Heidelberger Druckmaschinen AG: Exklusiv-Interview über die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2021/22

Nahezu alle Unternehmen haben dasselbe Problem: Die Lieferketten. Hier verändert sich einiges!

Die Börsen Radio Network AG hat in einem Interview mit dem Finanzvorstand der Heidelberger Druckmaschinen AG gesprochen. Dabei hat CFO Markus Wassenberg einen detaillierten Einblick in die aktuellsten Geschehnisse des Unternehmens gewährt.

Markus Wassenberg: Hallo, mein Name ist Markus Wassenberg. Ich bin der Finanzvorstand vom Heidelberger Druck.

Sebastian Leben: Wir sprechen über Ihre Jahreszahlen 2021/22. In den letzten zwölf Monaten gab es einige Themen, die uns hier alle betroffen haben, zum Beispiel diese Lieferketten Problematik, von der man überall gehört hat. Typischerweise habe ich alle Firmen, zumal alle produzierenden Firmen, gefragt, wie gut sie denn durch diese Schwierigkeiten gekommen sind. Betroffen sind ja nahezu alle. Bei ihnen geht es um Maschinenbau, vor allen Dingen Druckmaschinen. Da gibt es eine Menge Komponenten und Bauteile zu verbauen. Wie war es denn bei Ihnen? Wie war die Lage im abgelaufenen Geschäftsjahr? Und gleich die zweite Frage noch hinterher Wie ist es denn Stand jetzt genau?

Markus Wassenberg: Wir sind wie alle Unternehmen betroffen von dem Thema Lieferketten, die sich neu zusammensetzen, wo wir neu gucken müssen. Wie stellen wir denn die Fähigkeit sicher? Die gute Nachricht ist im letzten Jahr Wir konnten liefern. Die gute Nachricht auch für dieses Jahr ist Momentan können wir weiter liefern. Wir haben die ersten neun Monate des abgelaufenen Jahres eine sehr schöne Umsatzentwicklung gehabt. Wir konnten jederzeit liefern, haben dann im letzten Quartal ein Stück weit eingebüßt, haben zum Ersten Mal nicht ganz so schnell ausliefern können.

Trotzdem haben wir es geschafft, den Umsatz, den wir gemeldet haben, leicht zu übertreffen mit 2,183 Milliarden €. Jetzt ist es so Wir sehen schöne Auftragseingänge nach wie vor, insbesondere aus Europa und Nordamerika. Bisher können wir liefern. Einzige Ausnahme die Elektromobilität. Da ist es aufgrund der Halbleiter ein bisschen schwieriger geworden. Da werden wir vielleicht nicht ganz das Wachstum sehen, wie wir es im letzten Jahr gesehen haben.

Sebastian Leben: Ja, vor allen Dingen China ist ja da als Problem zu nennen. Bis vor kurzem gab es da nach wie vor Lockdown wegen Corona. Inzwischen lockern die zwar, aber es dauert eben etwas, bis sich das alles auflöst. China ist für Sie ein sehr wichtiger Markt. Wie lief das China Geschäft?

Markus Wassenberg: Das China Geschäft im letzten Jahr hat uns überhaupt nicht enttäuscht. Das war ein sehr, sehr schönes Geschäft. Wir haben sehr schöne Umsätze gemacht. Wir haben auch keine Einbußen gehabt. In der Tat haben wir jetzt die acht Wochen Lockdown. Die haben wir natürlich gemerkt im Umsatz, da müssen wir aufholen. Die gute Nachricht ist, wir können das noch aufholen für dieses Jahr. Nur die Service Umsätze, die sind wohl weg, weil wir natürlich da nicht zum Kunden gekommen sind in den Regionen, die da vom Lockdown betroffen waren. Aber ansonsten China ein großer Faktor für uns, ist gut gelaufen.

Sebastian Leben: Ja, und das andere große Thema, das hinzugekommen ist, ist der russische Krieg in der Ukraine. Im Geschäftsbericht schreiben Sie Die humanitären Folgen der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine erschüttern uns. Die Folgen des Krieges sind noch nicht absehbar, machen sich aber bereits im Zulieferer Markt stark negativ bemerkbar. Wir erleben teils erhebliche Preiserhöhungen und fortgesetzte Lieferengpässe unserer Lieferanten. Da habe ich mich gefragt: Wo betrifft Sie der Krieg denn direkt oder indirekt?

Markus Wassenberg: Naja, zunächst mal haben wir Menschen, die für uns arbeiten, in beiden Ländern. Wir haben 90 Mitarbeiter, etwa in Russland. Wir haben um die 20 Mitarbeiter in der Ukraine, und für die ist das ganz furchtbar. Die einen wollten sicher den Krieg so wenig wie die anderen. Die einen sind sozusagen auf der Flucht, wenige von denen kämpfen. Das sind die Ukrainer, die in Russland sind, genauso betroffen von den Folgewirkungen dieser Situation. Das ist der erste wichtige Punkt. Der zweite wichtige Punkt ist, dass wir in dem vergangenen Geschäftsjahr anders als viele andere Unternehmen uns zu diesem Problem stellen mussten, auch mit dem Wirtschaftsprüfer diskutiert haben.

Wie gehen wir damit um? Und wir sind ja in einer besonderen Situation, in einer besonderen Embargo Situation. Wir dürfen halt im Wesentlichen keine Maschinen mehr liefern, wir dürfen keine Ersatzteile mehr liefern. Wir können auch keine Computerbild mehr liefern. Mit denen haben wir das Russland Geschäft im letzten Abschluss abgeschrieben und das bedeutet, dass wir das EBITDA das ist ja die einzige Kennzahl, die wir sozusagen nicht übertroffen haben, sondern da sind wir genau in der guidance geblieben und das ist genau dieser Russland Effekt. Ansonsten wären wir sogar noch besser gewesen im EBITDA, in der Marge. Und das ist dann der nächste Punkt.

Und der dritte Punkt, der uns betrifft, ist natürlich bei den Rohmaterialien, die auf der ganzen Welt nach oben gegangen sind. Wir gehen davon aus, dass wir diese Preisentwicklungen, die uns betreffen, wie jedes andere Unternehmen, mitigieren müssen. Wir gehen davon aus, dass es eventuell auch zu Verknappungen kommt. Wir können es im Moment, wie schon gesagt managen, aber die Preiserhöhungen, die wir da gesehen haben, die spüren wir jetzt.

Und die Frage wird sein Können wir die eins zu eins so weitergeben? Wir arbeiten daran, wir haben eine Preiserhöhung sozusagen schon gemacht. Wir werden uns noch mal angucken, wie wir mit der nochmaligen Preiserhöhung umgehen, die wir auf der Rohstoff Seite gesehen haben und natürlich auch bei den Energiekosten. Und das wird man wahrscheinlich dann auch in unseren Absatz preisen merken.

Sebastian Leben: Beide Themen, die wir jetzt besprochen haben, also China und Krieg in der Ukraine, haben ja teilweise zu Stillstand gesorgt. Wir haben die Lieferketten jetzt schon angesprochen und das führt auch bei vielen zu hohen Auftragsbeständen. Sie haben die Aufträge schon angesprochen? Normalerweise ist das ja eine gute Nachricht. Aber wenn es den Lieferketten geschuldet ist, dann können es manchmal auch aufgesparte Aufträge sein, so wie es vielleicht mal sagen, also angesammelte Aufträge, weil man eben nicht in der Lage war, das so abzuarbeiten wie man sich das vorstellt oder wie man sich das vorgenommen hat. Bei Ihnen liegt der Auftragsbestand bei 901 Millionen Euro, plus 42 % deutliches plus, Auftragseingang plus 23. Also man sieht, es kommt auch nach wie vor weiter was rein. Wie gut können Sie denn solche Aufträge abarbeiten oder sind auch bei Ihnen dieses Plus 42 % zum Teil angespart?

Markus Wassenberg: Das ist eine wirklich gute Frage, die Sie da gestellt haben. Und meine Antwort ist immer Unsere Aufträge sind reelle Aufträge. Warum sage ich das so? Wir haben ja oft in dieser Lieferketten Situation eine Situation, dass man sich Quoten sichern will und über die Quoten dann bei seinen Lieferanten sozusagen die auf die output größe erhöht. Nach dem Motto wenn ich viel bestelle davon eine Quote kriege, dann bin ich besser dran, als wenn ich weniger bestelle. Das funktioniert ja bei uns nicht.

Das funktioniert bei uns nicht, weil wir wie alle im Maschinenbau ja von Anzahlungen leben. Das heißt, der Kunde, der hier eine Maschine bestellt, der muss anzahlen, der hat bis zu 95 % bis zur Auslieferung dann auch schon bezahlt. Und dann bekommt er eben auch seine Maschine erst, wenn diese Anzahlungen im Haus sind. Mit anderen Worten diese Orders, da wird er sich dran festhalten müssen, wir auf der anderen Seite natürlich auch. Und das bedeutet, dass wir große Anstrengungen unternehmen, lieferfähig zu sein. Ich sagte ja eben schon, das gelingt uns im Moment noch sehr gut.

Wir haben eine tiefe Wertschöpfung, davon profitieren wir. Wir haben auch in der Covidkrise, auch unter eigenem Stress, wir waren ja auch in der Transformation die Lieferanten alle gut behandelt, frühzeitig bezahlt, nie da, sozusagen auf Kosten der Lieferanten gewirtschaftet. Und das jetzt wiederum merkt man in der Krise, die behandeln uns gut. Und natürlich, wir müssen manchmal auch eben höhere Preise bezahlen, weil wir über Broker gehen müssen, um uns die entsprechenden Mengen zu sichern. Aber die gute Nachricht ist Dieser Auftragsbestand, das ist der höchste seit Dekaden, das ist ein All-time-high, weil der ist real, weil er durch Anzahlungen gedeckt ist.

Und momentan, und ich betone momentan, weil es natürlich wirklich Wochen, wöchentliches Managen ist, können wir liefern im Bereich des Kerngeschäfts. Ein bisschen anders bei der Elektromobilität mit den Halbleitern, was ein bisschen schwieriger und insofern profitieren wir davon. Das macht uns ein bisschen widerstandsfähiger in dieser etwas schwierigen Situation. Und wir gehen davon aus, dass wir den Umsatz auch so sehen werden, wie wir ihn begleitet haben. Mit 2,3 Milliarden.

Sebastian Leben: Ja, sprechen wir über den Umsatz. Sie hatten jetzt schon mehrfach gestiegene Preise angesprochen. Wir haben schon letzten Sommer zu den Q1 Zahlen über steigende Preise gesprochen. Da hatten sie gesagt, sie können solche Preisanstiege ganz gut weitergeben. Jetzt habe ich gesehen, Ihr Umsatz ist im Gesamtjahr um 14 % gestiegen auf 2,18 Milliarden €. Wie viel Umsatzplus kommt denn aus Preissteigerungen? Inflation ist ja auch so ein Thema, was uns alle betrifft, worüber in den letzten zwölf Monaten und gerade in den letzten paar Monaten sehr viel gesprochen wurde. Preissteigerungen können Sie nach wie vor gut weitergeben an die Kunden.

Markus Wassenberg: Davon gehen wir im Moment aus. Wir sehen etwa so Preissteigerungen bei den Materialkosten von 30 Millionen im nächsten Jahr. Wir gehen davon aus, dass wir die durch entsprechende Preissteigerungen weitergeben können. Wir haben jetzt schon einen Auftragsbestand mit einer deutlich höheren Preis Qualität im Vergleich zum Vorjahr etwa 4,95 % in dieser Größenordnung. Und wir gehen davon aus, dass wir es nochmals schaffen werden, diese Material Preiserhöhungen weiter zu wälzen an unsere Kunden. Ich glaube, das ist auch sozusagen jedem einsichtig, dass man das in der Situation machen muss. Das machen unsere Kunden genauso.

Sebastian Leben: Okay, also auch in Zukunft sollen Preise weiter angehoben werden bei weiter steigenden Preisen. Und die Kunden aus Ihrer Sicht nehmen das auch gut an?

Markus Wassenberg: Im Moment denke ich ja. Man muss das natürlich im Auge behalten. Irgendwann kommt sicherlich ein Punkt, wo man vorsichtig sein muss. Aber ich glaube, im Moment sind wir alle noch. Auch dadurch, dass eben Rezession noch nicht sozusagen am Horizont ist, noch in der Situation, wo wir sagen, okay, und ich glaube auch, die Kunden bestellen jetzt, weil sie eben Preiserhöhungen erwarten und werden sozusagen deshalb auch noch abnehmen.

Sebastian Leben: Kurzer Blick zurück Sie hatten sich in der Vergangenheit von Verlustbringern getrennt, dem Produkt Mix verbessert, die Kostenstruktur verbessert. Da hatten wir in den letzten Interviews schon drüber gesprochen. Das sieht man jetzt auch an Ihrem Gewinn 160 Millionen Euro EBITDA plus 68 %, auch unter dem Strich ein Plus. Im Vorjahr war es noch Verlust. Die Maßnahmen waren also erfolgreich. Das kann man als Fazit zu erkennen.

Markus Wassenberg: Oder die Maßnahmen waren erfolgreich. Und ich würde sogar sagen, wir waren ein Stück weit erfolgreicher, als wir es geplant haben. Wir hatten ja ursprünglich mit einer schwarzen Null gerechnet, also einen leicht moderaten Gewinn. Wir sind ja jetzt mit 33 Millionen nach Steuerersparnis deutlich besser aufgestellt. Wir haben sozusagen im Kostenabbau deutlich besser gewirtschaftet, eigentlich die Erwartungen übererfüllt. Sie sehen es auch daran? Ich hatte ja dem Kapitalmarkt gesagt, 1.600 FDE werden abgebaut innerhalb von drei Jahren.

Wir haben jetzt innerhalb von zwei Jahren 1500 FDE abgebaut. Jetzt kommen noch so ein bisschen mehr als 450 in diesem Jahr finanziell 23 hinzu. Insofern Daran sehen Sie schon, dass wir in der Kostenstruktur deutlich besser unterwegs sind. Die bessere Auslastung ist dann ein weiteres. Der Abbau der Finanzverbindlichkeiten ist dann der letzte Meilenstein sozusagen. Und daran sehen Sie, warum da unter dem Strich deutlich mehr rauskommt, als wir noch am Anfang des. Geglaubt hat.

Sebastian Leben: Wichtig im Umfeld potenziell steigender Zinsen vielleicht ganz kurz für die Hörer Während wir sprechen, wissen wir noch nicht, was die EZB beschließt. Aber wir haben ein Umfeld steigender Zinsen. Ich glaube, so viel kann man an der Stelle auch festhalten. Und wichtig im Umfeld steigender Zinsen ist Sie haben die Verschuldung abgebaut. Vor zwei Jahren waren es noch etwa 400 Millionen €, jetzt sind sie netto schuldenfrei. Das ist wohl Ihnen auch wichtig. Sie erwähnen das im Geschäftsbericht ganz deutlich.

Markus Wassenberg: Natürlich, das ist in der Krise brauchst du Cash, in der Krise willst du keine Kredite haben. Insofern ist das ein ganz wichtiger Baustein. Es war aber auch sozusagen vor zweieinhalb Jahren einer der eines der großen Ziele, das ich ja kommuniziert habe, dass Bilanzbild in Ordnung bringen. Und ich bin ganz stolz darauf, dass wir das so gut und so schnell geschafft haben.

Sebastian Leben: Und noch ein Ziel wurde klar kommuniziert 10 % EBITDA Marge als Ziel. Wenn ich richtig verstanden habe, nächstes Jahr soll das erreicht werden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr waren es 7,3 % EBITDA Marge, im Vorjahr fünf. Also wenn Sie noch mal so eine Steigerung schaffen wie im letzten Jahr, dann haben Sie es nächstes Jahr erreicht. Aber Sie können ja nicht schon wieder so ein Maßnahmen Programm mit Streichungen und Einsparungen wie in der Vergangenheit an den Tag legen. Also wie wollen Sie diese 10 % erreichen?

Markus Wassenberg: Die 10 % wie die waren sozusagen Ausfluss dieses drei Jahres Programms, das wir da installiert haben. Und ich hätte noch im Februar und auch Anfang März gesagt, wir haben das sozusagen über die Kostensenkungen und das Umsatzwachstum mit dem entsprechenden Preisanstieg gut im Griff. Man muss ja wirklich wissen, wir haben ja deutlich mehr Menschen auch abgebaut als erwartet. Wir sind in der Elektromobilität organisch gewachsen, wir sind da profitabel. Wir haben sozusagen in allen Kernbereichen wirklich gut gewirtschaftet.

Und ich hatte eigentlich in meiner Planung kein weiteres Feld. Insofern waren diese 10 % eigentlich nur Ausfluss der Transformation und der Erreichten oder der Fortschreibung der der Zielerreichung, die wir bis dahin gemacht haben und der unterschriebenen Altersteilzeit Verträge, die wir ja schon einpreisen können, weil sie eben wie gesagt alle unterschrieben sind. Jetzt kommt der Krieg hinzu und jetzt sind wir ein bisschen vorsichtiger und sagen Na ja, wir wollen die 10 % nicht aufgeben, aber wir legen uns dahin, wo der Markt uns auch sieht. Der Markt sieht uns im Moment irgendwo zwischen 8 und 8,5 % EBITDA und wir sagen im Moment, wir sind mal vorsichtig und sehen das auch so, wir wissen nicht, was an Preiserhöhungen sozusagen kommt, wir wissen nicht, wie lange der Ukrainekonflikt kommt, wir wissen nicht, was auf der anderen Seite China in der Politik macht.

Wir sehen halt, im Moment können wir liefern, wir sehen, im Moment kriegen wir es gemanaged, aber wir wissen nicht, wie lange das geht. Insofern sind wir ein bisschen vorsichtiger und sagen: Na ja, wenn wir unter den Voraussetzungen in dieser Range bleiben, ist das gut. Aber pflegen Vanilla, ist das das Ziel? Es ist nicht aufgehoben, es wird weiter verfolgt. Ich weiß aber nicht, ob das dieses Jahr hinkriegen und insofern haben wir die ganze ein bisschen runter angepasst auf die Markt Erwartung.

Sebastian Leben: Sprechen wir noch kurz über Ihr Geschäft. Dazu hieß es im Geschäftsbericht Mit dem Blick in die Zukunft konzentrieren wir uns im Kerngeschäft auf den Ausbau unserer Marktposition. Wir treiben die Digitalisierung und Automatisierung sämtlicher Druckerei Prozesse voran, um die Produktivität unserer Kunden zu steigern und so ihre Kosten zu senken. Wie also sieht das aus? Sind da Investitionen notwendig? Geht es da eher um Innovation, Vertrieb, Marketing? Also was steht an?

Markus Wassenberg: Wir sind sozusagen immer noch sehr moderat positiv unterwegs mit unserer Antikquote von 5 %. Daran werden wir auch nichts ändern. Ich glaube, wir sagen sehr deutlich der Druck, bei unseren Kunden produktiver zu sein, der Druck, bei unseren Kunden Fachkräfte zu finden, der wird, der wird anhalten. Und deshalb ist es wichtig, dass wir ihnen helfen, durch die Vernetzung des Drucksaals, durch die entsprechende Kompetenz, die wir da mitbringen, auch natürlich durch das recurring Revenue Modell, sie verkürzen, die wir bieten.

Das sind alles diese Dinge und die führen dazu, das ist jetzt keine Strategie, Änderung, sondern das ist die Fortschreibung der bisherigen gewählten, erfolgreichen Strategie. Und das hilft. Wir adressieren im Wesentlichen eben Kosten und Wettbewerbsdruck, den Fachkräftemangel durch produktive Maschinen und Prozesse und Beratung und Subskription und die Automatisierung. Das sind die Dinge, die wir in den letzten Jahren gemacht haben und die wir weiter machen.

Sebastian Leben: Und da will ich diesen Wallbox Bereich, diesen E Mobility Bereich trotzdem auch noch mal gesondert ansprechen. Da haben wir auch schon oft drüber gesprochen. Ist ein Wachstums Segment bei Ihnen allerdings ein kleines Segment natürlich. Allerdings wächst es deutlich. Sie sind in Deutschland schon einer der führenden Anbieter für private Ladestationen. Aber Sie haben auch angesprochen, dass gerade da sich so ein Chip Mangel dann doch etwas deutlicher durchschlägt. Also wie ist die Lage im Wallbox im E-Mobility Bereich und was für ein Potenzial sehen Sie darin?

Markus Wassenberg: Erst mal macht die Wallbox uns sehr viel Freude und die Elektromobilität. Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr unseren Umsatz um mehr als 123 % gesteigert auf rund 50 Millionen € mit einer wirklich schönen operativen Marge. Wir haben 130.000 Einheiten verkauft, sind damit, wie Sie sagen, einer der großen Lieferanten in diesem Bereich. Man muss natürlich sagen, so eine Wachstumsrate von über 100 %, die kann man nicht jedes Jahr machen, die kann man auch nicht machen, wenn vor allen Dingen wichtige Bauteile nicht so kommen, wie man das plant.

Das ist für uns in der Tat gerade das größte Problem. Wir haben aber immer noch einen guten Auftragsbestand und der Trend, der da zugrunde liegt, auch gerade durch die Entscheidung der EU gestern, der ist ja anhaltend stark. Mit anderen Worten Wir werden weiterhin Wachstum sehen. Wir rechnen eigentlich mit einem Träger von 30 %. Ob wir diese 30 % in diesem Jahr sehen werden, weniger oder mehr, das wissen wir nicht. Wir erwarten leichtes Wachstum. In welcher Größenordnung, das hängt jetzt wirklich davon ab, wie wir diese Krise sozusagen, wie die sich entwickelt, wie wir dagegen arbeiten können.

Da sind wir ein bisschen vorsichtiger, aber es ist ein großer Trend. Es ist für uns ein wichtiges Feld. Es ist für uns auch ein wichtiges Feld für den Arbeitsmarkt, weil wir da viele junge Talente ansprechen können. Insofern Ja. Bezogen auf den Gesamtumsatz ist es noch nicht groß. Für die Aktie ist es in der Tat schon ein wichtiger Bewertungs Faktor und das ist für uns intern auch ein erster Leuchtturm für Dinge, die wir machen können und von denen wir hoffentlich noch mehr machen werden.

Sebastian Leben: Bleibt zum Schluss eigentlich nur noch der Blick voraus. Wir haben ja vieles, was in Zukunft ansteht, schon angesprochen. Unter anderem diese ganzen Unsicherheiten, die natürlich eine Planung sehr schwierig machen. Wie gut können Sie denn planen und was erwarten Sie fürs neue Geschäftsjahr 2022/23?

Markus Wassenberg: Ich glaube, wir können so gut sein wie alle anderen auch. Im Großen und Ganzen geht es um die Fragestellungen Wie sind die großen politischen Entwicklungen? Wie sind die großen Entwicklungen im Bereich von Covid? Wie zeichnet sich da die chinesische Politik ab? Wie ist sozusagen für Sie die Verbindung von Wirtschaft auf der einen Seite und Gesundheitspolitik auf der anderen Seite? Das sind Dinge, die wir wie jedes andere Unternehmen auch sozusagen monatlich verfolgen, wo wir uns monatlich überlegen, wie können wir damit mitigieren?

Es ist sicherlich eine andere Planung und eine andere Planungsintensität als wir, die die ganzen Jahre zuvor hatten. Wir machen hier rotierende Planungen, wir gucken uns alternative Szenarien an, um Gegenmaßnahmen zu verordnen, um eben das, was wir dem Markt versprochen haben die 2,3 Milliarden, die mindestens 8 % EBITDA Marge auch zu holen. Wir werden wahrscheinlich dann entsprechend nicht ganz die Ziele erreichen mit 100 Millionen nach Steuer, Gewinn und einem ähnlichen Cashflow. Da werden wir vielleicht ein bisschen Abstriche machen müssen, wenn die 8 % da kommen. Aber das wird man dann sehen. Wichtig ist, dass wir in der Lage sind, flexibel zu reagieren. Und damit sozusagen planen wir, dass wir solche Modelle haben und dann schnell reagieren können.

Sebastian Leben: Dann wünsche ich Ihnen aber erst mal viel Erfolg und wir bleiben natürlich am Ball und schauen, wie es gelaufen ist. Herr Wassenberg, vielen Dank.

Markus Wassenberg: Vielen Dank.

Outro: Börsen, Radio Network AG, Jahreszahlen.

Das Interview wurde im original auf Börsenradio.de von Redakteur Sebastian Leben geführt.

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