Systemrisiko Schattenbank: So gelingt die Regulierung von BlackRock & Co!

Die jüngsten Finanzskandale haben etwas gemeinsam: Alle hatten ihren Ursprung bei sogenannten Schattenbanken – wie den Hedgefonds Archegos und Greenhill. Sie investieren deutlich breiter als traditionelle Anlagefonds: vorwiegend in riskante Anlageklassen oder Firmenkredite, die größtenteils an hochverschuldete Akteure vergeben werden. Dennoch werden sie nicht in dem Ausmaß wie gewöhnliche Geldinstitute beaufsichtigt und reguliert.

Zu Beginn der Corona-Krise machten viele Hedgefonds starke Verluste und ihre Liquidität siechte dahin. Obwohl die Preise im freien Fall waren, mussten sie große Teile ihrer Bestände auf den Markt werfen, was wiederum mit den Fonds vernetzte Großbanken in Bedrängnis brachte. Eine gefährliche Abwärtsspirale haben allein die Notenbanken durch ihr beherztes Eingreifen am Anleihemarkt gebannt.

Zwar hat die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC mit dem Dodd-Frank-Act als Reaktion auf die Finanzkrise 2008 mehr Kompetenzen bei Hedgefonds erhalten; es wurde jedoch wiederholt deutlich – zuletzt im Archegos-Fall –, dass die Aufseher weiterhin im Dunkeln tappen.

Der Einfluss der Fonds hat sich derweil rapide ausgeweitet: Seit Beginn der Meldepflicht haben sich laut SEC die Vermögenswerte der Hedgefonds auf über 8 Billionen Dollar verdoppelt. Die Federal Reserve schätzt den Verschuldungsgrad der Branche derzeit auf einen historischen Höchstwert, was auf hohe Risikobereitschaft und Verlustpotential hindeutet. Die Frage ist somit nicht ob, sondern wann sich der nächste Hedgefonds mit seiner Zockerei übernehmen wird.

Die Marktmacht von Blackrock & Co.

Die Lücken im regulatorischen Umfeld der Hedgefonds sind offensichtlich. Doch so bitter Fälle a là Archegos für die Verlierer auch sind: Sie sind zu klein, um das Finanzsystem ins Wanken zu bringen. Fatale Kettenreaktionen können jedoch andere Schattenbanken verursachen – wie die weltweit größte Kapitalgesellschaft BlackRock. Das verwaltete Vermögen des Unternehmens ist seit Juli 2020 von 1,4 auf knapp 9 Billionen Dollar angeschwollen.

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Zusammen mit den Gesellschaften Vanguard und State Street herrscht die globale Börsenkrake über drei Viertel des ETF-Weltmarktes. Hinzu kommt: Einer der drei Finanz-Player ist in fast allen Aktiengesellschaften der größte Eigentümer. Sie können somit in Hauptversammlungen und im informellen Austausch mit der Geschäftsführung Unternehmens-Entscheidungen maßgeblich beeinflussen.

Auch durch BlackRocks Datenbanksystem Aladdin ist für den Finanzmarkt ein systemisches Risiko entstanden. Das Tool wird von zahlreichen Großunternehmen und Notenbanken genutzt und überwacht mehr als ein Zehntel aller Vermögenswerte. Das Problem dabei: Wenn ein Großteil aller Investoren seine Entscheidungen auf Basis ein und desselben Systems trifft, kann das gefährliches Herdenverhalten begünstigen und den Markt destabilisieren.

Doch damit nicht genug der Risiken: BlackRock berät seit Frühjahr 2020 die EZB beim Thema Nachhaltigkeit. Dadurch erhält der Vermögensverwalter Einsichten in die Arbeit der Regulierungsbehörden und Zentralbanken und wirkt somit bei der Bankenaufsicht indirekt mit. Die Überlappungen der Geschäftsfelder lassen bei der Kapitalgesellschaft enorme Interessenskonflikte entstehen.

BlackRock, Vanguard und State Street unterliegen derzeit zwar einer strengeren Aufsicht als zum Beispiel der Hedgefonds Archegos. Mit der jüngsten Machtzunahme der Vermögensverwalter können die Behörden jedoch nicht schritthalten.

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Eine konsequente Regulierung der systemrelevanten Schattenbanken findet somit nicht statt, obwohl auch sie in der Corona-Krise mit Hilfe umfangreicher Zentralbank-Eingriffe gestützt werden mussten, um eine erneute Finanzkrise zu verhindern.

Wenn sich die drei großen ETF-Anbieter nun weiter darauf verlassen können, dass die Notenbanken ihnen im Zweifel unter die Arme greifen, werden sie weiterhin systematisch zu hohe Risiken eingehen – vor allem in einer langen Boomphase, wie wir sie gerade erleben. Ein großer Teil der Instabilität des Finanzsystems hängt deshalb mit den Fehlanreizen der mächtigen Vermögensverwalter zusammen.

So gelingt die Regulierung der Schattenbanken

Die Aufseher stehen vor einem Dilemma: Die Turbulenzen und Machtkonzentrationen sind auf der einen Seite eindeutige Indizien dafür, dass Schattenbanken strenger reguliert werden müssen. Andererseits dürfen die Regeln jedoch auch nicht zu streng geraten.

Die Behörden sollen die Entwicklung im Finanzsektor schließlich nicht lahmlegen. Die Kunst wird darin liegen, die Risiken der Schattenbanken zu begrenzen, ohne zu übertreiben und traditionelle Banken damit unter Naturschutz zu stellen.

Wie das gelingen kann? Zum einen ist mehr Transparenz nötig. Zunächst sollten die Nicht-Banken daher genauso wie klassische Geld-Institute unter die direkte Aufsicht der EZB gestellt werden. Es müsste verpflichtend sein, dass häufiger und detaillierter offengelegt wird, damit die Behörden einen präzisen Überblick über die Risiken der Nichtbanken erhalten.

Zudem müssen die Instrumente der Bankenregulierung, die es seit der Finanzkrise gibt, auf die Schattenbanken ausgeweitet werden. Damit Hedgefonds keine illiquiden Assets wie Unternehmenskredite oder Hochrisikoanleihen zu kurzfristig refinanzieren, könnte man von ihnen höhere Sicherheiten fordern. Grundsätzlich sollten die Aufseher die Vermögensverwalter dazu verpflichten, zusätzliche Kapitalpuffer zu bilden und im Bedarfsfall in ihre Hypothekenkredite direkt eingreifen, um Preisblasen zu verhindern.

Was den konkreten Fall von BlackRock, Vanguard & State Street angeht: Die drei ETF-Schwergewichte sollten aufgrund ihrer systemgefährdenden und wettbewerbsfeindlichen Marktmacht zerschlagen werden. Die Datenbank Aladdin sollte von BlackRock abgespalten und streng überwacht werden, um zu verhindern, dass sich zu viele Investoren zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung bewegen.

Diese Maßnahmen würden das Vertrauen in den Markt wieder stärken – und Finanzskandalen und Interventionen, wie wir sie zuletzt erlebt haben, vorbeugen.

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