InTiCa Systems AG: Interview mit CEO Dr. Gregor Wasle und Georg Meindl (Prokurist) auf der Münchener Kapitalmarktkonferenz

Sehr geehrter Herr Wasle, Ihr Unternehmen entwickelt Technologielösungen für die Automobilindustrie, wenn ich mich richtig informiert habe. Was aber bedeutet dies konkret? Können Sie als Verantwortlicher für das Unternehmen die Gesellschaft unseren Leserinnen und Lesern vorstellen?

Antwort von Gregor Wasle: Vielen Dank für die Einladung zu diesem Interview. Die InTiCa Systems AG ist ein börsennotiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Passau. In unserem Headquarter in Passau sind unsere zentralen Bereiche angesiedelt. Dazu zählt sowohl der Bereich Forschung & Entwicklung (F&E) als auch der Vertrieb. Unsere beiden Produktionswerke sind in Prachatice (Tschechien) sowie in Silao (Mexico).

In unserem Hauptwerk in Tschechien beschäftigen wir rund 550 Mitarbeiter, in Mexico sind es zwischen 100 und 110 Mitarbeiter. Inklusive dem Headquarter beschäftigen wir im Konzern circa 750 Mitarbeiter. Wir sind ein Unternehmen, dass Produkte im Auftrag von Kunden entwickelt. Der Kunde steht bei uns stets im Fokus.

Unser Hauptfokus liegt auf der Automobilindustrie sowie der Industrieelektronik. Dabei beschäftigen wir uns überwiegend mit induktiven Komponenten und Baugruppen wie Aktoren, Statoren, EMV-Filter oder Sensorik.

Wo kommen wir genau her? Zu Beginn hat sich unser Unternehmen mit Telekommunikationsprodukten beschäftigt. So haben wir 2008 noch fast 75% unseres Umsatzes im Bereich Telekommunikation gemacht.

Wir mussten jedoch erkennen, dass der Trend in der Branche weg vom Festnetz und hin zur mobilen Telekommunikation ging, was nicht mehr in unserem Kompetenzbereich lag. Daher haben wir das Unternehmen vollständig transformieren müssen und haben uns dabei ganz bewusst auf die Automobilindustrie konzentriert und fokussiert. So haben wir es bis 2014 geschafft, circa 75% unseres Umsatzes im Bereich Automobil zu erwirtschaften.

Trotz dieses massiven Transformationsprozesses haben wir im Laufe der Jahre keine Umsatzrückgänge verzeichnen müssen, vielmehr ging es stetig bergauf. Aktuell sehen wir jedoch, dass wir diese Aufgabe einer Transformation erneut zu bewältigen haben. Denn die Automobilbranche ist derzeit in einem massiven disruptiven Umbruch, weg vom Verbrennungsmotor, über die Hybrid-Technologie und hin zur Elektromobilität.

Aber auch andere neue Trends spielen eine immer größere und wichtigere Rolle, beispielsweise die Konnektivität als Grundvoraussetzung für das autonome Fahren. Hier sehen wir für die Zukunft große Chancen. Das Schlagwort heißt in unserem Unternehmen E-Solutions. Hierfür können wir für dieses Thema viel Knowhow aus unserer Vergangenheit, also dem Telekommunikationsbereich nutzen.

In Summe konnten wir bereits im nun zu Ende gehenden Geschäftsjahr 2019 fast 40% unseres Umsatzes mit diesen neuen E-Themen erarbeiten. Das betrifft nicht nur die Automobilindustrie, sondern beispielsweise auch den Photovoltaik-Bereich. Soweit eine kurze Vorstellung unseres Unternehmens. Wir sind also breit aufgestellt mit einem klaren Schwerpunkt auf die sogenannten E-Solutions.

Ich nehme also mit, dass die Automobilindustrie zwar derzeit, aufgrund der genannten Umbrüche, in einer Krise steckt. Sie aber leiden nicht unter dieser Krise, sondern profitieren sogar noch davon, weil sie die Automobilhersteller auf ihrem Weg zur E-Mobilität unterstützen. Sehe ich das richtig?

Antwort von Gregor Wasle: Jein. Zwar leiden wir im Moment durchaus auch unter dieser Krise der Automobilindustrie. Wir können dies jedoch mittels der E-Solutions weitestgehend kompensieren.

Leider leidet auch unsere Profitabilität derzeit etwas unter der angesprochenen erneuten Transformation des Unternehmens. Denn wir müssen gewisse Investitionen vornehmen, um in Zukunft weiterhin mithalten zu können. Längerfristig sehen wir uns aber durchaus als ein Profiteur der Elektromobilität.

Wie darf ich mir jetzt den Ablauf bei ihrem Unternehmen vorstellen? Kommt da jetzt ein Automobilhersteller und sagt ich benötige dies und das – und dann entwickeln Sie eine entsprechende Lösung für ihn. Sind das dann individuelle Lösungen oder Standardlösungen?

Antwort von Gregor Wasle: Sowohl als auch. Schön ist es natürlich immer, wenn es uns gelingt, Standardlösungen zu entwickeln, die wir auch anderen anbieten können. Wobei unsere Kunden in den meisten Fällen gar nicht die Autobauer (OEM), sondern die großen Automobilzulieferer sind.

Jetzt sagten Sie, dass eigentlich gar nicht in erster Linie die Automobilhersteller zu Ihren Kunden gehören, sondern eher die Automobilzulieferer. Wenn Sie diesen so gut weiterhelfen können, könnte ja ein solcher Automobilzulieferer ja auch mal auf die Idee kommen InTiCa Systems zu schlucken. Gab es schon mal entsprechende Bestrebungen, also Übernahmeangebote?

Antwort von Gregor Wasle: Wir erhalten immer mal wieder entsprechende Anfragen, wobei es da bisher immer um Kapitalbeteiligungen ging. Zum Teil sind wir einfach noch zu klein und fliegen daher etwas unter dem Radar. Aber die doch zahlreichen Anfragen nach Kapitalbeteiligungen aus allen Teilen der Welt sind für uns durchaus eine Bestätigung unserer Arbeit. Auch wenn es bis dato noch nicht zu einem konkreten Übernahmeangebot gekommen ist.

Jetzt sind wir hier auf der MKK, da müssen wir natürlich auch mal über konkrete Geschäftszahlen sprechen. Wie bewerten Sie den Geschäftsverlauf von InTiCa Systems im nun zu Ende gehenden Geschäftsjahr 2019?

Antwort von Gregor Wasle: Das Geschäftsjahr 2019 ist, gerade auch in Relation zum Vorjahr, durchaus zufriedenstellend verlaufen. So konnten wir 2019 unsere Umsätze letztlich doch maßgeblich steigern. Das hatte zur Folge, dass wir unsere eigenen Prognosen anheben mussten, da dies Ad hoc-pflichtig war. Alles in allem sind wir daher mit 2019 zufrieden, auch wenn noch weitere große Aufgaben vor uns liegen.

So ist ein solcher Transformationsprozess, wie wir ihn nun erneut bewältigen müssen, immer auch mit einer Menge an Aufwand und Risiko verbunden, wie Sie sich wohl vorstellen können. Wir bewegen uns zwar nicht in einem stürmischen, aber doch unruhigen Gewässer, um das ein wenig plakativ zu beschreiben.

Und wie fällt vor diesem Hintergrund Ihr Ausblick auf das kommende Jahr, 2020, aus? Auch vor dem Hintergrund der geopolitischen Turbulenzen, die es ja auch noch gibt?

Antwort von Gregor Wasle: Die geopolitischen Turbulenzen wie der Brexit oder der Handelskrieg der USA gegen China belasten uns sehr wohl, auch wenn teilweise nicht direkt. Ebenfalls spüren wir eine gewisse Investitionszurückhaltung bei einigen Kunden und führen diese auf diese geopolitischen Unsicherheiten zurück.

Insofern hoffen wir, dass es in dieser Hinsicht zu einer Beruhigung kommt. Aber darauf haben wir natürlich keinen Einfluss. Alles in allem fällt unser Ausblick auf 2020 durchaus positiv aus, wobei wir uns allgemeinen Trends niemals völlig entziehen können.

Ob es jetzt aber gleich abwärts gehen wird, muss man dann mal sehen. Es gibt ja das Sprichwort, dass angekündigte Revolutionen nur selten stattfinden. Daher haben wir durchaus eine gewisse Hoffnung.

Herr Wasle, Herr Meindl, ich hätte dann keine weiteren Fragen mehr. Daher verabschiede ich mich an dieser Stelle und wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Unternehmen!

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