spiel. Das 2001 gegründete Unternehmen hat im Laufe der Jahre eine Methode entworfen, entwickelt und patentiert, um die Elektrolyse zur Gewinnung von vollständig grünem Wasserstoff zu nutzen.

Die ITM-Aktie repräsentiert damit einen schwungvollen, jedoch auch hochspekulativen Trendsektor. Könnte es sich für Sie lohnen, den Titel auf Ihre Beobachtungsliste oder gleich ins Depot zu stellen? Eine Kurz-Analyse.

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Massenfertigung zusammen mit Linde

ITMs größtes Asset ist das Herzstück ihrer Elektrolyseure: die Protonen-Austausch-Membran. Sie steht nun unmittelbar vor der Massenfertigung. In seiner Heimatstadt Sheffield hat das britische Unternehmen eine Produktionsanlage in Betrieb genommen, die nach eigener Aussage die weltgrößte ihrer Art ist. Die maximale Kapazität der sogenannten Power Gigafactory soll bei einem Gigawatt im Jahr liegen.

In Kollaboration mit dem deutsch-irischen Industriegas-Konzern Linde baut ITM zudem derzeit eine Elektrolyseur-Anlage, die jährlich bis zu 3.200 Tonnen grünen Wasserstoffs für Industriekunden im Chemiepark im sachsen-anhaltischen Leuna erzeugt. Der 24-Megawatt-Komplex wird voraussichtlich 2022 den Betrieb aufnehmen.

Die Investitionen in neue Anlagen finanzierte ITM Power mit einer Kapitalerhöhung und dem Einstieg von Linde. Der Konzern besitzt derzeit mit über 95 Millionen Aktien einen Anteil von 17,25 Prozent am britischen Elektrolyse-Spezialisten.

Auftragsbestand fast verdreifacht

Die Aufwendungen von ITM Power könnten sich nun schneller als gedacht auszahlen. Ein Handelsupdate im Juni weist dem Unternehmen zuletzt ein erstaunliches Wachstum aus. Demnach ist der Auftragsbestand von 52,4 auf 154 Millionen Pfund gestiegen, die Ausschreibungs-Pipeline von 263 auf 607 Millionen Pfund. Mit der neuen Gigafactory in Sheffield verfügt das Unternehmen nun über genug Kapazitäten, um das erhöhte Auftragsvolumen zu bewältigen.

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Was das Update jedoch auch verrät: Nur 35,4 Millionen Pfund dieses Umsatzes sind bislang garantiert. Der Rest stammt aus noch nicht unterzeichneten Verträgen und derzeit unbegründeten Angeboten anderer Unternehmen.

Während die steigende Nachfrage nach seiner Technologie ein ermutigendes Zeichen ist, bleiben die tatsächlich erzielten Ergebnisse bis heute glanzlos. Der erwartete Umsatz für dieses Jahr liegt bei mickrigen vier Millionen Pfund. Das ist obendrein ein enttäuschender Rückgang von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – nichts, was man bei einer wachstumsstarken Aktie gerne sieht.

Abgesehen von den Unterbrechungen durch Covid-19 scheint dieser Rückgang jedoch hauptsächlich auf die Regeln zur Umsatzrealisierung zurückzuführen zu sein. ITM-Projekte dauern meist mehrere Jahre und der Umsatz wird erst verbucht, wenn ein Vertrag abgeschlossen ist.

Bis zum 30. April 2022 erwartet das Wasserstoff-Unternehmen, Elektrolyseure mit einer Leistung von 50 Megawatt zu produzieren. Dem Vernehmen nach befinden sich 33 Megawatt davon bereits im Auftragsbestand und der Rest in fortgeschrittenen Verhandlungsphasen. Das entspräche zum Marktpreis einen Umsatz von 35 bis 40 Millionen Pfund – in jedem Fall eine deutliche Verbesserung zu den bisherigen Zahlen.

Aktie fundamental abgekoppelt

ITM Power hat seine Produktions- und Betriebskapazitäten ausgebaut, sodass das Unternehmen bereit sein sollte, größere Projekte umzusetzen. Die Briten sind damit an einem Wendepunkt angelangt: Sollte die Geschäftsexpansion gelingen, könnte der Aktienkurs auf lange Sicht große Sprünge machen.

Doch selbst mit dem erhöhten Umsatzvolumen scheint der Aktienkurs von ITM Power immer noch von den Fundamentaldaten abgekoppelt zu sein. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt derzeit bei etwa 2,4 Milliarden Pfund, das prognostizierte Kurs-Umsatz-Verhältnis damit etwa bei 60.

In Verbindung mit der Tatsache, dass ITM Power unrentabel ist (und es wahrscheinlich noch mehrere Jahre lang bleiben wird), deutet dies für mich darauf hin, dass der Aktienkurs fast ausschließlich von den Erwartungen der Aktionäre bestimmt wird. Ich wäre daher nicht überrascht, wenn die Aktie erneut abstürzt, sollte ITM aus irgendeinem Grund nicht rechtzeitig liefern können.

Obwohl ITM Power zweifellos Potenzial hat, bin ich nicht überzeugt, dass es für die meisten Privat-Investoren das richtige Investment ist. Es braucht seine Zeit, um ein Geschäft kommerziell zu skalieren, die ITM-Aktionäre scheinen die notwendige Geduld jedoch nicht mitzubringen. Der Titel gehört daher vorerst nur auf Ihre Watchlist.

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