Dividendenperlen: Ein verlässlicher Quartalszahler seit 1935!

Über die längste Zeit ihrer Existenz wurden Aktien vor allem auch aus Gründen der Einkommenserzielung gekauft. Tatsächlich stellten Dividenden für viele Menschen nicht nur eine effiziente und kostengünstige sondern sogar meist die einzige Möglichkeit einer selbstbestimmten (Alters-)Vorsorge dar. Dem Einkommensprinzip haben sich dann auch Investmentfonds bereits in der Frühphase ihrer Verbreitung verpflichtet. Ein solcher Fonds beziehungsweise Closed-end Fund (CEF), der dieser Selbstverpflichtung seit mittlerweile 1935 (!) nachkommt, ist der Adams Diversified Equity Fund.

Namenspatron, Emittent und Verwalter des CEF ist das mindestens ebenso bemerkenswerte Unternehmen Adams Funds. Es geht zurück auf einen privaten Brief- und Paketzustelldienst, den Alvin Adams im Jahr 1840 zwischen Boston und Worcester (Massachusetts) eingerichtet hat. Adams, ein Geschäftsmann aus Vermont, hatte vor diesem Neustart die große Wirtschaftskrise von 1837, der übrigens ein ausgeprägter Immobilienboom vorausgegangen war, ruiniert.

Die Logistikfirma florierte und expandierte rasch über die gesamte Ostküste. Zudem engagierte sich das Unternehmen frühzeitig und stark in der Basisinnovation jener Ära, dem Eisenbahnbau und Transportbetrieb. Genau diese Aktivitäten wurden während des Ersten Weltkrieges durch den US-Präsidenten Woodrow Wilson mit denen von American Express und Wells Fargo, die heute ebenfalls Finanzdienstleister sind, zur American Railway Express Company (AREC) zwangsfusioniert. Im Jahr 1929 schließlich gingen sämtliche Anteile an der AREC im neuen US-Schienenmonopolisten Railway Express Agency auf, der von insgesamt 86 Eisenbahngesellschaften geformt und verwaltet wurde.

Adams Express, wie das Unternehmen seit 1855 hieß, ließ sich jedoch ausbezahlen und sattelte um. Ohne operatives Geschäft aber mit viel Kapital ausgestattet, ersetzte die Geschäftsführung das „Express“ durch „Funds“ und emittierte zeitgleich den Adams Diversified Equity Fund, einen Aktienfonds, sowie den Adams Natural Resources Fund, einen Rohstofffonds. Beide werden seither intern, also durch ein eigenes Management, verwaltet.

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Einen ungünstigeren Zeitpunkt zur Gründung einer Vermögensverwaltung hätte sich das Unternehmen übrigens nicht aussuchen können. Die Umfirmierung erfolgte noch mitten im exzessiven Börsenboom der 1920er Jahre, vermutlich kein unwesentliches Motiv bei der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld. Bereits am 24. Oktober 1929 folgte dann der legendäre Schwarze Donnerstag, der den Auftakt zum bis heute massivsten Börsencrash der westlichen Welt und der nachfolgenden Großen Depression bildete. Immerhin verwaltet Adams Funds Ende 1929 insgesamt 72 Millionen US-Dollar, was in heutiger Kaufkraft einer Summe von deutlich über einer Milliarde US-Dollar entspricht.

Bemerkenswert ist schon einmal, dass der Adams Diversified Equity Fund die Große Depression tatsächlich überlebt hat, was keinesfalls selbstverständlich war. Von den 750 Aktienfonds, die 1929 existierten und von denen allein 265 erst in diesem Jahr aufgelegt worden waren, verschwanden im Zuge der Krise über die Hälfte durch Pleite, Auflösung oder Fusion vom Markt. Viele davon hatten im spekulativen Übermut versucht, ihre Rendite durch Aufnahme von reichlich Fremdkapital zu hebeln.

Nicht so der Fonds aus dem Hause Adams, dessen Management seit jeher einen konservativen Anlagestil pflegt, welcher ihm in den kritischen Anfangsjahren vermutlich das Überleben gesichert hat. So ist der Fonds beispielsweise komplett eigenkapitalfinanziert, verzichtet also auf die Aufnahme von Krediten, wie es nicht nur CEFs auch heute noch in gewissen Grenzen gestattet ist. Letztere wurden in den USA übrigens durch den Investment Act of 1940 als Reaktion auf die massenhaften Pleiten stark verschuldeter Aktienfonds während der Großen Depression gezogen. Zudem werden die Mittel des Adams Diversified Equity Fund ausschließlich in Flaggschiffe der US-amerikanischen Wirtschaft investiert, weder spekulative Nebenwerte noch exotische Länder finden darin Platz.

Demensprechend lesen sich die 85 Beteiligungen (Stand: Quartalsbericht September 2018) wie ein Who’s who des Börsenbarometers S&P 500, welches die Aktien der 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst. Neben der digitalen Avantgarde rund um FANG (Facebook, Apple, Netflix, Google) enthält das Portfolio Traditionsunternehmen wie den Telefongiganten AT&T, die Getränkemultis Coca-Cola und PepsiCo, das Medienschwergewicht Disney und die Pharmariesen Abbott, Merck und Pfizer – um nur einige zu nennen. Im Branchenmix dominiert tatsächlich die Informationstechnologie mit 26 Prozent vor Gesundheit mit 15 und Konsumgüter sowie Finanzen mit jeweils 13 Prozent. Die zehn größten Beteiligungen machen dabei ein knappes Drittel der Vermögenswerte aus.

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Diese belaufen sich aktuell auf knapp 1,60 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 15,85 US-Dollar pro Anteil, werden an der Börse allerdings nur mit 1,37 Milliarden US-Dollar oder 13,58 US-Dollar pro Anteil bewertet. Der Abschlag des Börsenwerts auf den inneren Wert oder „net asset value“ (NAV) beträgt also stolze 14,3 Prozent, für einen US-Dollar Beteiligungen an US-amerikanischen Großkonzernen werden über den Fonds lediglich 85,7 Cent fällig. Wo rührt dieser Abschlag her? Nun dieses Phänomen ist keineswegs auf CEFs beschränkt sondern findet sich überall, wo unterschiedliche Anlagen gebündelt über einen „Börsenmantel“ gehandelt werden, so beispielsweise auch bei Beteiligungs- und Holdinggesellschaften oder Real Estate Investment Trusts (REITs). Deren Börsenwert liegt sehr oft, allerdings nicht immer, unterhalb des NAVs. Ein Grund dafür sind natürlich die Kosten für die Verwaltung des Portfolios, die in Abschlag gebracht werden, ebenso der Umstand, dass Anleger selbst keine Kauf- und Verkaufsentscheidungen beeinflussen können. Bei Mischkonzernen ist der Effekt übrigens als Konglomeratsabschlag bekannt.

An Verwaltungskosten hat der Adams Diversified Equity Fund zuletzt 0,56 Prozent des verwalteten Vermögens pro Jahr in Rechnung gestellt. Das ist für einen CEF relativ moderat und sicherlich auch der Ausrichtung des Fonds geschuldet. Denn im Grund konkurriert der CEF mit Indexfonds auf den in diesem Segment äußerst beliebten S&P 500 – selbst Warren Buffett hat in seinem Aktionärsbrief eine entsprechende Anlagen ausdrücklich empfohlen. Solche Indexfonds, wie beispielsweise der aus dem Hause Vanguard, dessen legendärer Gründer John C. Bogle im Januar 2019 verstarb, berechnen gerade einmal 0,04 Prozent – pro Jahr!

Dafür hat sich das Management des Adams Diversified Equity Fund einen besonderen Ansatz einfallen lassen und den CEF speziell an den Bedürfnissen einkommensorientierter Investoren ausgerichtet. „Commitment to an annual distribution rate of at least 6%“ lautet das Versprechen den Anlegern gegenüber, also mindestens sechs Prozent Dividendenrendite pro Jahr. Dieser Selbstverpflichtung ist das Fondsmanagement bisher immer nachgekommen, zumindest lässt sich dies anhand des entsprechenden Zahlenmaterials bis ins Jahr 1990 zurückverfolgen. Für das abgelaufene Jahr betrug die Dividendenrendite bezogen auf den aktuellen Kurs sogar über 14 Prozent!

Allerdings verteilen sich die Zahlungen anders als bei CEFs gemeinhin üblich. So tätigt der Adams Diversified Equity Fund vier relativ kleine Quartalsdividenden, ergänzt um eine relativ große Sonderdividende am Jahresende, welche auch realisierte Kapitalgewinne beinhaltet. Diese machten in den letzten Jahren etwa zwei Drittel der Gesamtausschüttungen aus, Zins- und Dividendenzahlungen ein weiteres Drittel. Die Gesamtausschüttungen schwankten in der Vergangenheit zwar von Jahr zu Jahr, gleichwohl immer oberhalb der selbstauferlegten Zielgröße. Der Kurshistorie wiederum sind die großen Einbrüche anzusehen, seit dem Ende der Weltfinanzkrise ging es bis zum jüngsten Dämpfer im zweiten Halbjahr 2018 leicht schwankend kontinuierlich aufwärts.

Der Adams Diversified Equity Fund bietet einen repräsentativen Querschnitt über alle börsennotierten US-amerikanischen Großunternehmen mit allen damit einhergehenden Chancen und Risiken. Zumindest der bereits zitierte Warren Buffett sieht hier erstete deutlich überwiegen: „Es war schon immer ein schrecklicher Fehler, gegen die USA zu wetten. Daran hat sich heute nichts geändert.“ Zumindest seit es belastbares Zahlenmaterial gibt ist es den USA immer wieder gelungen, selbst schwere Krisen erfolgreich zu meistern und sich auf neue Höhen aufzuschwingen. So ist denn auch der Leitindex des Landes seit dem Jahr 1900 um den Faktor 500 gestiegen. „Amerikas beste Tage liegen noch vor uns“, ist sich Buffett sicher.

Unabhängig davon sollten sich Anleger bewusst sein, dass sie mit dem CEF ausschließlich in den USA und im US-Dollarraum investiert sind. Eine gewisse globale Streuung ist dennoch gewährleistet, da es sich bei faktisch allen Beteiligungen des Adams Diversified Equity Fund um weltweit aufgestellte Unternehmen handelt, die nur einen Teil ihres Umsatzes im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erzielen. Nichts desto trotz sind Einkommensinvestoren gut beraten, ihr Portfolio nach Sektoren wie Ländern noch breiter aufzustellen.

Das beeindruckendste am Adams Diversified Equity Fund ist zweifelsfrei seine Historie. „Trusted by investors for generations“ ist tatsächlich ein passendes Motto für einen Fonds, der sämtliche Facetten, welche die Börsengeschichte aufzubieten hat, am eigenen Leib spüren durfte. Handelbar ist der Titel über das Kürzel ADX beziehungsweise die Internationale Wertpapierkennnummer US0062121043 an der NYSE, es existiert keine Zweitnotiz an einer heimischen Börse. Aktuell lockt das Papier mit einem verführerisch hohen Abschlag zum inneren Wert und einer ebensolchen Dividendenrendite.

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Adams Diversified Equity
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