Google und Facebook mit Problemen im Werbegeschäft

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Es rumort im Markt mit den automatisch erfassten Benutzerdaten. Mit der Einführung der General Data Protection Regulation (GDPR) wurde 2018 in Europa eine Zäsur in zahlreicher Hinsicht gesetzt. Häufig von Unternehmen gefürchtet, zeichnet sie sich im Nachhinein doch als wegweisend aus. Neue Regulierungen sind immer ein zweischneidiges Schwert: Gefahr für die einen, die sich nicht anpassen können oder wollen, Chance für die anderen.

Was steht auf dem Spiel

Der globale Werbemarkt wird für 2026 – bereits bereinigt um die Umsatzeinbrüche durch COVID-19 – mit etwa $ 665 bn taxiert[1]. 

Das ist fast so viel wie der globale Smartphone-Markt[2] heute schon. Die größten Spieler in diesem Bereich sind die üblichen Verdächtigen aus dem Silicon Valley. Jahrzehnte lang konnten sie sich über ihre Werbeeinnahmen unbeeindruckt von jeder Wirtschaftskrise Milliardengewinne sichern.

Das Geschäftsmodell ist einfach: Benutzer verwenden Facebook kostenlos und geben dabei eine Menge von sich Preis. In nahezu jedem Onlineshop der Welt sind Like-Buttons und Google-Tags eingebaut. Die Konzerne wissen in Folge das gesamte Surf- und Kaufverhalten ihrer Nutzer nachzubilden.

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Wer viel Kosmetik kauft, erhält daraufhin wahrscheinlich weitere Kosmetikwerbung. Ermöglicht wird dies durch die lückenlose Nachverfolgung über alle Websites hinweg.

Durch die europäische GDPR war es z.B. schon nicht mehr möglich, dass europäische Firmen ihre Kundendaten bei Facebook hochladen, um im Austausch dafür Zielgruppen mit ähnlichen Kunden zu erhalten. Für viele Onlineshops damals ein Schock. 2020 führte Apple in seinem Browser Safari eine automatische Funktion ein, die seitenübergreifendes Tracking blockiert.

Ein Schlag ins Gesicht für andere Technologiefirmen. Mit der neuen iOS 14 Version sollen künftig auch auf dem iPhone keine Trackingdaten mehr an Google und Facebook übergeben werden[3].

Ein weiterer Rückschlag für diese Firmen. Zu guter Letzt hat vor wenigen Tagen auch noch Google angekündigt, kein Nutzerverhalten in seinem Browser Chrome mehr nachzuverfolgen[4]. Es wird eng auf dem globalen Markt mit den Bewegungsdaten von Nutzern. Die Richtung ist klar: Der Handel mit Nutzerdaten wird mehr und mehr beschränkt.

Was das für Facebook und Google bedeutet

Facebooks Geschäftsmodell wird fundamental untergraben durch die Aktionen von Apple und auch Google. Ein eigenes Smartphone, auf dem er beliebig das Kaufverhalten der Nutzer nachverfolgen kann, bietet Mark Zuckerberg nicht an. Seine Hoffnung soll künftig die hauseigene Virtual-Reality-Brille sein, die bald nur mit einem Facebook-Account funktioniert[5].

Hier ist dann eine Nutzerverfolgung weiter möglich. Es gibt die Aussicht, dass VR-Geräte der nächste, große Hardwaretrend nach Smartphones werden. Aber noch ist es nicht so weit. Android erlaubt das stufenlose Verfolgen seiner Nutzer nach wie vor, es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis man dem Vorbild Apples einer Beschränkung folgen wird.

Apple lehnt sich derweil entspannt zurück und kann sich als Datenschützer par excellence präsentieren. Das eigene Werbegeschäft ist überschaubar, man kann sich erlauben, Facebook frontal anzugreifen. Facebook kontert unter anderem mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen[6].

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Die Angriffe auf das Geschäftsmodell von Facebook und Google werden aber nicht die letzten sein. Die Herangehensweise, für den Nutzer kostenlose Plattformen anzubieten, die dafür im Gegenzug eine nie dagewesene Nachverfolgung jedes einzelnen Schritts vornehmen, wird mehr und mehr hinterfragt werden. Und damit auch deren Aktienkurse. Wenn ich im Kampf Goliath vs. Goliath[7] setzen sollte, würde ich auf Goliath wetten.

[1] https://www.globenewswire.com/fr/news-release/2020/12/08/2141214/0/en/Global-664-7-Billion-Digital-Advertising-Market-to-2026-by-Digital-Display-Ad-Internet-Paid-Search-Ad-Social-Media-Ad-Online-Video-Ad-Markets.html
[2] https://www.finanztrends.de/das-apple-auto-der-naechste-kurstreiber/
[3] https://www.forbes.com/sites/kateoflahertyuk/2020/06/25/apple-ios-14-is-facebook-and-googles-worst-nightmare-coming-true/
[4] https://amp2-handelsblatt-com.cdn.ampproject.org/c/s/amp2.handelsblatt.com/technik/it-tk/datenschutz-google-will-cookie-tracking-abschaffen-eine-alternative-steht-aber-bereit/26971626.html
[5] https://www.theverge.com/2020/8/19/21375118/oculus-facebook-account-login-data-privacy-controversy-developers-competition
[6] https://www.theverge.com/2020/12/16/22178068/facebook-apple-newspaper-ads-ios-privacy-changes
[7] https://www.nytimes.com/2020/12/19/opinion/facebook-apple-privacy.html

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Casual  Egal 08. Apr
Egal was die News sagen. Bei der aktuellen Bewertung und dem enormen Cash Flow für mich weiterhin di
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Wieso sollte er jede Regelung, die sich eine Regierung ausdenkt, denn mitmachen? Insbesondere dann,
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