Groaning or roaring twenties – Wohin geht der Aktienmarkt

1516

Wer an die Goldenen Zwanziger des letzten Jahrhunderts denkt, dem fallen womöglich zunächst Aktienboom, Verschwendungssucht und The Great Gatsby als Synonyme dieser Ära ein.

In Europa gehemmt durch das damals noch bestehende Festhalten am Goldstandard[1], spielte die Musik in den USA am lautesten. Doch wer hatte einhundert Jahre nach dem glitzernden Jahrzehnt noch im Sinn, dass dieser bunten Phase eine verheerende Grippewelle vorausgegangen war.

Der ausgelassene Konsum, die glitzernde Mode, die Parties, der Aktienboom, … all dies folgte auf eine tödliche Pandemie mit geschätzt 20-50 Millionen Toten. So stellt sich die Frage, ob sich die Geschichte der Zwanzigerjahre mit einer ähnlichen Pandemie-Ausgangslage einhundert Jahre später wiederholt oder weniger golden wird.

Das Imperial College London zeigte schon im März 2020 in mehreren Modellen[2], dass bei Umsetzung von halbherzigen Maßnahmen eine zweite Welle ab November 2020 folgen wird.

Zahlreich wurde nicht nur von Forschern und Wissenschaftlern darauf hingewiesen, dass in der Ausbreitung der Spanischen Grippe ab 1914 die auf die erste Welle folgende, zweite Ausbreitungswelle, die deutlich fatalere war.

Nichtsdestotrotz haben europäische Politiker mit Durchhalteparolen im Stil von „Die Wunderwaffe kommt“ die aufgezeigte Realität ignoriert und Forscher für dumm erklärt. Das MIT stellte dies ahnend deshalb schon im Mai 2020[3] die Frage:

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Tesla?

„Wie viel ist ein gerettetes Menschenleben wert?“

In Europa wurde die Frage klar beantwortet: Nicht so viel, als dass die Wirtschaft all zu viel Schaden nimmt. Infolgedessen wurden Läden und Schulen entgegen jeder Vernunft so lange offengehalten, wie es nur irgendwie zu vertreten war, gleichzeitig die Wirtschaft aber mit einer hochgesteigerten Wiederauflage der Rettungsprogramme von 2008/09 gestützt.

1920 ließ die Welt nach einer verheerenden Grippewelle endlich die Pandemie hinter sich. Das Ergebnis war ein beispielloser Boom in allen Bereichen der Gesellschaft. Die goldenen Zwanzigerjahre sind bis heute symbolisch für Überfluss und Völlerei. Aktien stiegen in ungeahnte Höhe. Firmenkonglomerate wurden erschaffen.

Vieles spricht dafür, dass dieser Teil der Geschichte sich wiederholen wird. Die Parallelen sind unübersehbar: Sparer halten –wie häufig in Krisen – krampfartig an ihrer Liquidität fest[4].

Während in Frankreich und Italien Privatpersonen Milliarden zusätzlicher Liquidität auf ihrem Bankkonto horten, haben Deutsche zwischen Januar und Mai 2020 fast €40 Milliarden Bargeld abgehoben; ein Verhalten, das schon 2008 von der Deutschen Bundesbank berichtet wurde.

Neigt sich die Pandemie dem Ende zu, wird sich diese Liquidität im Markt entladen. Gekauft werden sicherlich nicht nur Konsumprodukte, sondern auch langfristige Anlagen wie Aktien. Die in den USA populäre Aktien-App „Robin Hood“ wird längst dafür verantwortlich gemacht, Aktien irrational in die Höhe schießen zu lassen[5].

Entlädt sich diese geballte Konsumentenliquidität in den Markt, und ist die Unsicherheit aus der Pandemie emotional beseitigt, ist ein weiterer Boom am Aktienmarkt mehr als wahrscheinlich.

Finanzminister Olaf Scholz hat bereits im September 2020 die Schuldenbremse auch für das kommende Jahr ausgesetzt, für das vergangene Jahr wurden €218 Milliarden an Schulden aufgenommen[6]. Nicht nur im Verhältnis zum Gesamthaushalt von €509 Milliarden eine beachtliche Summe.

Das wäre, als würde ein Unternehmen fast die Hälfte seines Jahresumsatzes an neuen Krediten aufnehmen. Viel wichtiger sind neben der reinen Liquidität des Bundes jedoch die übernommenen Garantien bei der staatlichen KfW Group. Wie wir auf Nachfrage der FDP-Bundestagsfraktion[7] erfahren, haben sich diese just von rund €465 Milliarden auf €821 Milliarden erhöht.

Dieser Garantierahmen steht Unternehmen und Privatpersonen über die diversen KfW-Programme abrufbereit zur Verfügung. Darüber hinaus setzt die Europäische Zentralbank ihre Anleihenankäufe weiter um und investiert €1.8 Billionen im Rahmen von PEPP[8].

Es ist bekannt, dass dies nach wie vor Rettungsprogramme sind, die lediglich Insolvenzen verhindern. Um die europäische und deutsche Wirtschaft nach der Grippewelle wieder anzustoßen, bedarf es nochmals weiterer Liquidität. Der Wirtschaftsmotor braucht dann frischen Treibstoff um wieder zu starten, und sein Benzin ist Geld.

Vieles spricht dafür, dass sobald sich die Konsumentenaussichten verbessern, beliebte Aktienindexe und Einzelwerte nochmals enorm steigen werden. Das durchschnittliche KGV des NASDAQ liegt heute nach wie vor bei schmalen 23[9]. Das ist weit entfernt von der Technologiewertblase im Jahr 1999, als der NASDAQ KGV bei unbegreiflichen 189 lag[10]. Vieles spricht also dafür, dass der Aktienmarkt heute ähnlich wie kurz vor Ende der Pandemie 1920 in den kommenden Monaten einen idealen Einstiegspunkt bietet.

Das fulminante Ende der Goldenen Zwanziger muss im Hinterkopf bleiben. Nach der Party kommt bekanntlich der Hangover. 1929 stand sogar Winston Churchill, sicherlich mit einem großen Wissensvorsprung gegenüber dem privaten Anleger gesegnet, vor den Scherben seines verlorenen Vermögens[11]. Das heißt jedoch nicht, dass vorauseilende Panik angebracht ist. Der gute Anleger nimmt seine Gewinne zwischendurch mit, anders als Winston Churchill. Geschichte wiederholt sich, zumeist unbemerkt, ungewollt und unbeholfen, ohne die Vergangenheit reflektiert bewertet zu haben.

Gratis PDF-Report zu Tesla sichern: Hier kostenlos herunterladen

In der hektischen Gegenwart Zusammenhänge und historische Interaktionen wahrzunehmen, ist schwierig. Dennoch ist es häufig hilfreich, einen Schritt zurück zu treten, und sich die Muse für eine Gesamtbewertung der Vorgänge zu nehmen; und für sich selbst Gewinnchancen und einmalige Gelegenheiten im Chaos zu entdecken.

[1] https://www.ft.com/content/3f3fd905-92a4-4361-ba4d-11bf222b2c33
[2] https://spiral.imperial.ac.uk:8443/handle/10044/1/77482
[3] https://www.technologyreview.com/magazines/the-coronavirus-issue/
[4] https://www.ft.com/content/ccccaed4-d82c-4856-963d-5197878fdd0d
[5] https://www.cnbc.com/2020/06/17/robinhood-drives-retail-trading-renaissance-during-markets-wild-ride.html
[6]https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2020/06/2020-06-17-Nachtrag-HH.html
[7] https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/204/1920416.pdf
[8]https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2020/html/ecb.mp201210~8c2778b843.en.html
[9] https://www.macrotrends.net/stocks/charts/NDAQ/nasdaq/pe-ratio
[10] http://blogs.reuters.com/data-dive/2015/03/11/nasdaq-looks-different-15-years-after-its-peak-then-and-now/
[11] https://money.cnn.com/2015/09/16/pf/winston-churchill-money-finances-book/

Sollten Tesla Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg?

Wie wird sich Tesla jetzt weiter entwickeln? Ist Ihr Geld in dieser Aktie sicher? Die Antworten auf diese Fragen und warum Sie jetzt handeln müssen, erfahren Sie in der aktuellen Analyse zur Tesla Aktie.



Tesla Forum

0 Beiträge
Das hoch wirst du die nächste 12 monate sicher nicht mehr sehen. Reagiert nicht mal mehr auf 3% plus
0 Beiträge
"Aber kläre uns bitte darüber auf wie Deiner Ansicht nach der zwei Tage lange Produktionstop letzten
0 Beiträge
Ja ich bin auch total unzufrieden dass sich die Aktien nur versechsfacht hat. Das ist ganz klar das
5305 Anleger erhalten Nachrichten und Analysen zu Tesla per E-Mail

Die auf finanztrends.de angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.de veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. finanztrends.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrendsw.info und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.de an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.de und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)