Facebook Aktie: Wie das größte soziale Netzwerk ein Werberiese bleibt und sich trotzdem neu erfinden kann

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Soziale Netzwerke sind aus unser aller Leben nicht mehr wegzudenken. Für viele Menschen sind sie inzwischen einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte ihres sozialen und digitalen Lebens. Und die amerikanische Facebook ist dabei der unangefochtene Marktführer.

Die Zahlen sind schon beeindruckend: Es gibt derzeit knapp 7,9 Milliarden Menschen auf dieser Erde. Und davon loggt sich monatlich mehr als jeder Dritte mindestens einmal bei Facebook ein. Nimmt man die gesamten Facebook-Angebote inklusive Instagram etc., ist es fast schon jeder zweite. Indes:

Solche exorbitanten Verbreitungszahlen werfen natürlich auch die Frage auch, ob Facebook nicht irgendwann Opfer seines eigenen Erfolges wird. Denn die Zuwachsraten bei den Nutzern scheinen endlich zu sein. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Firma unter immer stärkeren Innovationdruck geraten könnte und neue Erlösquellen erschließen muss. Dazu im Folgenden eine ausführliche Analyse.

Das Unternehmen

Eigentlich scheint es müßig, zu erklären, was Facebook macht. Aber es ist schon beeindruckend, wie breit sich der Social-Media-Gigant inzwischen aufgestellt hat. Denn nicht nur die Facebook-Kernplattform gleichen Namens gehört zur Familie. Weitere Dienste sind die Fotoplattform Instagram und die beiden Instant-Messaging-Dienste Facebook Messenger und WhatsApp.

Darüber hinaus ist Facebook noch in anderen Technologien und Angeboten engagiert. Das betrifft insbesondere den Spezialisten für Virtual Reality Oculus, den Zahlungsdienst Novi wie auch die Business-Plattform Workplace, deren Hilfe Arbeitsgruppen online zusammenarbeiten, sich austauschen und Videokonferenzen abhalten können. In diesem Sinne ist Workplace ein Konkurrenzprodukt beispielsweise zu Microsoft Teams.

Ein Blick auf die Zahlen macht allerdings auch klar: Bisher basiert das Erlösmodell fast ausschließlich auf Werbeeinnahmen. Andere Erlösströme, die beispielsweise aus den drei letztgenannten Projekten Oculus, Workplace und Novi kommen können, spielen in der Gesamtrechnung des Konzerns bislang nur eine äußerst untergeordnete Rolle.

Wobei man allerdings auch feststellen kann, dass die Bedeutung dieser anderen Aktivitäten in den nächsten Jahren zunehmen könnte. So betrug deren Umsatzanteil im vergangenen Jahr zwar nur 2,1 Prozent. In den beiden Vorjahren waren es allerdings mit 1,5 Prozent noch weniger. Außerdem verbuchen diese Bereiche deutlich höhere Wachstumszahlen.

Im vergangenen Jahr wuchsen die Erlöse aus dem Werbegeschäft um 20,8 Prozent, die aus den sonstigen Bereichen um über 72 Prozent. Hier muss man noch mit einrechnen, dass das Werbegeschäft im vergangenen Jahr zeitweise durch die Corona-Pandemie erheblich belastet war, nun aber wieder an Tempo gewinnt. Doch dürften hier jährliche Zuwachsraten von durchschnittlich 25-30 Prozent zu erwarten sein, bei den anderen Segmenten rechne ich mit wesentlich höheren prozentualen Zuwächsen.

Die Nutzerbasis

Das Wachstum der Werbeeinnahmen hängt natürlich proportional von den Nutzerzahlen bzw. der entsprechenden Reichweite und den Aktivitäten der Nutzer auf den jeweiligen Plattformen ab. Da konnte Facebook zum Auftaktquartal 2021 beeindruckende Zahlen präsentieren.

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Auf der Facebook-Plattform erhöhte sich die Zahl der täglich aktiven Nutzer (abgekürzt DAU – Daily Active Users) auf 1,878 Milliarden Menschen. Damit konnte Facebook mindestens das achte Quartal in Folge Steigerungen ausweisen. Gleiches galt auch für die monatlich aktiven Nutzer (MAU), wo die schon angesprochenen 2,85 Milliarden Nutzer ausgewiesen wurden. Letztlich konnte Facebook in der Produkt-„Familie“ jeden Monat 3,45 Milliarden aktive Nutzer Menschen verbuchen.

Interessanter Fakt dabei: Gegenüber dem vierten Quartal 2020 nahmen die MAU insgesamt um 2 Prozent zu. Dabei blieben die als schon fast gesättigt geltenden Märkte USA/Kanada und Europa mit Zuwachsraten von 0,3 Prozent bzw. 0,9 Prozent unterdurchschnittlich. Der asiatisch-pazifischen Raum konnte dagegen mit einem Plus von 2,5 Prozent bei den Nutzerzuwächsen überdurchschnittlich stark wachsen.

Das galt im Übrigen auch für den Jahresvergleich. Dieser betrug insgesamt 9,6 Prozent. Der asiatisch-pazifische Raum erhöhte seine Nutzerbasis dagegen um 12,5 Prozent, Rest of World war immerhin mit 10,4 Prozent dabei. Damit ist Facebook nicht unähnlich den Entwicklungen beispielsweise beim Marktführer für Videostreaming Netflix, dessen Abozuwächse inzwischen auch hauptsächlich in anderen Teilen der Welt stattfinden.

Umsatz- und Gewinntrends

Im vergangenen Jahr hatte Facebook dank eines Endspurts im vierten Quartal kräftige Umsatz- und Gewinnzuwächse verbuchen können. Denn nachdem im Jahresverlauf viele Unternehmen aufgrund der Corona-Einflüsse fast schon paralysiert waren, wurde letztlich doch erkannt, dass es trotz des herausfordernden Umfeldes gerade im Konsum-Sektor viele Chancen gibt im Bereich E-Commerce.

Aus Q1-Präsentation Facebook

Das wurde entsprechend stark genutzt und damit konnte auch Facebook im Abschlussquartal 2020 seine Werbeeinnahmen massiv steigern. Insgesamt verbuchte das Unternehmen bei den Werbeumsätzen im vierten Quartal einen Wert von 27,18 Milliarden Dollar. Dies entsprach einem Zuwachs um gut 28 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2020 und sogar von 31,1 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Auch die Umsätze pro Nutzer zeigten im vierten Quartal einen eindeutigen Peak. Diese betrugen im vierten Quartal weltweit 10,14 Dollar je Nutzer nach nur 6,95 Dollar je Nutzer im Auftaktquartal 2020. Besonders hoch fielen dabei die Umsätze pro Nutzer im Kernmarkt USA/Kanada mit 53,56 Dollar nach 34,18 Dollar im ersten Quartal 2020 aus.

FY Ending Dec 2020 Dec 2021e Dec 2022e
Q1 1,71 3,30 3,47
Q2 1,80 2,90 3,19
Q3 2,71 2,90 3,45
Q4 3,88 3,93 4,82
Fiskal Year 10,09 12,65 14,73
KGV 27,1 26,1 22,4

Quelle: Factset

Das vierte Quartal war damit ein außergewöhnlich starkes. Umso überraschender war es, dass Facebook im Auftaktquartal 2021 auf sequenzieller Basis relativ moderate Rückgänge zu verzeichnen hatte. So betrug der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer im ersten Quartal noch 9,27 Dollar. Die Werbeeinnahmen gingen im Berichtsquartal zwar um 6,4 Prozent zurück, wiesen allerdings im Jahresvergleich immer noch ein Plus von fast 46 Prozent aus.

Ähnliche Entwicklungen gab es auch auf der Profitabilitätsebene. Auch hier war das vierte Quartal 2020 ein außerordentlich starkes mit einem operativen Gewinn auf Rekordniveau von 12,77 Milliarden Dollar nach nur 5,89 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2020. Im ersten Quartal 2021 betrug das operative Einkommen immerhin noch 11,37 Milliarden Dollar. Dabei nahm die Marge gerade einmal drei Prozentpunkte zum vierten Quartal ab und lag immer noch zehn Prozentpunkte über den Vorjahreswerten.

Unter dem Strich: Mit einem Quartalsgewinn je Aktie von 3,30 Dollar übertraf Facebook die Markterwartungen deutlich. Diese hatten bei den von FactSet befragten Analysten nur 2,35 Dollar je Aktie betragen.

Der Ausblick

Hinsichtlich der nächsten Quartale gibt sich Facebook zwar durchaus optimistisch, aber etwas zugeknöpfter als erwartet. Dabei setzt das Unternehmen auf eine weiterhin positive Entwicklung bei den Werbepreisen. Diese hatten im ersten Quartal einen Anstieg im Jahresvergleich von 30 Prozent gezeigt.

So rechnet Facebook damit, dass die Umsätze im laufenden zweiten Quartal weiterhin in etwa so dynamisch zulegen können wie im Auftaktquartal. Allerdings rechnet die Firma auch damit, dass in der zweiten Jahreshälfte das Wachstumstempo dann sequenziell nachlässt, was angesichts der Vorgaben insbesondere aus dem geschilderten vierten Quartal 2020 auch nicht unbedingt überraschend kommt.

Umso wichtiger ist es, dass Facebook seine Aktivitäten in neuen Wachstumsfeldern vorantreibt. Dabei geht es neben den Bereichen Oculus, Workplace und Novi auch noch um ein viertes Thema, das erhebliches Wachstumspotential beinhaltet.

Vielleicht hat schon der eine oder andere in seiner Timeline die Einblendungen des Facebook Marketplace wahrgenommen oder bereits genutzt. Hier geht es letztlich um nichts anderes als eine Secondhand-E-Commerce-Plattform nach Art von eBay oder eBay Kleinanzeigen. Facebook selbst kann bereits auf eine Nutzerbasis von über 800 Millionen im Monat auf Marketplace verweisen, wobei man bereits auch international aufgestellt ist.

Und die Perspektiven sind ausgezeichnet. Nach Berechnungen von Marktforschern könnte sich das Marktvolumen allein im amerikanischen Secondhand-Bekleidungsmarkt von 28 Milliarden Dollar 2019 auf 80 Milliarden Dollar bis 2029 vergrößern. Andere Marktforscher gehen davon aus, dass auf globaler Basis der Secondhand-Markt jährliche Wachstumsraten von 15-20 Prozent in den nächsten fünf Jahren schaffen könnte. Facebook mit seinem „Global Footprint“ hat da natürlich erhebliche Chancen, sich auch gegenüber bisherigen Platzhirschen wie eBay oder Shopify zu behaupten und womöglich die Führungsrolle zu übernehmen. Damit könnte sich Facebook letzten Endes ein wichtiges weiteres Standbein schaffen.

Stärken und Schwächen

Die jüngsten Zahlen wie auch die im Gang gesetzten Projekte präsentieren Facebook insgesamt als ein Geschäftsmodell, das über erhebliche Wachstumsdynamik verfügt. Dies gilt, auch wenn man sich immer wieder mit regulatorischen Fragen wie insbesondere Datenschutz-Bedenken auseinandersetzen muss. Dennoch überwiegen in der Analyse der Stärken und Schwächen von Facebook ganz klar die positiven Aspekte.

Das wichtigste Asset von Facebook ist natürlich die weltweit starke Marke, was nicht nur Facebook beinhaltet, sondern vor allem auch Instagram und WhatsApp. Darüber hinaus verfügt die Produkt-Familie über eine sehr hohe Integration miteinander, was die entsprechende Steuerung der Werbung extrem effektiv macht. Das schlägt sich auch in der hohen Profitabilität wieder. Und natürlich wäre auf Seiten der Stärken immer noch zu nennen, dass Facebook selbst kaum Drittmarketing machen muss, sondern hier der Direktvertrieb nach wie vor funktioniert.

Auf der Seite der Schwächen muss sicherlich mit erwähnt werden, dass, wie gerade schon angesprochen, in den westlichen Märkten das Wachstum zumindest auf Nutzerseite stagniert. Außerdem war schon die letzten Jahre feststellbar, dass die hohen Zuwächse bei Werbeeinnahmen in der Hauptsache von Instagram kommen. Hinzu kommt, dass man unter einem hohen Innovationsdruck steht, da immer wieder neue Formate auf der Bildfläche erscheinen, wie beispielsweise die Videoplattform Tiktok. Zusammengefasst:

Stärken:

  • Starke Marke
  • weitreichenstarke und gut eingeführte Produkte
  • hohe Produktintegration
  • robustes und profitables Geschäftsmodell
  • Direktvertrieb

Schwächen:

  • Stagnation des Nutzerwachstums in Industrieländern
  • Werbewachstum hauptsächlich durch ein Produkt
  • hoher Innovationsdruck durch neue Herausforderer

Bewertung

Analog zu vielen anderen Technologie-Aktien ist Facebook sicherlich nicht sonderlich preiswert an der Börse bewertet. Im direkten Vergleich mit Firmen, die ebenfalls hauptsächlich auf Werbeeinnahmen fokussiert sind, wie beispielsweise Alphabet, hat Facebook dennoch einige kleinere Vorteile. So wird Alphabet für die nächsten zwölf Monate mit einem KGV von derzeit 27,4 bewertet, Facebook nur mit 24,7. Außerdem hat das Social-Media-Network mit 1,1 ein günstigeres Kurs-Gewinnwachstums-Verhältnis wie auch ein deutlich höheres Wachstum von 57 % beim Gewinn je Aktie.

Charttechnik

Die jüngsten Quartalszahlen sorgten für einen deutlichen Sprung in der Aktie. Zuvor hatte sie schon einen Abwärtstrend, der seit August 2020 gültig war, nach oben hin durchbrochen. Charttechnisch gesehen befinden wir uns bei Facebook nun in absolutem Neuland.

Chart Facebook
Chart Facebook © Tradingview

Indes: Angesichts der geschilderten moderaten Bewertung dürfte hier noch reichlich Spielraum nach oben sein. Natürlich inklusive kurzfristiger Konsolidierungsphasen. Aber das Konsens-Kursziel der Analysten mit derzeit rund 370 $ ist schon eine interessante Ansage.

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Fazit

Insgesamt liefert Facebook aufgrund seiner globalen Präsenz nach wie vor starke Wachstumszahlen mit einer immer noch recht moderaten Aktienbewertung. Das Unternehmen hat neben dem Kerngeschäft einige äußerst spannende und perspektivreiche Projekte auf den Weg gebracht, die auch in den kommenden Jahren ein robustes bis überdurchschnittliches Umsatz- und Gewinnpotenzial versprechen.

Natürlich müssen Investoren hier immer im Hinterkopf behalten, dass Facebook insbesondere von der Politik und Kartellwächtern sehr argwöhnisch belauert wird. Das kann durchaus auch einige Risiken beherbergen. Aktuell scheinen diese allerdings beherrschbar zu sein.

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Erst vor kurzem eine (für meine Verhältnisse) große Position i.H.v 5k € aufgelöst. Warum? Angst vor
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neymar  Facebook 29. Apr
Facebook Shares Surge After Crushing Earnings, North America Users Stagnate https://www.zerohedge
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2008 Anleger erhalten Nachrichten und Analysen zu Facebook per E-Mail

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