Gazprom: Weiter im Abwärtsstrudel!

Die Sorgen um die Gasversorgung in Europa belasten nicht nur die hiesigen Märkte. Auch Gazrpom gerät an der Börse in Moskau zunehmend unter Druck.

Zu Beginn der neuen Woche ist das Thema Gasversorgung in Deutschland und Europa so aktuell wie nie zuvor. In den Morgenstunden kam es zur vorgesehenen Abschaltung der Pipeline Nord Stream 1, welche aufgrund von Wartungsarbeiten schon seit Längerem geplant war. Die große Frage ist nun, ob der Betrieb nach Abschlussarbeiten wieder aufgenommen wird oder ob Moskau nicht vielleicht doch den einen oder anderen nicht behebbaren Mangel feststellen wird.

Für ordentlich Druck sorgt das Ganze an den hiesigen Börsen, welche nach einer respektablen Erholung in der Vorwoche wieder mit roten Vorzeichen in den Handel starteten. Gerade um die großen Chemiekonzerne wie BASF machen die Börsianer sich große Sorgen, doch auch viele andere Titel geraten unter Druck. Denn letztendlich steht die Befürchtung im Raum, dass Europa bei einem versiegenden Zufluss von russischem Gas auf direktem Wege in die Rezession rutschen könnte. Sei es nun aufgrund von Produktionsausfällen oder exorbitant teuren Gaseinkäufen aus anderen Quellen.

Die Gazprom-Aktie im roten Bereich

Für schlechte Laune sorgt das Ganze aber nicht nur hierzulande, sondern auch in Moskau. An der dortigen Börse verabschiedeten die Anleger sich am Montag zunehmend von der Gazprom-Aktie, welche bis zum Mittag Abschläge in Höhe von knapp drei Prozent hinnehmen musste. Erst kürzlich rutschte das Papier unter die Marke von 200 Rubel. Dieser Sturz scheint sich nun weiter zu verfestigen, nachdem es zeitweise bis auf 192 Rubel in die Tiefe ging.

Die Skepsis der Aktionäre ist nachvollziehbar, denn letztlich wird ein Ausbleiben von Gaslieferungen nach Europa auch auf Gazprom schwer lasten. Schließlich sitzen hier noch immer die besten und vor allem zahlungskräftigsten Kunden des russischen Staatskonzerns. Einige Experten orakeln bereits, dass Gazprom mit einem Gasstopp nach Europa zum Sanierungsfall mutieren könnte. Zwar sind (noch) einige andere Pipelines als nur Nord Stream 1 aktiv. Wie lange das so bleibt, ist aber völlig offen und das macht den Aktionären Angst.

Ohne Europa bleibt bei Gazprom nicht mehr viel

Wie sehr die Milliardengewinne von Gazprom in den letzten Jahren von Europa abhingen, zeigt ein kurzer Blick auf die Exporte des Konzerns, die sich bis zum Jahr 2020 noch ganz klar auf Europa konzentrierten. Andere Märkte spielten da nur eine geringfügige Rolle

Land Gazprom Export 2020 (Mrd. Kubikmeter)
Niederlande 48,1
Deutschland 41,6
Italien 20,9
Belarus 18,4
Türkei 16,4
Frankreich 14,0
Österreich 10,6
Polen 9,7
Vereinigtes Königreich 8,9
Ungarn 8,6
Slowakei 7,6
China 5,0
Tschechien 4,0

Es wird ja gerne damit argumentiert, dass Gazprom ausbleibende Lieferungen nach Europa mit anderen Abnehmerländern kompensieren könnte. Vor allem China und Indien werden da gerne genannt und mit Ungarn und Belarus hat Russland auch in Europa noch einige Freunde. Die Statistiken zeigen aber klar auf, dass selbst eine Vervielfachung der bisherigen Exporte in diese Länder einen Wegfall von Lieferungen in die EU nicht ansatzweise ausgleichen könnte. Dazu stellt sich die Frage, wie höhere Gasmengen ohne notwendige Pipelines transportiert werden sollen und wofür beispielsweise China eigentlich eine deutliche Erhöhung benötigen würde.

Kommt jetzt das Tafelsilber unter den Hammer?

Wahrscheinlich macht sich auch Gazprom selbst derzeit so einige Gedanken um die eigene Zukunft und ein Anzeichen dafür könnte sein, dass der Konzern zuletzt offen über den Verkauf von Unternehmensanteilen nachdachte. So gab es in der vergangenen Woche Berichte darüber, dass die Gazprombank Schweiz unter den Hammer kommen könnte. Schätzungsweise 150 bis 200 Millionen Euro könnte ein möglicher Käufer dafür auf den Tisch legen können.

Irgendwelche Rückschlüsse auf Auswirkungen westlicher Sanktionen oder sonstiger Probleme im Konzern will Gazprom selbst dabei aber nicht sehen. Das Unternehmen pocht darauf, dass es sich bei den Überlegungen um ganz normale Vorgänge handeln würde und sowohl die Gazprombank Schweiz als auch der Konzern als Ganzes auf grundsoliden Füßen stehen würden. Es wäre aber auch verwunderlich, von den Verantwortlichen etwas anderes zu hören. Inwieweit den Worten des Unternehmens Glauben geschenkt werden kann, mag jeder für sich selbst entscheiden. Sollten aber noch weitere Töchter in den Verkauf gehen, wäre das ein klares Anzeichen für einen Schrumpfkurs.

Es gibt noch größere Sorgen bei der Gazprom-Aktie

Tatsächlich sind all diese Faktoren noch längst nicht alles, was die Gazprom-Aktie derzeit auf Talfahrt schickt. Anlass zur Sorge geben auch mysteriöse Todesfälle von (ehemaligen) Managern des Konzerns. In den letzten Monaten kamen mindestens fünf davon ums Leben:

  • Juri Woronow
  • Leonid Schulman
  • Mikhail Watford
  • Waldislaw Amajew
  • Sergej Protosenja

Die Umstände des Ablebens dieser Personen sind bis heute nicht vollständig geklärt. In einigen Fällen wird Selbstmord vermutet, in anderen gibt es Spekulationen über gezielte Tötungen aufgrund von Verwerfungen innerhalb des Konzerns. Was auch immer hinter all dem stecken mag: für die Anleger ist das Ganze kein gutes Zeichen.

Ist die Gazprom-Aktie nur noch verbrannte Erde?

Freilich müssen hiesige Investoren sich über all das nur eher wenig Gedanken machen, denn die an den westlichen Börsen gehandelten ADRs von Gazprom sind schon seit einer ganzen Weile nicht mehr handelbar. Nüchtern betrachtet ist davon auszugehen, dass sich daran so schnell auch nichts ändern wird. Stattdessen gibt es Spekulationen darüber, dass Gazprom in naher Zukunft ohnehin vollkommen verstaatlicht werden könnte. Dem Kremls wäre das wohl nur recht. Vor allem jetzt, da ausländische Investoren quasi überhaupt keine Rolle mehr spielen.

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