Gazprom: Was steckt hinter der Todesserie?

Immer mehr Manager aus dem Umfeld von Gazprom werden tot aufgefunden. Kann das reiner Zufall sein?

Der russische Energiesektor steht derzeit nicht nur vor Zeiten mit sinkenden Einnahmen. Auch bei den Oligarchen und Managern aus dem Umfeld spielt sich Dramatisches ab. Immer mehr Manager mit Bezug zum Staatskonzern Gazprom werden tot aufgefunden. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind es schon mindestens fünf derer, die unter mysteriösen Umständen ihr Leben lassen mussten. „n-tv“ hat sich das Ganze kürzlich genauer angesehen.

Zuletzt wurde Juri Woronow mit einer Schusswunde im Kopf an im Pool seiner Villa in St. Petersburg vorgefunden. Ermittler führen sein Ableben auf einen Streit mit Geschäftspartnern zurück. Solche könnten es nach Vermutung von Experten auch sein, welche die Todesserie an sich auslösten und weiter am Laufen halten. Es wird darüber spekuliert, dass es sich bei allen Todesfällen von Gazprom-Managern letztlich um Morde gehandelt haben könnte.

Ein raues Geschäft bei Gazprom

Natürlich sind das erstmal nur Unterstellungen, die an dieser Stelle in keiner Weise als der Weisheit letzter Schluss verkauft werden sollen. Doch dass in Russland der Tod von unliebsamen Personen nichts Ungewöhnliches ist, dafür müssen wohl keine weiteren Belege vorgeführt werden. Zudem scheint es bei Gazprom immer ruppiger zuzugehen. Durch die Sanktionen des Westens sowie die stark verminderten Gaslieferungen nach Europa gibt es immer weniger Einnahmen, um welche sich nach Ansicht einiger Beobachter nun viele mächtige Geschäftsleute streiten.

Die scheinen recht rücksichtslos vorzugehen, um sich ihren Teil von einem immer kleineren Kuchen sichern zu wollen. Außerdem gibt es Vermutungen, wonach manch einer Spuren verwischen möchte, welche zu Betrügereien und anderem Schabernack bei Gazprom führen könnten. Mit Sicherheit lässt sich nicht sagen, warum die Gazprom-Manager „wie die Fliegen sterben“, wie es der Investor Bill Browder auszudrücken beliebt. Die Umstände der Todesfälle sind aber tatsächlich als sehr mysteriös zu bezeichnen und der Zeitpunkt für die Tode dürfte kaum ein Zufall sein.

Auch die Anleger haben nur noch wenig bei Gazprom zu lachen

Es lässt sich wohl nur abwarten, ob es noch weitere Todesfälle im Umfeld von Gazprom zu sehen geben wird oder nicht. Was sich rund um den Konzern derzeit abspielt, könnte problemlos einem Hollywood-Blockbuster entnommen worden sein. Aufgrund der mangelnden Informationslage lässt sich kaum darüber urteilen, was genau im Konzern abläuft. Für die Investoren ist es aber eines von unzähligen Warnzeichen.

Dabei gibt es davon auch unabhängig von sterbenden Managern mehr als genug. Zuletzt kappte Gazprom die Dividendenzahlungen an die Aktionäre kurzerhand komplett, was offiziell auf Planungen zurückgeführt wird, entlegene Regionen in Russland an das Gasnetz anschließen zu wollen. Nur die Wenigsten glauben allerdings daran, dass dies auch der tatsächliche Grund ist. Nicht vollkommen an den Haaren herbeigezogen ist die Vermutung, dass der Kreml mit den Gazprom-Milliarden seinen Krieg in der Ukraine mitfinanzieren möchte.

Für hiesige Investoren ist all das ohnehin nicht von Interesse, da der Handel mit den ADRs von Gazprom schon seit Monaten ausgesetzt ist. Ich lehne mich soweit aus dem Fenster und sage voraus, dass sich daran so schnell auch nichts mehr ändern wird. Wer nicht früh genug verkaufen konnte, wird sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, Investments in Gazprom schlicht abzuschreiben.

Gazprom im roten Bereich

Mittlerweile ist die Gazprom-Aktie selbst an den künstlich gestützten Börsen in Moskau derart abgestürzt, dass sich kaum noch positive Argumente für das Papier finden lassen. Schon gar nicht mit der Aussicht darauf, dass die lukrativsten Kunden in Europa sich fieberhaft nach Alternativen umsehen und in Zukunft die Umsätze nicht mehr in die Höhe steigen lassen werden.

Zeitraum Performance Gazprom-Aktie
6 Monate -42,1 %
1 Jahr -32,1 %
3 Jahre -20,5 %

Die Entwicklung an den russischen Märkten kann dabei sogar noch fast als erfreulich bezeichnet werden, denn an den hiesigen Börsen stürzte das Papier noch deutlich tiefer ab. An den letzten Tagen des Handels in London wurden die Anteile zeitweise zu einstelligen Centbeträgen gehandelt. Kurze Zeit zuvor waren noch Kurse von rund 8,75 US-Dollar die Regel. Der Kurssturz belief sich auf rund 99 Prozent, was manch einer auf 100 Prozent aufrunden mag. Gazprom-ADRs sind schlicht wertlos geworden und bis heute geblieben.

Was der Gazprom-Aktie noch bevorsteht

Unter den aktuellen Voraussetzungen ist mit einer weiteren Entwertung bei der Gazprom-Aktie fest zu rechnen. Dafür sprechen weniger tote Manager als viel mehr nüchterne fundamentale Überlegungen:

  • Nachlassende Gaslieferungen nach Europa
  • Fehlende Pipelines zu anderen potenziellen Abnehmern
  • Zunehmende Isolierung Russlands
  • Wegfallende Dividende

Selbst wenn die Gaspreise noch weiter ansteigen sollten, wonach es zuletzt nicht unbedingt aussah, so wird allein die geringere Menge an Export dafür sorgen, dass Gazprom für eine sehr lange Zeit keine neuen Umsatzrekorde mehr aufstellen wird. Zudem stellt sich die Frage, ob der Konzern überhaupt noch lange an der Börse bleiben wird. Von Insidern ist bereits zu hören, dass der Kreml versuchen könnte, sich das Unternehmen komplett einzuverleiben. Damit wäre es dann auch mit dem Minimum an Transparenz vorbei, welches es zuletzt noch zu sehen gab. Wladimir Putin war davon ohnehin noch nie ein großer Freund. Es ist einigermaßen wahrscheinlich, dass Gazprom wie in Sowjetzeiten unter die Fittiche der Regierung gerät und die Gazprom-Aktie letztlich kaum mehr als eine Erinnerung an alte Tage sein wird.

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