EVN: Exklusiv-Interview mit CEO Stefan Szyszkowitz: “Trotz der Krise sind wir ein verlässliches Investment!”

176

Unser heutiger Interviewpartner ist der CEO von EVN, Stefan Szyszkowitz.

Die EVN bietet in ihrem Heimmarkt auf Basis von moderner Infrastruktur Strom, Gas, Wärme, Trinkwasserver- sowie Abwasserentsorgung und thermische Abfallverwertung „aus einer Hand“. Weiters gehören der Betrieb von Netzen für Kabel-TV und Telekommunikation sowie das Angebot verschiedener Energiedienstleistungen für Privat- und Businesskunden sowie für Gemeinden zur Produktpalette.

Stefan Szyszkowitz, CEO EVN

Herr Szyszkowitz, der Markt wurde von Hilfsprogrammen überflutet. Erwarten Sie nachhaltige Veränderungen bei den Finanzierungsbedingungen?

S. Szyszkowitz: Ungeachtet der Covid‐19‐Pandemie bekennt sich die EVN auch für die Zukunft zu einem ambitionierten Investitionsprogramm. Die jährlichen Investitionen sollen in den nächsten Jahren weiter steigen und – nach Maßgabe der jeweils möglichen Projektabwicklung – im Durchschnitt Niveaus von bis zu 450 Mio. Euro erreichen. Rund drei Viertel davon werden in Projekte in Niederösterreich in den Bereichen erneuerbare Erzeugung, Netze, Fernwärme aus Biomasse und Trinkwasser fließen.

In der EVN achten wir seit vielen Jahren auf eine solide Finanzpolitik und setzen auf gute externe Bonitätsbewertungen. Ratings im soliden A‐Bereich sind unser Ziel. Aktuell werden wir von Moody’s mit A1 und von Standard & Poor’s mit A bewertet.

Wir sind überzeugt, dass gute Ratings, aber auch die von uns geplanten Investitionen in ökologisch nachhaltige Projekte im Bereich der erneuerbaren Erzeugung oder dem Netzausbau zur Transformation des Energiesystems, die Aufnahme von Fremdkapital wesentlich begünstigen.

Finanzielle Flexibilität, die einerseits aus unserem starken operativen Cash-Flow und andererseits aus soliden Rating‐Einschätzungen kommt, ist uns jedenfalls sehr wichtig. Die nationalen Hilfsprogramme und das Wiederaufbaupaket „Next Generation EU“ bieten die Möglichkeit, weitere Maßnahmen im Bereich erneuerbare Energie umzusetzen. Attraktive

Rahmenbedingungen für Projekte tragen sicher wesentlich dazu bei, die Konjunktur und damit die Beschäftigung rasch anzukurbeln.

Vielen Dank für diesen Einblick. Was hat sich denn in Ihrem Unternehmen durch die Corona-Pandemie verändert?

S. Szyszkowitz: Als Betreiber kritischer Infrastruktur verfügt die EVN über taugliche Notfallpläne für verschiedenste Krisensituationen. Daher existiert bei uns auch seit 2009 eine Konzernanweisung zur Pandemievorsorge. Natürlich führen wir dazu auch regelmäßig Übungen durch, damit wir im Ernstfall rasch und professionell agieren können. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich unsere Notfallpläne als höchst wirksam erwiesen, die Versorgungssicherheit war auch in dieser bislang einzigartigen Situation stets gewährleistet!

Das hört sich spannend an. Somit waren Sie bereits auf eine solche Ausnahmesituation vorbereitet. Werden wir noch etwas konkreter: Wie sah Ihre zentrale Zielsetzung inmitten der Krise aus?

S. Szyszkowitz: Weitere zentrale Zielsetzungen waren neben der Aufrechterhaltung der Versorgung natürlich der unmittelbare Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unserer Kundinnen und Kunden. Um die Gefahr einer Ansteckung mit Covid‐19 so weit wie möglich zu reduzieren, wurde für alle Tätigkeiten, die ortsunabhängig erledigt werden können, kurzfristig und unbürokratisch ein unlimitiertes Home‐Office‐Angebot geschaffen. Selbst Aufgaben wie das Kundenservice konnten in weiten Teilen von zuhause aus erledigt werden. Besonderer Dank gebührt an dieser Stelle allen Kolleginnen und Kollegen, die höchst engagiert und flexibel auf die vielfältigen Herausforderungen reagiert haben.

Was unterscheidet die EVN von den Wettbewerbern der Branche?

S. Szyszkowitz: Auch wenn unsere Geschäftstätigkeit durch Covid‐19 punktuell beeinträchtigt war, blicken wir auf eine solide operative Performance im Geschäftsjahr 2019/20 zurück, denn unser integriertes Geschäftsmodell und die breite Diversifikation erwiesen sich insgesamt als stabilisierend.

Hier liegt auch der wesentliche Unterschied zu Mitbewerbern: Im Energiegeschäft decken wir die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Erzeugung und Speicherung über den Betrieb von Netzen bis hin zum Verkauf von Energie an Endkunden. Zudem sorgen unsere Aktivitäten im Umweltgeschäft für eine weitere Diversifizierung. Im Umweltgeschäft sind wir einerseits in der Trinkwasserversorgung in Niederösterreich sowie im internationalen Projektgeschäft im Bereich Trinkwasserver‐ und Abwasserentsorgung aktiv.

Wo sehen Sie dadurch Ihr Unternehmen in 5 Jahren?

S. Szyszkowitz: Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr unsere Strategie der letzten zehn Jahre evaluiert und für die nächsten Jahre aktualisiert. Lassen Sie mich drei Eckpunkte unserer Strategie 2030 nennen, die unter dem Motto „Nachhaltiger. Digitaler. Effizienter.“ steht:

Die europäische und österreichische Klima‐ und Energiepolitik hat sich dem Ziel verschrieben, die globale Erwärmung einzubremsen und zu reduzieren. Zur Erreichung dieser Ziele wollen auch wir konkret beitragen. Daher werden sich unsere erneuerbaren Erzeugungskapazitäten im Bereich Windkraft und Photovoltaik deutlich erhöhen. Dadurch werden wir bis 2030 in der Stromerzeugung eine Halbierung unserer spezifischen CO2‐Emissionen gegenüber dem Jahr 2005 vorweisen können.

Für unsere Kunden wollen wir verstärkt auf die Chancen der Digitalisierung setzen und dadurch ein attraktiver Partner bleiben. In den nächsten Jahren wollen wir die kundennahen Abläufe durch die

Nutzung smarter Applikationen und Software bequemer, rascher und effizienter gestalten, Stichwort „digitaler Qualitätsvertrieb“.

Und die dritte große Veränderung, die wir mit Nachdruck verfolgen wollen, betrifft die Positionierung als innovativer Anbieter von Lösungen für Kreislaufwirtschaft in unseren Geschäftsfeldern, insbesondere durch Anlagen zur thermischen Klärschlammverwertung.

Ich denke, dass Sie an wichtigen Punkten ansetzten! Zum Abschluss habe ich nun noch eine Frage an Sie, Herr Szyszkowitz: Aus welchen Gründen sollten Anleger letztendlich in Ihr Unternehmen investieren?

S. Szyszkowitz: Für den Kapitalmarkt hat unsere Strategie 2030 eine klare Botschaft: Unsere Aktionäre können weiterhin darauf vertrauen, dass wir den weitaus größten Anteil unserer Ergebnisse durch regulierte und stabile Aktivitäten erwirtschaften, denn diese nachhaltigen Geldflüsse bilden die Grundlage für unsere ehrgeizigen Investitionsvorhaben, aber auch für unsere Dividenden.

Für das Geschäftsjahr 2019/20 wurde von der Hauptversammlung eine Basisdividende von 0,49 Euro je Aktie beschlossen. Damit haben wir die Basisdividende gegenüber dem Vorjahr um 0,02 Euro je Aktie erhöht und ein klares Zeichen gesetzt, dass die EVN Aktie trotz der durch die Covid‐19-Pandemie verursachten Herausforderungen ein verlässliches und stabiles Investment bleibt. Im

Interesse der Planbarkeit für unsere Aktionäre streben wir auch für die Zukunft an, diese jährliche Basisdividende zumindest konstant zu halten.

Vielen Dank für das Interview und Ihre Zeit. Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin alles Gute für die Zukunft!

Evn Forum

0 Beiträge
Als Österreicher zahle ich 27,5% KEST
0 Beiträge
Jetzt Fix EVN kommt statt der TKA in den ATX https://aktien-portal.at/shownews.html?nid=63368&s
0 Beiträge
Ja schon, ich stelle die Frage anders: Stand da früher mal Atx prime oder schon immer ATX? Könnte
2043 Anleger erhalten Nachrichten und Analysen zu Evn per E-Mail

Die auf finanztrends.de angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information. Die hier angebotenen Beiträge stellen zu keinem Zeitpunkt eine Kauf- beziehungsweise Verkaufsempfehlung dar. Sie sind nicht als Zusicherung von Kursentwicklungen der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren ist risikoreich und birgt Risiken, die den Totalverlust des eingesetzten Kapitals bewirken können. Die auf finanztrends.de veröffentlichen Informationen ersetzen keine, auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Es wird keinerlei Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden übernommen. finanztrends.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinen Einfluss und vor Veröffentlichung sämtlicher Beiträge keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand dieser. Die Veröffentlichung der namentlich gekennzeichneten Beiträge erfolgt eigenverantwortlich durch Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen o.ä. Demzufolge kann bezüglich der Inhalte der Beiträge nicht von Anlageinteressen von finanztrendsw.info und/ oder seinen Mitarbeitern oder Organen zu sprechen sein. Die Gastkommentatoren, Nachrichtenagenturen usw. gehören nicht der Redaktion von finanztrends.de an. Ihre Meinungen spiegeln nicht die Meinungen und Auffassungen von finanztrends.de und deren Mitarbeitern wider. (Ausführlicher Disclaimer)