Interview mit Björn Torkar (Privé Technologies) über Digitalisierung, Robo Advisors und andere Themen

Was waren die Motive für Sie, sich hier auf dem Münchener Kapitalmarkt Kolloquium als Sponsor zu engagieren?

Als Unternehmen muss man sich seiner Zielgruppe präsentieren und für Gespräche so oft wie möglich zur Verfügung stehen. Dieses Ziel erreichen wir über die Kapitalmarkt Kolloquien sehr gut. Aber wir erreichen nicht nur eine bessere Wahrnehmung durch unsere Kunden. Es geht uns auch darum, einen Wissenstransfer zu realisieren und den Menschen zu zeigen, dass die Digitalisierung nicht nur negativ wahrgenommen werden sollte, weil sie uns allen auch eine Menge Vorteile und Chancen bietet.

An welche Vorteile denken Sie dabei konkret?

Die Digitalisierung schafft Freiräume und sie steigert den Unternehmergeist. Damit schafft sie neue Märkte und bringt langfristig eine neue Art von Arbeitsplätzen hervor, die ich jetzt einmal „Wissens–Arbeitsplätze“ nennen möchte. Gerade für ein Land wie Deutschland eröffnen sich dadurch interessante Möglichkeiten. Kreative Köpfe können gefördert werden und das vorhandene Wissen kann effizienter vermittelt und viel besser eingesetzt werden.

An welche Kunden bzw. Kundengruppen richten Sie sich mit ihren Angeboten?

Unsere Kunden sind zum heutigen Zeitpunkt ausschließlich im Banken- und Vermögensverwaltungsumfeld tätig. Dazu zählen wir auch Versicherungen und Familiy Offices. Privé Technologies richtet sich nicht direkt an Endkunden, sondern ist im B2B Geschäft tätig.

Welche Ihrer Produkte bzw. Angebote sind für Ihre institutionellen Kunden von besonderem Nutzen und warum?

Die von Privé Technologies bereitgestellte Software unterstützt die Berater von Banken und Versicherungen dabei, ihren Kunden bessere Angebote vorzustellen und innerhalb der Beratung die Transparenz zu erhöhen. Das fängt beim ersten Kontakt an und reicht über das sogenannte Onboarding bis hin zum digitalen Portfoliomanagement und zum automatisierten Ordering oder zu Rebalancingprozessen.

Ein besonderes Highlight stellen unsere Wissensportale DigitalMindWay.com, Hive Up und WealthinAsia.com dar. Ihre Aufgabe ist es, das komplexe Wissen rund um die Finanzmärkte und die eigenen Anlageentscheidungen in einer leicht verständlichen Form jederzeit verfügbar zu machen. Das visualisierte Wissen wird dadurch allen in der Finanzbranche zugänglich und jeder unserer Kunden kann jederzeit am Finanzgeschäft teilnehmen.

Gleichzeitig sind wir in der Lage, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Warnung in kürzester Zeit an die betroffenen Berater weiterzuleiten. Das ermöglicht es dem Berater, umgehend mit seinen Kunden in Kontakt zu treten. Wir stellen dabei die Technik zur Verfügung, während der Berater seine emotionale und soziale Kompetenz miteinbringt. Es ist genau diese effiziente Verbindung, die es unseren Kunden ermöglicht, kostengünstiger zu arbeiten und gleichzeitig die individuellen Wünsche und Anforderungen ihrer Kunden optimal zu erfüllen.

Wie schätzen Sie die fortschreitende Digitalisierung im internationalen Rahmen derzeit ein?

Als international agierendes Unternehmen mit Sitz in Hong Kong und Schwerpunkt in Asien beobachten wir seit geraumer Zeit, dass neue Innovation immer stärker von Ost nach West importiert werden. Das Bild von einem China, welches ausschließlich Turnschuhe und günstige Elektroprodukte kopiert und produziert, ist schon lange überholt. Wer heute in Hong Kong, Seoul oder Taipeh mit Bargeld seinen Kaffee bezahlen möchte, wird im besten Fall noch freundlich belächelt. Auch in den USA beobachten wir eine ähnliche Entwicklung. Längst akzeptieren Fashion- und Retailshops Zahlungen nur noch via PayPal und Co. Beispiele dafür, wie dies in der Finanzindustrie gerade erfolgreich umgesetzt wird, sind zum Beispiel Wealthfront.com oder Charles Schwab und Vanguard. Sie stehen für eine immer stärker digital abgewickelte Vermögensverwaltung und zeigen auf eindrucksvolle Weise, wie einfach Geldanlage heute sein kann.

Wie stark müssen wir uns an diesen Vorbildern orientieren?

Wenn wir hier in Deutschland dieser Entwicklung nicht allzu weit hinterherhinken wollen,  müssen wir uns an diesen Unternehmen unverzüglich ein Beispiel nehmen und akzeptieren, dass den Kunden schon heute ein völlig neuer Zugang zu den Finanzmärkten geebnet wird. Mit der Private-Banking-in-A-Box-Lösung von Privé Technologies sind diese Formen des Robo Advice und der digitalen Geldanlage auch von den deutschen Finanzinstituten schon heute sofort realisierbar.

Welche Gefahren sehen Sie derzeit?

Eine Gefahr, die wir derzeit sehen, ist das sogenannte Digiwashing, also die Digitalisierung allein um der Digitalisierung willen. Sie verursacht nur Kosten, die dem Kunden in Form von höheren oder zusätzlichen Gebühren in Rechnung gestellt werden, ohne dass mit dieser Digitalisierung ein echter Vorteil für ihn verbunden ist.

Gefährlich ist auch, wenn die Strategien zur Digitalisierung des eigenen Geschäfts zu kurz gedacht werden und nach kurzer Zeit wieder eingestampft oder kostenintensiv überarbeitet werden müssen.

Falsch ist es unserer Ansicht auch, den Fokus ausschließlich auf Robo Advice zu legen. Das sagen wir gerade, weil wir ein Anbieter von bewährten Robo-Lösungen sind. Aber bei Privé Technologies sind wir überzeugt, dass auch Empathie, Menschlichkeit und andere Vorzüge einer menschlichen Beratung genutzt werden müssen. Idealerweise sollte die Technologie den Menschen unterstützen und so zu einem besseren Beratungsergebnis beitragen.

Sehen Sie auch Chancen, die sich den Anlegern augenblicklich bieten?

Die Bereiche der FinTechs und des Robo Advisory sind derzeit ein stark gehyptes Segment. Ein wenig ist die Situation mit der Internettechnologie und dem Neuen Markt am Ende der 1990er Jahre zu vergleichen. Die einzelnen FinTechs und Robo Advisor werden sich am Markt beweisen müssen. Dabei ist es zwangsläufig, dass einige einen großen Erfolg haben werden, während andere untergehen werden. Darin steckt einerseits eine große Chance. Auf der anderen Seite darf das enorme Risiko aber auch nicht unterschätzt werden. Wie sich der deutsche Finanzmarkt aktuell weiterentwickelt, haben wir in unserer Studienreihe „DigitalMindWay – Digitalisierung im deutschen Bankenbereich, und insbesondere in Studie IV: Die digitale Vermögensanlage“ fundiert dargestellt und aufgearbeitet. Den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Studien werden wir selbstverständlich auch über Linkedin (www.linkedin.com/company/digitalmindway/) und Facebook (https://www.facebook.com/DigitalMindWay/) kommunizieren.

Wie sollten die Anleger Ihrer Meinung nach am besten auf diese Gefahren und Chancen reagieren?

An dieser Stelle empfehlen wir unseren institutionellen Kunden einen diversifizierten Ansatz. Man sollte die Robos ausprobieren und mit ihnen Erfahrungen sammeln. Aber das Ganze bitte nicht als „All-in“-Ansatz. Den Kunden der Banken und Versicherungen empfehle ich, sich gemeinsam mit dem Kundenberater über die Möglichkeiten der digitalen Geldanlage zu informieren und sich mit ihnen vertraut zu machen.

Herr Dr. Torkar vielen Dank für das Gespräch und Ihre interessanten Einschätzungen.

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