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Indus Holding AG: Vorstand Dr. Jörn Großmann im Interview über die Nachhaltigkeitsstrategie bei Indus

Mit einem fliegenden Start in die Nachhaltigkeit gestartet, Vorstand Dr. Jörn Großmann über die Nachhaltigkeit im deutschen Mittelstand.

Die Börsenradio Network AG hat im Nachhaltigkeits-Podcast mit dem Vorstand der Indus Holding AG über Nachhaltigkeit gesprochen. Dabei hat Vorstand Dr. Jörn Großmann einen detaillierteren Einblick in aktuelle Maßnahmen und zukünftige Nachhaltigkeitsstrategien gegeben. Das Große Ziel: den Mittelstand nachhaltiger gestalten.

Peter Heinrich: Herzlich willkommen zum Nachhaltigkeits-Podcast von Börsenradio. Hier in diesem Projekt möchten wir von Firmen berichten, die die Nachhaltigkeit ernst nehmen. Was zu verändern. Die erkannt haben, jetzt müssen wir was tun. Hören Sie von Firmen, die mitten im Nachhaltigkeitswandel stecken, von ihren Projekten, ihren Ideen, wohin die Reise geht. Heute zu Gast Indus. Ich habe eine Bitte, Herr Großmann, dass Sie sich den Hörern ganz kurz selbst persönlich vorstellen mit Ihrem Namen und Ihren Verantwortungsbereichen, die Sie bei Indus haben.

Jörn Großmann: Ja, sehr gerne. Vielen Dank, Herr Heinrich, erst mal für die Möglichkeit, hier an dem Podcast auch teilzunehmen. Mein Name ist Jörg Großmann. Ich bin einer von vier Vorständen bei der Indus Holding AG in Bergisch Gladbach. Wir sagen immer ganz gerne wir haben als Vorstände doch drei Hüte auf. Das eine ist die Betreuung unserer Beteiligungsmandate, die wir quasi durch uns vier Vorstände geteilt haben.

Das zweite Thema ist M&A. Als Beteiligungsgesellschaft sind wir natürlich auch bestrebt stetig Zukäufe auf Wachstums- und Ergänzungsebene auch zu tätigen. Und das Dritte jeder von uns hat ein Ressortverantwortung, die über die gesamte Gruppe auch drüber geht, was bei mir die Themen Innovation, Technologie und Nachhaltigkeit sind. Womit sich dann eben auch erklärt, dass wir beide uns heute über das Thema Nachhaltigkeit auch unterhalten dürfen.

Peter Heinrich: Ja, Thema Nachhaltigkeit. Wir vom Börsenradio haben ja Indus seit vielen vielen Jahren, seit über 15 Jahren regelmäßig in Interviews. Ich glaube, wir sollten, bevor wir in das Thema Nachhaltigkeit einsteigen, kurz noch mal Indus selber vorstellen. Was macht Indus für die, die jetzt neu einsteigen in diesem Podcast? Sie nennen es selber die Leidenschaft ist der Mittelstand von Indus und sie beteiligen sich an mittelständischen Firmen und bringen es auf die Spur und geben Unterstützung und geben so eine Art Boost. Wie würden Sie es bezeichnen?

Jörn Großmann: Ja, also die Einleitung ist perfekt. Ich könnte es gar nicht besser beschreiben, was uns antreibt. Wir sind eine Beteiligungsgesellschaft, die seit mehr als 30 Jahren erfolgreich am Markt unterwegs ist und zurzeit 48 Beteiligungen auch hält. Wir sind extrem breit diversifiziert im Markt und in fünf Segmenten unterwegs. Dazu gehört Bau/Infrastruktur, Automotive, Med-Tech, Metall- und Maschinenbau Automatisierungstechnik, also ein relativ breites Portfolio.

Ja, wir haben uns auf den Mittelstand spezialisiert, in dem Zusammenhang eben auch speziell auf Familien nachfolgen. Und da schließt sich auch schon so ein bisschen der Kreis zum Thema Nachhaltigkeit, weil Familienunternehmen per se aus ihrer Definition heraus natürlich das Thema Nachhaltigkeit und Weitergabe des Lebenswerkes in sich einfach auch aufnehmen.

Peter Heinrich: Ja, es ist anders, als hätte man nur einen Vorstand, der nach fünf Jahren wieder geht, wahrscheinlich. Das ist, glaube ich, unheimlich wichtig bei Nachhaltigkeit, dass die Firmengründer auch wollen, dass es stabil und ordentlich weitergeht. Die denken ja manchmal über zwei Generationen sogar.

Jörn Großmann: Ja, das kann ich absolut bestätigen. Ich würde mir wünschen, dass ich schon länger bei der Indus mit dabei bin. Ich kann aber von meinen Vorstandskollegen auch noch mal zum Ausdruck bringen, insbesondere unser Vorstandsvorsitzender, der Dr. Johannes Schmidt, seit 2006 an Bord. Also insofern sieht man da auch für eine Beteiligungsgesellschaft, Langfristigkeit ist auch bei uns in der Führung letztendlich auch vorhanden. Aber das Thema Nachhaltigkeit, gerade auch bei Familienunternehmen, zeigt ja auch, der wesentliche Familienasset liegt halt im Unternehmen drin.

Per se ist man eigentlich auch immer schon bestrebt, daran zu denken, das Unternehmen an die nächste Generation auch weiterzugeben. Viele unserer Unternehmen befinden sich in landschaftlich reizvoller Umgebung, sodass eben auch eine relativ starke Vernetzung auch der Gesellschaft und der handelnden Personen mit den lokalen Gegebenheiten einfach auch vorhanden ist. Und ich glaube, da entsteht automatisch einfach auch schon eine Mischung und auch eine Motivation daraus. Unabhängig jetzt von den aktuellen Gesetzgebungen, Dinge langfristig zu betrachten und eben auf stabilen Beinen aufzubauen.

Peter Heinrich: Die EU hat ja vorgelegt mit ihrem Green Deal. In Europa wollen wir es schaffen, bis 2030 den CO2 Ausstoß zu halbieren und bis 2050 den Carbon Footprint auf null zu bringen. 2030, 2050 Herr Großmann, glauben Sie, wir schaffen das? Schafft das Indus mit all seinen Firmen?

Jörn Großmann: Wir sind maximal bestrebt, das Ziel umzusetzen und das zu schaffen. Vielleicht muss man an der Stelle ja auch sagen, gerade auch mit der Zentrierung auf den deutschen Mittelstand. Die deutsche Gesetzgebung ist ja noch ehrgeiziger an der Stelle auch unterwegs und zieht das Thema CO2 Neutralität ja um fünf Jahre gegenüber der EU auf 2045 auch vor. Das ist ein anspruchsvolles Ziel. Ich glaube, das sieht man jetzt auch an den an den aktuellen Nachrichten, auch dass die Anstrengungen noch deutlich vergrößert werden müssen, um dieses Ziel tatsächlich einfach auch zu realisieren. Insbesondere auch jetzt durch die aktuellen politischen Randbedingungen durch den Krieg in der in der Ukraine und das Thema der Energieversorgung, ist das Thema CO2-Neutralität und Klimaschutz ja noch mal ganz deutlich auch in den Vordergrund gerückt und wird sicherlich auch noch mal positive Wirkungen bei der Zielerreichung haben.

Was man natürlich sagen muss ist, dass die low hanging fruits natürlich schon vielfach auch abgegrast sind. Welches Unternehmen hat nicht schon auf energiesparende LED Technik beispielsweise umgestellt? Die schwierigen Themen kommen noch, insbesondere weil verschiedene technische Prozesse umgestellt werden müssen. Ein gutes Beispiel ist da sicherlich auch die die Herstellung von grünem Stahl, wo die Reduktion dann eben nicht mehr über CO, CO2 Gleichgewicht stattfindet, sondern dann Wasserstoff als Produktionsmittel auch eingesetzt wird. Ich glaube, das ist ein ganz gutes Beispiel, wo man einfach auch sieht, welcher technologischer Aufwand auch betrieben werden muss, um dem Thema CO2 Neutralität einfach auch gerecht zu werden.

Dem Thema nehmen wir uns bei unseren Beteiligungen ganz intensiv auch an. Das Thema Nachhaltigkeit und CO2 Footprint ist auch Teil unserer regelmäßigen Planungsrunden und ist eine Management Komponente, die wir jetzt auch in unserer Strategie auch festgehalten haben, dass Nachhaltigkeit integraler Bestandteil unseres strategischen Handelns letztendlich auch ist.

Peter Heinrich: Da hake ich dann gleich nach. Also gehen wir quasi auf den Parkour der Indus Nachhaltigkeit. Kommen wir zur Indus Nachhaltigkeits-DNA kann man es fast schon nennen. Ich habe die Namen schon mal kurz einfließen lassen. Parkour, so heißt quasi die Nachhaltigkeitsinitiative von Indus. Was bedeutet das Thema Nachhaltigkeit für Indus warum ist es Ihnen so wichtig? Haben Sie so eine Art inneren Antrieb?

Jörn Großmann: Ja. Also vielleicht noch mal zu Parkour vorweg gestellt. Parkour ist unsere Unternehmensstrategie, die wir bis 2025 ausgerichtet haben. Parkour hat letztendlich vier strategische Säulen und diese vierte strategische Säule, die wir jetzt in diesem Jahr neu ergänzt haben, ist das Thema Nachhaltigkeit. Besser gesagt nachhaltig handeln. Und wir wollen damit einfach auch noch mal sehr deutlich sowohl nach innen als auch nach außen zum Ausdruck bringen, dass Nachhaltigkeit für uns eine gleichgewichtete Komponente zu den anderen drei strategischen Säulen ist.

Die lauten nämlich Innovation treiben in produktive und operative Exzellenz umzusetzen und eben auch die Portfolio Struktur zu stärken, das eben auf der gleichen Ebene zu bewegen. Das heißt aber jetzt nicht, dass Nachhaltigkeit und nachhaltig handeln ein Thema ist, was wir jetzt für uns entdeckt haben, sondern letztendlich ist das schon immer in der Indus und in unseren Unternehmen auch auch drin gewesen. Wir können dabei auf ganz viele Initiativen zurückgreifen, die schon sehr früh gestartet haben. Sei es beispielsweise mit CDP, wo wir auch zur Frühphase derjenigen gehört haben, die sich dort engagiert haben. Und deswegen ist es, glaube ich, nur zwangsläufig auch gewesen.

Peter Heinrich: Hätten Sie ein Beispiel dazu, in welcher Form engagiert?

Jörn Großmann: Mit CDP sind wir schon seit 2016 letztendlich initiativ gewesen, um unseren CO2 Footprint zu messen und zu tracken.

Peter Heinrich: Vielleicht noch für die Hörer. Was macht CDP?

Jörn Großmann: CDP ist das Carbon Disclosure Project, wo ich sage mal weltweit eine große Zahl von renommierten Industrieunternehmen daran teilnimmt und die sehr frühphasig sich das Thema CO2 Reduzierung zu ihrem Thema erklärt haben. Ich sage mal, wenn man Dinge verändern möchte, dann kommt es natürlich als erstes mal darauf an, Themen auch zu messen und zu quantifizieren. Und das ist so die erste Stufe, um überhaupt eine Basis zu haben und von da aus ausgehend CO2 Reduzierungen und Energieverbrauchsreduzierungen zu initiieren. Das wird auch noch zusätzlich flankiert durch regelmäßig stattfindende Energy Audits in unseren Unternehmungen, wo ganz konkrete Aktionslisten auch abgeleitet werden und Umsetzungslisten, um eben auch den Energieverbrauch zu reduzieren.

Peter Heinrich: Was sind denn gesetzliche Vorgaben, die Sie als Mittelstand quasi einhalten müssen? Und was sind denn so die freiwilligen Ziele, die Sie erreichen wollen? Hätten Sie vielleicht auch da ein Beispiel?

Jörn Großmann: Also ich sage mal, letztendlich treffen uns alle gesetzlichen Vorgaben, die in dem ganz großen Feld ESG letztendlich auch verankert sind. Das Thema Nachhaltigkeit, wir haben jetzt in der in der bisherigen Diskussion relativ stark auch das Thema CO2 Footprint erst einmal abgehoben. Das ist ja ein sehr viel größeres und weiteres Feld. Wenn Sie da beispielsweise auch unsere Nachhaltigkeits Broschüre auch sehen, Sustain, die wir jetzt vor einigen Wochen in der zweiten Ausgabe veröffentlicht haben. Dann haben wir uns da eben auch sehr bemüht, alle drei Komponenten, also sowohl die sozialen, die Governance Themen, als aber auch die ökonomischen Themen entsprechend auch darzustellen. Sie haben zu Recht nach konkreten Beispielen gefragt.

Bleiben wir mal noch bei den Unterstützungsmöglichkeiten, die wir auf Seiten der Holding haben. Wir haben hier ein Instrument neu geschaffen, in diesem Jahr, die Nachhaltigkeits Förderbank. Es ist so, dass viele der der Nachhaltigkeitsumsetzungen natürlich nicht in den üblichen Amortisationszeiträumen, also typischerweise drei Jahren liegt. Sondern viele dieser Themen haben längere Amortisationszeiträume. Sie müssen aber trotzdem getan werden. Damit diese eben auch durchgeführt werden, unterstützen wir derartige Maßnahmen eben durch finanzielle Zuschüsse für die Unternehmen, wo dann beispielsweise PV Anlagen installiert werden, wo dann beispielsweise auch Wasser Kreisläufe initiiert werden und Kühlkreisläufe die nicht mehr offen sind, sondern geschlossen sind.

Peter Heinrich: Also Sie also als Indus Holding sind sowieso so eine Art Bank für für ihre beteiligten Firmen. Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass Sie so eine Art zusätzliche hausinterne Nachhaltigkeits Bank führen?

Jörn Großmann: Ja, es ist so. Wir haben dieses Instrument schon bei der Strategie Komponente „Innovation treiben“ eingesetzt. Wir haben hier die sogenannte Innovations Förderbank. Mit der Innovations Förderbank gehen wir ganz ähnlich vor. Wir sind davon überzeugt, dass viele gute Ideen in den Unternehmen selber schlummern. Wir wollen allerdings nicht, dass diese nicht umgesetzt werden, weil man das finanzielle Risiko scheut bzw. eben auch die Finanzmittel dazu aus den Unternehmen selber nicht aufbringen kann. Hier unterstützen wir eben auch ganz gezielt, sodass wir bei Innovationsprojekten zwischen 50 % und 80 % des Innovationsbudgets für das jeweilige Projekt, durch die Holding auch beistellen.

Letztendlich ist das eine Übertragung dieses erfolgreichen Instruments auch auf dem Gebiet der der Nachhaltigkeit, wo wir dann eben einen finanziellen Zuschuss zahlen, sodass wir dann im Amortisationszeitraum für die Projekte liegen, die dem üblichen Rahmen letztendlich einfach auch entsprechen. Da haben wir in diesem Jahr schon fünf Projekte erfolgreich umgesetzt bzw. initiiert.

Peter Heinrich: Nennen Sie doch mal ein Beispiel.

Jörn Großmann: Beispiele sind PV Anlagen. Da gehören drei größere PV Anlagen mit dazu, die bei einigen Unternehmen installiert worden sind. Dann gibt es bei der der Vulkan in Hattingen. Das ist eine Gießerei die Edelstahl Strahlmittel herstellt, ist ein sogenanntes adiabatisches Kühlsystem installiert worden, also ein geschlossener Kühlkreislauf. Sodass sowohl der Energieverbrauch als aber auch der Wasserverbrauch, Ressource Wasser ist da ganz entscheidend, reduziert wird. Als weiteres Beispiel bei der Ofa in Bamberg, dem Hersteller von Kompression Strümpfen, die entsprechend auch eingefärbt werden müssen, ist der Dampferzeuger für das Färben, von einem klassischen Öl Dampferzeuger, auf einen Dampferzeuger umgestellt der auf Holzpellets Basis auch arbeitet, was eben auch den CO2 Footprint sehr sehr deutlich nach unten bringt.

Peter Heinrich: Also wir sind jetzt quasi in der Phase wo man Technik ersetzt, wo man Innovationen rein nimmt in die Firmen. Wenn man einen Schritt weitergeht in den nächsten Jahren, vielleicht zehn Jahre, können Firmen also ihre Beteiligungsfirmen, quasi ihre Indus Firmen nur mit nachhaltigen neuen Konzepten zukünftig auch überleben? Sogar vielleicht noch eins draufsetzen, wenn die Firmen vielleicht sogar sich neu erfinden, alte Geschäftsmodelle abschneiden und komplett neue Geschäftsmodelle ins Leben rufen?

Jörn Großmann: Ich bin sehr dankbar für den Hinweis. Natürlich stellt der gesamte Klimawandel, der sicherlich unbestreitbar ist, eine Bedrohung dar. Aber die Bedrohung ist auch immer mit einer großen Chance einfach auch verbunden. Und ich glaube, dass es wichtig ist, allen Beteiligten klar zumachen, diese Chancen einfach auch zu nutzen und die Randbedingungen auch zu akzeptieren. Und da gibt es eben auch eine ganze Reihe von tollen Geschäftsmöglichkeiten. Nehmen wir beispielsweise mal das Thema Wasserstoff. Wasserstoff wird sich als eine wesentliche Energiequelle bzw. auch in der Prozessindustrie, was man nicht vergessen darf als Produktionsmittel, ich hatte eben schon das Thema Kohle/Stahl mal als Stichwort auch genannt, etablieren.

Da besteht natürlich auch für einen Hersteller von entsprechenden Ventilen wie die GSR, die sich bei uns im Portfolio befindet, die Möglichkeit, einen ganz tollen neuen Markt einfach auch anzugehen. Um weitere Beispiele zu bringen, das Thema Mobilität, auch Umstellung auf Elektromobilität ist auch immer mit dem Thema der Batterieerzeugung und der Befüllung von Batteriezellen verbunden. Neue Möglichkeiten auch beispielsweise für eine M Braun in München, die ja mit im Bereich der Glove-Boxen und in Produktion unter Schutzgas-Atmosphäre ein etablierter Spezialist ist. Da gibt es Möglichkeiten. So kann man, glaube ich, an ganz vielen Stellen im Zusammenhang mit dem Thema Nachhaltigkeit Chancen einfach auch sehen, die dann eben auch helfen aus eher klassischen Betrieben, Stichwort Old Economy, den Sprung schaffen in die neue Welt. Das dann auch mit nachhaltigen Produkten, die dann nachher der EU Taxonomie entsprechen, umzusteigen.

Peter Heinrich: Also ein richtiger Riesenschritt nach vorne. Würde aber auch bedeuten, wenn sich eine Firma bei Ihnen nicht nachhaltig entwickeln lässt, Sie würden die dann wahrscheinlich abschneiden?

Jörn Großmann: Wir hoffen natürlich, dass wir ausreichend früh entsprechend Gegensteuerungsmaßnahmen etablieren und dementsprechend den Weg in die Zukunft auch gestalten können. Wir sind da natürlich unserem Dreiklang im Markt einfach auch verpflichtet, der heißt kaufen, halten und entwickeln. Zum Entwickeln gehört eben auch das Reflektieren dazu, ob man noch auf dem richtigen Weg unterwegs ist und muss dann auch frühzeitig Veränderungen im Markt und im Umfeld mitnehmen und entsprechend dann in der Produktionskette auch umsetzen.

Peter Heinrich: Heißt das aber auch in der Zukunft, dass Indus nur noch Firmen kauft, die vielleicht Umwelttechnik anbieten? Hätte zwei Vorteile, Sie arbeiten nur noch mit nachhaltigen Firmen und haben natürlich dann auch genau die richtige Zielgruppe. Also DNA passt, Finanzierung passt und dann auch die Bilanz halt im Gewinn.

Jörn Großmann: Ja, also das ist korrekt, dass wir da einen starken Fokus drauf haben. Wir haben auch im Rahmen von Parkour sehr transparent dargelegt, welche Branchen und Segmente und welche Zukunftsfelder uns interessieren. Da spielt die Umwelttechnik insbesondere eine ganz wichtige Rolle.

Peter Heinrich: Ja noch ein bisschen zu Parkour. Welche Felder sind das, die Sie interessieren?

Jörn Großmann: Also das Thema Umwelttechnik gehört definitiv mit dazu. Dann Eines unserer beiden größten Segmente ist das Segment Bau/Infrastruktur. Hier interessiert uns innovative Bautechnik. Aus meiner Sicht bestehen dort sehr große Marktchancen, insbesondere wenn man sich auch mal die Sektorziele letztendlich im Bereich Gebäude- und Infrastruktur anguckt. Ist ja jetzt im Zusammenhang mit der Energieversorgung ein relativ großes Thema und CO2 neutrale, vielleicht sogar klimapositive Gebäudetechnik zu installieren. Das ist ein Feld, was uns sehr stark interessiert, aber auch weiterhin in klassischen Feldern, in denen wir auch schon stark investiert haben, gerade im Bereich Automatisierungstechnik und Maschinenbau.

Ich glaube, man sieht das auch in unseren jüngsten Akquisitionen beispielsweise noch mal widergespiegelt, wenn man die jüngste Akquisition, die Held Gruppe, auch sieht, die im Bereich der der Laser Technologie und des Laser Processing unterwegs ist. Die stellt hier auch Technologie zur Verfügung, um Wasserstoff Elektroden herzustellen, die dann in Elektrolyseuren verwendet werden. Also auch hier sieht man schon mal wieder Anknüpfungspunkte an das Thema Wasserstoff und Nachhaltigkeit.

Peter Heinrich: Wie unterstützt Indus jetzt ihre Beteiligungen bei diesem Thema? Da haben wir schon ein paar Aspekte jetzt rausgefischt. Diese Podcast Reihe, also dieser Nachhaltigkeits Podcast von Börsenradio ist ja bewusst für Investoren, für Aktionäre, Banken, Analysten, Mitarbeiter der Firmen, Fondsmanager eben alle die wissen wollen, was macht die Indus besonders nachhaltig. Ja und da kommen wir jetzt zu einem ganz wichtigen finanziellen Aspekt. Zur Finanzierung, Sie als Indus sind ja so eine Art Bank für Ihre Beteiligungen, doch Sie müssen sich ja auch finanzieren und da brauchen Sie ja ein Rating. Je nachhaltiger Sie sind, desto günstiger ist quasi Ihr Kredit oder andere Finanzierungsmöglichkeiten. Welches Nachhaltigkeits-Rating haben Sie denn da und wie können Sie sich da gut finanzieren?

Jörn Großmann: Ja, also wir sind hier auch schon seit 2015 im Prime Rating von ISS ESG gelistet und sind hier mit einem C plus Rating auch versehen, was für uns eine wichtige Grundlage für die Finanzierung ist. Insbesondere haben wir schon vor zwei Jahren erstmalig einen grünen Schuldschein letztendlich emittiert. Da sieht man glaube ich die Verbindung relativ deutlich, auf der Finanzierung Seite und in Verbindung mit dem dem Thema Nachhaltigkeit. Dann haben wir das Thema EU-Taxonomie natürlich. Hier gilt es natürlich darzustellen, dass wir Produkte zur Verfügung stellen, die ja der EU-Taxonomie entsprechend, sprich also eine Mithilfe bieten, um das 1,5 Grad Ziel welches in Paris vereinbart worden ist zu realisieren.

Da gehören dann beispielsweise Firmen dazu, wie eine Remko, die Wärmepumpen herstellt. Sicherlich ein sehr, sehr aktuelles Thema, auch mit enormen Nachfrage- und Absatzpotenzialen, die dahinter stehen. Da gehört ein Wirus dazu, die entsprechende Fenster herstellt, die eine besondere Wärmedämmung haben und da gehört eine Obuk beispielsweise mit dazu, die Türfüllungen herstellt, die eben auch entsprechend niedrige Wärmeübergangs Koeffizienten haben. Das sind nur mal drei Beispiele, wie auch das Thema EU-Taxonomie an der Stelle bei uns eingreift.

Peter Heinrich: Und vielleicht noch mal zum Thema Zinssatz. Die Zinsen steigen jetzt allgemein. Wer weiß, was FED und EZB noch vorhaben. Das heißt, wenn Sie jetzt schon richtig nachhaltig unterwegs sind für die Firmen, was haben sie dann für ein Zinsvorteil? Hätten Sie vielleicht ein Beispiel?

Jörn Großmann: Also quantifizieren kann ich das jetzt nicht, allerdings ist die Nachfrage von Analysten- und Investorenseite hinsichtlich nachhaltigem Handel in den letzten Jahren und insbesondere jetzt in jüngster Zeit doch sehr deutlich angestiegen. Das macht sich dann auch beim Thema Finanzierung und Zinsen entsprechend bemerkbar.

Peter Heinrich: Die Indus Nachhaltigkeits-DNA, Sie haben ja berichtet, wo sie hinwollen. Also angenommen das Ziel ist bei 100 Metern. Gestartet sind Sie. Was glauben Sie, bei wie viel Metern sind Sie jetzt schon angekommen?

Jörn Großmann: Ich nehme Ihr Beispiel mal auf. Die Frage ist ja, ob man die 100 Meter mit fliegendem oder mit stehendem Start bewältigt. Ich würde das gerne aufgreifen und sagen ja wir haben hier keinen stehenden Start, sondern wir haben einen fliegenden Start hingelegt. Und das hängt eben auch damit zusammen, dass wir, bevor auch die öffentliche Wahrnehmung in der Größenordnung da gewesen ist, wie es jetzt ist, das Thema schon längst erkannt haben. Ich hatte das Beispiel mit Carbon Footprint und CDP Beteiligung genannt. 2015 Prime Rating ISS und auch die gesamten Vorbereitungen, um jetzt eben auch nachhaltig auch umsetzen und arbeiten zu können.

Insofern würde ich für uns erst mal in Anspruch nehmen, dass wir keinen stehenden Start, sondern einen fliegenden Start gehabt haben und darauf eben auch entsprechend gut aufbauen können. Ich mache allerdings keinen Hehl daraus. Das hatte ich auch eingangs schon gesagt. Die Vorgabe, gerade jetzt vor dem deutschen Klimaschutzgesetz 2045 CO2 null letztendlich auch zu realisieren. Das ist eine eine harte Aufgabe und eine schwierige Aufgabe. Aber wir verfügen über die Unterstützungsmöglichkeiten und auch über die finanziellen Möglichkeiten, eben auch größere Investitionen zu stemmen, um diesem Ziel einfach auch nahe zu kommen. Also insofern, ich glaube, wir haben da einen, nein ich bin davon überzeugt, ich glaube das nicht nur, dass wir da einen guten Start hingelegt haben und gehen mit hoher Geschwindigkeit rein. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Ziele auch erreichen werden. Vielen Dank für die Möglichkeit.

Peter Heinrich: Und eine Frage habe ich natürlich doch noch. Gibt es ein Lieblingsprojekt, ein nachhaltiges bei Ihnen in der Firma, wo Sie sagen das finde ich richtig gut?

Jörn Großmann: Also das ist natürlich so eine Frage, wo man ganz viele Beispiele wieder machen kann. Ich würde aber mal bei uns im Kern anfangen, bei der Holding selber. Es ist halt immer einfach über die Beteiligungen zu reden. Aber ich glaube, was wichtig ist, dass man das auch selber für sich in Anspruch nimmt, sprich für die Holding hier in Bergisch Gladbach. Und was mir da sehr gut gefällt, dass wir hier ganz viele kleine Initiativen gestartet haben, um in unserem eigenen Reich auch mehr Nachhaltigkeit umzusetzen.

Dazu gehört auch, dass wir ab sofort unsere Fahrzeugflotte komplett auf elektrisch, voll elektrisch angetriebene Fahrzeuge auch umstellen. Dazu gehört, dass wir ein umfangreiches Mülltrennungskonzept haben. Dazu gehört, dass Auszubildende der ASS bei uns im Garten ein Insektenhotel auch aufgestellt haben. Also ich finde es sehr schön, wenn man in der direkten, unmittelbaren Umgebung, gerade auch in der in der Leitungszentrale sieht, dass wir das Thema umsetzen und angenommen haben und nicht nur immer mit dem Finger auf die anderen zeigen und da Erwartungshaltungen haben, sondern dass wir selber auch was machen.

Peter Heinrich: Herr Großmann, ich danke Ihnen. Die Nachhaltigkeit im Mittelstand, bei Indus.

Das Interview wurde im original von der Börsenradio Network AG von Vorstand Peter Heinrich geführt.

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