Gazprom: Die Fragezeichen bleiben!

Noch immer ist nicht klar, ob durch Nord Stream 1 jemals wieder russisches Gas fließen wird. Das verschafft auch der Aktie von Gazprom keine gute Zeit.

Schon seit einer kleinen Ewigkeit dreht sich bei Gazprom vieles um die Pipeline Nord Stream 1, durch die noch bis vor Kurzem der Großteil von russischem Gas in Richtung Deutschland geflossen ist. Bekanntlich wurde die Lieferung zunächst stark gedrosselt aufgrund einer defekten Turbine. Das war zumindest die offizielle Begründung, die allerdings schon früh von vielen Beobachtern in Zweifel gezogen wurde.

Unter anderem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sah es als wahrscheinlich an, dass die russische Regierung mit dem Schritt lediglich für Unsicherheit in Europa sorgen und zudem die Gaspreise in die Höhe treiben wolle. Nun ist der Gasfluss aufgrund von Wartungsarbeiten vollständig unterbrochen und ob die Pipeline wie geplant am 21. Juli wieder in Betrieb genommen werden wird, scheint vollkommen offen zu sein.

Gazprom meldet sich zu Wort

Lange Zeit hielt sich der Betreiber der Pipeline in Form von Gazprom bedeckt zu dem Thema. Kürzlich verkündete der Konzern nun via Twitter, dass ein Weiterbetrieb nicht garantiert werden könne. Einmal mehr scheint dabei die bereits angesprochene Turbine ein Problem zu sein. Die wird in Kanada repariert und obwohl Kanada bereits eine Ausnahme der Sanktionen bestätigte und das Bauteil nach Deutschland ausliefern will, scheint Gazprom davon nichts zu wissen.

Zumindest behauptet das Unternehmen, keine derartigen Dokumente vorliegen zu haben. Was aus diesen Aussagen zu schlussfolgern ist, bleibt weiterhin jedem selbst überlassen. Es klingt aber nicht unbedingt danach, als wäre Gazprom heiß darauf, Nord Stream 1 in absehbarer Zeit wieder voll auszulasten. Es steht zu befürchten, dass vor allem politische Ziele verfolgt werden. Auch die Politik stellte die hiesige Bevölkerung bereits darauf ein, dass der Gasfluss aus Russland vollständig versiegen könnte. Andere Pipelines sind von einer solchen Gefahr ebenfalls nicht ausgeschlossen.

Gazprom schneidet sich ins eigene Fleisch

Selbstredend hat das nicht nur Folgen für die Wirtschaft in Europa, wo einige Ökonomen bei einer ausbleibenden Gasversorgung aus Russland schon eine tiefe Rezession befürchten. Auch Gazprom wird ordentlich bluten müssen, sollten die Lieferungen in die EU eingestellt werden. Denn hier sitzen noch immer die besten Kunden des Unternehmens. Es ist sogar einigermaßen wahrscheinlich, dass der russische Staatskonzern bei einem solchen Schritt in die roten Zahlen rutschten könnte.

Doch wie bereits erwähnt scheint hier mehr Politik als wirtschaftliches Interesse im Vordergrund zu stehen. Zwar lässt es sich letztlich nicht beweisen, doch es sieht ganz danach aus, als würde Gazprom seine Weisungen direkt aus dem Kreml beziehen. Dort sitzt eine mafiöse Bande an Kriegsverbrechern, welche in Europa größtmögliches Chaos verursachen möchte. Allein schon deshalb ist es wohl vernünftig, sich auf den schlimmsten Fall einzustellen.

Die Aktie von Gazprom fällt und fällt

Die Anleger an der Börse in Moskau haben sich bereits zu weiten Teilen von der Gazprom-Aktie verabschiedet. Jene fiel innerhalb weniger Tage um rund 30 Prozent in die Tiefe und blickt auf 6-Monats-Sicht bereits auf Kursverluste in Höhe von 43,5 Prozent. Alles spricht dafür, dass es von hier noch weiter in die Tiefe gehen wird. An Argumenten für eine spontane Erholung fehlt es komplett.

Tatsächlich gibt es auch schon Spekulationen darüber, dass der Aktienkonzern ohnehin in nicht allzu ferner Zukunft verstaatlicht wird. Dafür werden vor allem folgende Indizien herangezogen:

  • Wirtschaftliche Interessen geraten in den Hintergrund
  • Der Kreml könnte sich am letzten bisschen Transparenz bei Gazprom stören
  • Ausländische Investoren spielen keine Rolle mehr

Völlig wertlos?

Hiesige Anleger haben weiterhin keine Möglichkeit, Gazprom-Aktien zu erwerben oder sich von noch bestehenden ADRs zu trennen. Mehr und mehr müssen sich Anteilseigner wohl mit dem Gedanken anfreunden, dass sich daran auch so schnell nichts mehr ändern wird. Es setzt sich immer mehr die Ansicht durch, dass der Titel an westliche Börsen nicht mehr zurückkehren wird und selbst wenn das der Fall wäre, würden die meisten Analysten von einem Kauf abraten.

An der Börse in Moskau lässt sich der Gazprom-Aktie mit (sehr) viel Wohlwollen noch so etwas ähnliches wie ein Aufwärtstrend bescheinigen. Allerdings kommt der zu nicht unwesentlichen Teilen aus künstlichen Unterstützungen für die Börsen in Moskau zustande und führt Anleger in Russland so zuweilen in die Irre. Tatsächlich spricht nichts dafür, dass das Papier jemals wieder Höchststände aus der Vergangenheit erreichen wird. Umso offensichtlicher ist die Entwertung an den hiesigen Märken, wo die Anleger sich Anfang März geradezu panikartig von ihren Anteilen trennten.

Zeitraum 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre
Performance Gazprom PJSC ADR (London) -90,31 % -87,55 % -87,25 %
Performance Gazprom-Aktie (Moskau) -34,0 % -22,9 % +48,0 %

Die Aussichten für Gazprom bleiben düster

Es müsste schon ein kleines Wunder passieren, damit Gazprom noch irgendwelche Wachstumsaussichten vorweisen könnte. Als Argument dafür werden gerne Lieferungen an andere Abnehmer als Europa ins Feld geführt. Allerdings ist das nach derzeitigem Stand schon alleine aus technischen Gründen nicht möglich. Es gibt dafür schlicht nicht genügend Pipelines nach China, Indien oder anderen potenziellen Abnehmerländern.

Noch dazu entfalten die Sanktionen gegen Russland mehr und mehr ihre Wirkung und sowie Gazprom die hiesige Belieferung einstellen sollte, wird der Konzern auch keinen besonderen Schutz mehr genießen. Daher spricht alles für eine weitere Abwertung bei der Gazprom-Aktie und ob und wo sich ein Boden finden könnte, bleibt vollkommen offen.

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