Inflation ist keine Naturkatastrophe – sie ist menschengemacht

Inflation ist ein monetäres Phänomen. Sie ist Folge der Geldmengenausweitung durch die Zentralbanken. Es ist leider zu befürchten, dass die Inflation hoch bleibt.

UNERFREULICHE KONSTELLATION

Die Inflationsaussichten haben sich verdunkelt. Es hat sich eine sehr unerfreuliche
Konstellation von Faktoren zusammengebraut.

Erstens:
Der politisch diktierte Lockdown hat Produktionsleistung der Volkswirtschaften stark geschmälert. Produktionsausfälle, Logistikprobleme und Lieferengpässe sorgen nach wie vor für erhöhte Angebotsknappheit.

Zweitens:
Die zurückgestaute Nachfrage baut sich
nun ab, beflügelt die Konjunktur, trifft dabei aber auf ein verknapptes Angebot
und treibt die Güterpreise in die Höhe.

Drittens:
Die in vielen Ländern politisch
forcierte Energiewende artet in einen „Energiepreisschock“ aus, der alle Güterpreisen
erfassen wird – und sogar die Versorgungssicherheit bedrohen kann.

Viertens:
Angebotsverknappung, anziehende Konjunktur und stark steigende
Energiepreise treffen auf einen gewaltigen Geldmengenüberhang, den die Zentralbanken
aufgetürmt haben, und der sich nun Güterpreisinflation übersetzt.

Fünftens:
Das Vordringen der Staaten im Wirtschafts- und Gesellschaftsleben – in Form
von mehr Ge- und Verboten, Regulierung, Gesetzen, Besteuerung, staatlichen
Ausgabenprogrammen etc. – drängt das, was von den freien Märkten noch übrig
ist, zusehends weiter zurück. Die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften nimmt
dadurch ab, der Wettbewerbsdruck in vielen Sektoren wird abgeschwächt, und
auch das begünstigt ein Ansteigen der Güterpreise.

Eine Reihe von Zentralbanken hat angekündigt, aus der extrem expansiven Geldpolitik
aussteigen zu wollen. Die Bank von England hat sogar schon im Dezember
2021 erstmalig den Leitzins erhöht. Die US-Zentralbank (Fed) will im März beginnen,
die Zinszügel anzuziehen, und auch die Europäische Zentralbank (EZB) wird
wohl im Verlauf des Jahres die Kreditkosten anheben. Doch wird das ausreichen,
die bereits hohe Inflation zu verringern?

Der Inflationsschub, den die Zentralbanken mit ihrer Geldmengenschwemme in Gang gesetzt haben, lässt sich nicht mehr
ungeschehen machen: Seit Ende 2019 hat die Fed die Geldmenge M2 um 40 Prozent
ausgeweitet, die EZB die Geldmenge M3 um 20 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Geldmengen immer noch mit erhöhten Raten wachsen. So
nimmt die US-Geldmenge M2 derzeit mit etwa 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr
zu, die Euro-Geldmenge M3 um etwa 7 Prozent. Die Geldpolitik muss, will sie die
künftige Inflation mäßigen, das Kredit- und Geldmengenwachstum abbremsen,
also die Zinsen kräftig anheben, beziehungsweise sie muss damit aufhören, neu
ausgegebene Staatsschulden in großem Stil aufzukaufen, das heißt zu monetarisieren,
denn dadurch wird die ausstehende Geldmenge ebenfalls erhöht. Das aber
wird absehbar auf große Widerstände stoßen.

Zum einen wird die konjunkturelle Erholung durch die sehr niedrigen Zinsen angetrieben.
Eine Verteuerung der Kredit- und Kapitalkosten wäre daher absehbar
mit wirtschaftlichen Bremsspuren, vielleicht sogar – wenn die Zentralbanken die
Realzinsen (also die inflationsbereinigten Nominalzinsen) über die Nulllinie heben
– mit Rezession und Arbeitslosigkeit verbunden.

Zum anderen ist aus Sicht der hochverschuldeten Staaten eine Verteuerung der Kreditkosten höchst unerwünscht:
Steigende Zinskosten schränken den Ausgabespielraum ein und schüren
Zweifel an der Schuldentragfähigkeit der staatlichen Finanzen.

Hinzu kommt, dass eine erhöhte Inflation politisch alles andere als ungelegen
kommt. Inflation ist nämlich so etwas wie eine „Inflationssteuer“, sie bereichert –
für viele Menschen gar nicht sichtbar – den Staat auf Kosten der breiten Bevölkerung.
Das geschieht auf verschiedenen Wegen.

Steigen die Güterpreise, ziehen früher oder später auch die Löhne an – schließlich wollen die Arbeitnehmer für den erlittenen Kaufkraftverlust entschädigt werden. Wenn die Steuersätze nicht verändert werden, hat das zur Folge, dass die reale Steuerlast ansteigt: Die Steuerzahler geraten unter einen höheren Grenzsteuersatz. Obwohl ihre realen Einkommen durch die Erhöhung ihrer nominalen Löhne nicht zunehmen, müssen sie
mehr Steuern bezahlen.

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Ein ähnlicher Effekt stellt sich bei Unternehmen ein. In Inflationszeiten steigen die
Umsätze der Firmen an, während in den Bilanzen die Produktionsmittel zu Anschaffungs-
beziehungsweise Herstellungskosten angesetzt sind. Das führt in inflationären
Zeiten zu „Scheingewinnen“:

Die Gewinne in der betrieblichen Rechnungslegung
werden höher ausgewiesen als sie in realer, also inflationsbereinigter
Rechnung tatsächlich sind. Durch die Besteuerung der inflationsbedingt aufgeblähten
Gewinne wird den Firmen Substanz entzogen.

Die Inflation trifft auch den Sparer und Investor. Wenn er mit seinen Kapitalanlagen
„nur“ die Inflation verdient, hat er dann sein Kapital erhalten? Die Antwort
ist nein! Der erzielte Gewinn unterliegt der Kapitalertragssteuer. Der Anleger erleidet
in diesem Falle einen realen Kapitalverlust, wenn er/sie auf den Gewinn Steuern
zahlen muss. Dieser steuerbedingten Kapitalminderung kann man nur entkommen,
wenn man eine Rendite erzielt, die nicht nur höher ist als die Inflation,
sondern die auch die Steuer auf den Kapitalertrag abdeckt.

ES GEHT UM DIE INFLATIONSERWARTUNGEN

„Geld ist ein scheues Reh“, sagt eine Volksweisheit. Auch wenn die Güterpreisinflation
in vielen Volkswirtschaften in den letzten Monaten gewaltig zugelegt hat,
so ist doch das Vertrauen der breiten Bevölkerung in das Geld – ob US-Dollar, Euro
& Co – nach wie vor recht hoch. (Von „Ausnahmen“ wie die Türkische Lira sei an
dieser Stelle abgesehen.)

Woran liegt das? Vermutlich an der Erfahrung, die die
Menschen in den letzten vier Dekaden gemacht haben: einer Zeit (vermeintlich)
rückläufiger Konsumgüterpreisinflation.

Die Auffassung hat sich tief bei den meisten Menschen festgesetzt, die Inflation
werde anhand von Konsumgüterpreisindizes „richtig“ gemessen. Das hat dazu
geführt, dass die Inflation von Vermögensgütern – wie die Preissteigerungen von
Aktien, Anleihen, Grundstücken, Häusern etc. – in der Regel nicht als „echte Inflation“
betrachtet werden, obwohl sie natürlich die Kaufkraft des Geldes genauso
verringert wie die Inflation der Konsumgüterpreise.

Das verkürzte Inflationsverständnis, das heute vorherrschend ist, hat also die Vermögenspreisinflation für viele Menschen nicht als Inflation sichtbar werden lassen. Wenn man jedoch um die Vermögenspreisinflation weiß, gelangt man ganz bestimmt nicht zum Schluss, in den letzten Jahrzehnten sei die Inflation gefallen.

Das starke Ansteigen der Konsumgüterpreisinflation hat nun jedoch viele Menschen
aufgeschreckt und aufgeweckt. Sie bemerken es in ihrem Tagesgeschäft,
bei ihren Einkäufen, dass die Kaufkraft ihres Geldes dahinschwindet.

Gleichzeitig liegen ihnen mehr denn je Hauptstrom-Ökonomen, Zentralbankräte und so mancher Politiker damit in den Ohren, dass die Inflation „nur“ vorübergehend sei, sich
bald zurückbilden werde. Vor allem stellen die Zentralbanken öffentlichkeitswirksam
Zinserhöhungen in Aussicht. „Steuerung der Erwartungen“ nennt man das:
Die Zentralbankräte wollen auf keinen Fall, dass die Menschen Zweifel an den Versprechungen der Zentralbanken bekommen.

Denn was passiert, wenn die Menschen das Vertrauen verlieren, die Zentralbank
werde die Inflation niedrig halten? Sie werden dann ihr Handeln anpassen, werden
nicht mit 2 Prozent Inflation rechnen, wie von der Zentralbank versprochen, sondern
mit, sagen wir, 5 Prozent.

Die erhöhte Inflationserwartung geht in die Miet-, Kredit- und Lohnverträge ein und zeigt sich früher oder später in steigenden Monatsmietzahlungen
und anziehenden Güterpreisen auf breiter Front. Die Volkswirtschaft
arbeitet sich auf diese Weise quasi in ein Regime der erhöhten Inflation
hinein. Die erhöhte Inflation wird, wenn die Zentralbank nichts gegen sie unternimmt,
zum „Normalfall“.

Die Kosten einer erhöhten Inflation sind beträchtlich. Beispielsweise erleiden Ersparnisse
in Form von festen Zahlungsversprechen unvermeidlich Kaufkraftverluste.
Geschäftsinhaber, Restaurants, Betriebe etc. müssen ihre Preislisten häufiger
anpassen; Marktakteure müssen mehr Aufwand betreiben, um Preisvergleiche anzustellen;
die mit Geld ausgeübte Wirtschaftsrechnung wird erschwert, das Risiko,
unternehmerische Fehlentscheidungen zu treffen, steigt an; Produktion und Beschäftigung
bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück.

DAS PROBLEM, EINE INFLATION ZU STOPPEN

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Doch damit nicht genug: Hat die Inflation erst einmal begonnen, in die Höhe zu
klettern, lässt sie sich nur schwer wieder stoppen. Dazu muss man wissen, dass im
heutigen Geldsystem, einem ungedeckten Papiergeld beziehungsweise auch Fiat-
Geldsystem, die Inflation keine Naturkatastrophe, sondern dass sie – wie es Ludwig
Erhard (1897–1977) einmal treffend sagte – stets das Ergebnis einer fehlerhaften
oder mitunter auch verbrecherischen Politik ist.

Die Inflation ist im Kern eine Umverteilung von Einkommen und Vermögen, die
dann (am besten) wirkt, wenn sie unerwartet daherkommt, wenn sie also die
Marktakteure sprichwörtlich auf dem falschen Fuß trifft. Warum aber sollte die
Zentralbank die Menschen mit einer Überraschungsinflation überziehen? Aus zumindest
zwei Gründen ist das denkbar.

Der erste Grund: Der Hang zur Politik der Überraschungsinflation ist groß, wenn
die Zentralbank zur Konjunkturbelebung eingesetzt wird. Wenn also mit niedrigen
Zinsen und einer kräftigen Ausweitung der Geldmenge die Wirtschaftstätigkeit
angeheizt werden soll. Ein derartiger „künstlicher Aufschwung“ fällt sprichwörtlich
in sich zusammen, sobald ihm die monetäre Droge entzogen wird.

Und um genau das abzuwenden – um Rezession, Massenarbeitslosigkeit und Unternehmenspleiten zu umgehen –, sehen Regierende, aber auch Regierte nicht selten
eine fortgesetzte Inflation, eine andauernde Überraschungsinflation als das vergleichsweise
kleinste Übel an.

Der zweite Grund: Wenn der Staat überschuldet ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit
sehr groß, dass, um seine Zahlungsunfähigkeit zu verhindern, die Zentralbank
die elektronische Notenpresse anwirft, damit der Staat seine Ausgaben mit neu
geschaffenem Geld finanzieren kann. Die Solvenz des Staates geht dann ganz offensichtlich
vor Geldwertstabilität.

Und die Möglichkeiten für den Staat, sich durch Inflation zu entschulden und zu finanzieren, sind dann besonders groß, wenn die Inflation von den Menschen nicht vorausgesehen wird, wenn sie überraschend daherkommt.

Beide Gründe liegen aktuell in vielen Volkswirtschaften der westlichen Welt vor.
Das Kind ist sozusagen bereits in den Brunnen gefallen. Doch es gibt noch einen
dritten Grund, der für die Fortsetzung der Inflation spricht: das politische Bestreben,
die Volkswirtschaften um- und neuzubauen, sie zu „transformieren“, sie einem
„Great Reset“ zu unterziehen. Die damit verbundenen Kosten sind gewaltig
– wie sich in der drastischen Verteuerung der Energieversorgung bereits andeutet.

Die Regierungen werden daher weiterhin für hohe Haushaltsdefizite sorgen, um
Subventionen zu zahlen, „soziale Härten“ (die sie selbst verursachen) abzufedern
etc. Das wird ohne eine Monetisierung der Staatsschulden durch die Zentralbanken,
also die Ausgabe von neuem Geld in großem Stil nicht gehen, und (noch
höhere) Güterpreisinflation wird die unausweichliche Folge sein.

“SCHÖNWETTERREGELN“ GEGEN INFLATION

Man mag hier einwenden: Es gibt doch „Schutzvorkehrungen“ im System des
ungedeckten Geldes, die den politischen Missbrauch mit der Geldmengenvermehrung
verhindern sollen. Als da wären: Die Zentralbanken sind „politisch unabhängig“
und haben zudem den gesetzlichen Auftrag, die Inflation niedrig zu halten.
In einigen Ländern gibt es sogar Schuldenbremsen, die verhindern sollen, dass die
Staaten sich in eine Situation der Überschuldung hineinmanövrieren, die dann eine
Inflationspolitik unausweichlich macht.

Es fällt nicht schwer einzusehen, dass die Schutzvorkehrungen „Schönwetterregeln“
sind, die im politischen Tagesgeschäft, vor allem in Zeiten der Krise nur allzu
leicht ausgehebelt und umgangen werden (können). Beispielsweise haben die
Zentralbanken ihr Inflationsziel jüngst „gelockert“:

Die Inflation soll nicht mehr unter 2 Prozent bleiben, sondern die 2-Prozentmarke soll im „Durchschnitt der Jahre“ erreicht werden. Oder: Im Euroraum wurde der Stabilitäts- und Wachstumspakt, der den Weg in die Staatsüberschuldung verhindern sollte, gleich im
März 2020 für unbekannte Zeit ausgesetzt; und die Vereinigten Staaten von Amerika
setzen ihren „Schuldendeckel“ immer weiter in die Höhe.

Das entscheidende Element, um das Abrutschen in ein „Inflationsregime“ aufzuhalten,
ist die sogenannte „öffentliche Meinung“. Keine Regierung, keine Zentralbank
wird sich dauerhaft gegen den Willen der Mehrheit halten können. Jede
Art von Politik kann nur solange betrieben werden, wie sie vom Mehrheitswillens
geduldet wird, ob nun aus Unwissenheit oder in klarem Bewusstsein der Tatsachen.

Zwei Gründe sprechen gegen ein baldiges Ende der Inflation, lassen sogar eine
Verschärfung der Inflation in den großen Volkswirtschaften befürchten. Der erste
Grund: Viele Menschen kennen die Kosten der Inflation nicht (mehr). Die letzte
Phase der Hochinflation (1970er und 1980er Jahre) liegt schon lange zurück, die
Erfahrung mit den Schäden, die die Inflation verursacht, sind daher bei vielen Menschen
kaum oder nicht mehr präsent.

Das wiederum legt die Befürchtung nahe, dass die Menschen die wahren Kosten der hohen Inflation erst (erneut) erfahren müssen, damit sich Widerstand gegen die Inflationspolitik formieren kann. In der Zwischenzeit kann die Inflationspolitik fortgesetzt werden.

Der zweite Grund: Die wirtschaftliche und politische Abhängigkeit vieler Menschen
von Inflationspolitik ist sehr groß geworden. Viele Firmen, viele Arbeitsplätze,
viele soziale Errungenschaften hängen an der Fortführung des ungedeckten
Geldsystems, und die Inflation wird vermutlich noch weiter ansteigen (müssen),
ehe die Bereitschaft in der Bevölkerung sich herausgebildet hat, die mit der
Inflationsreduktion verbundenen Anpassungskosten zu akzeptieren.

Das Problem dabei ist allerdings: Je länger es dauert, die Anti-Inflationshaltung einzunehmen, desto größer werden die Schäden, und desto höher werden letztlich auch die Anpassungskosten ausfallen.

INFLATION: EIN MONETÄRES PHÄNOMEN

Das Ganze bedeutet nun aber nicht, dass das ungedeckte Geldsystem sogleich in
eine Hoch- oder gar Hyperinflation abrutscht. Das ist zwar nicht ausgeschlossen,
aber für die absehbare Zukunft ist es beileibe nicht das einzig denkbare, vermutlich
auch nicht das wahrscheinlichste Szenario. Vielmehr erscheint aus unserer Sicht
das Folgende recht wahrscheinlich zu sein:

Die Güterpreisinflation bleibt in den kommenden Jahren merklich erhöht – zwischen 4 und 6 Prozent, kehrt also nicht mehr auf die 2-Prozentmarke zurück. Sie gerät aber auch nicht gänzlich außer Kontrolle. Anders gesagt: Die Staaten beziehungsweise deren Zentralbanken erheben eine permanent erhöhte Inflationssteuer.

Das käme einer Verschärfung der „Finanziellen Repression“ gleich, die seit langem
betrieben wird. Sie setzt allerdings voraus, dass die Verschuldung der Staaten nicht
eskaliert, nicht vollends aus dem Ruder läuft. Ist das eine realistische Erwartung?
Ja, zumindest für die nächste Zukunft.

Denn solange die Marktakteure nicht ihre
Inflationserwartungen in die Höhe schrauben, also weiterhin den Versprechen der
Zentralbanken Glauben schenken, dass die Inflation wieder zurückgeht, erhält die
Überraschungsinflation ihre „belebende Wirkung“ für die Konjunktur, und sie
sorgt vor allem auch für einen andauernden Ressourcentransfer von den privaten
Haushalten und Firmen weg und hin zur Staatskasse. Insbesondere das Fortführen
einer Zinspolitik, die den Realzins (also den inflationsbereinigten Nominalzins) im
negativen Territorium belässt, erlaubt es den Staaten, sich auf Kosten ihrer Gläubiger
zu entschulden.

Doch das „Spiel mit der Inflation“ ist natürlich alles andere als unproblematisch,
es ist und bleibt vielmehr höchst gefährlich. Chronische Inflation schädigt nicht
nur die gesamte Volkswirtschaft, lässt Produktion und Beschäftigung hinter ihren
Möglichkeiten zurückbleiben, im schlimmsten Fall setzt sie das materielle Wohlstandsniveau
herab. Hinzu kommen die nicht minder üblen Folgen für das soziale
und politische Zusammenleben.

Die Erfahrung zeigt, dass Inflation das Miteinander
sprichwörtlich vergiftet, Zustände herbeiführt, die viele Menschen als unsozial
und untragbar ansehen. Das gilt umso mehr, wenn die Menschen nicht verstehen,
wie es zur Inflation kommt, wenn sie die Ursache der Inflation nicht kennen.

Deshalb sei hier abschließend betont, dass die Inflation nicht wie eine Naturkatastrophe
über die Menschen kommt, sondern dass sie menschengemacht ist. Kurz
gesagt: Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen. Und weil die
staatlichen Zentralbanken das Monopol der Geldproduktion innehaben, sind sie
es auch, die die Verantwortung für die Inflation tragen.

Selbstverständlich können zum Beispiel steigende Energiepreise, eine abwertende
Währung und Lohnerhöhungen zu steigenden Güterpreisen führen. Aber das
Phänomen, dass alle Güterpreise im Zeitablauf in die Höhe steigen, ist nur möglich,
wenn die Geldmenge (übermäßig) steigt. Anders gesagt: In einer Volkswirtschaft,
in der es kein Geld gäbe, in dem Naturaltausch betrieben würde (also Ei
gegen Apfel, Schuh gegen Brot getauscht werden), gäbe es so etwas wie Inflation
nicht. Wie man es auch drehen und wenden mag:

Inflation ist ein monetäres Phänomen.
Auf Seite 9 geht es weiter – dort wird erklärt, warum die Inflation sehr
wahrscheinlich zum Dauerproblem für die breite Bevölkerung wird.

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