Die EZB bleibt ein Zinsmanipulateur und Aktiendompteur

Im Gegensatz zu einer regelgebundenen Liquiditätspolitik der US-Notenbank, präsentiert sich die EZB äußerst flexibel. Jede noch so kleine Erschütterung an den Rentenmärkten der überschuldeten Euro-Länder soll vermieden werden. Insofern verkündet die EZB im Jahr 2018, trotz der damals bereits reduzierten Anleihekäufe, keinen festen Endzeitpunkt ihres Programms.

Für die Zentralbank entscheidend ist, dass sie auch über Dezember 2018 hinaus ein sehr aktiver „Renditemanipulateur“ bleiben kann. Diesem Ziel werden alle anderen Ziele untergeordnet. Was für uns Sparer bedeutet, dass wir auch weiterhin den Entscheidungen der Notenbanker relativ schutzlos ausgeliefert sein werden.

Wird beschlossen, das Zinsniveau weiter abzusenken, werden die Zinsen gesenkt, obwohl es für keinen Sparer wirklich Sinn macht, sein Geld zu verschenken. Dass die negativen Zinsen schneller wieder zurückkommen können, als uns allen lieb sein kann, zeigt die seit Ende letzten Jahres auf dem Blog des Internationalen Währungsfonds (IWF) geführte Diskussion.

Dort diskutieren Ökonomen nicht nur stark negative Zinsen von minus fünf bis sechs Prozent. Es wird selbstverständlich auch über die Zwangsmaßnahmen diskutiert, die gesetzt werden müssen, um diese Form der Enteignung der Geldbesitzer durchsetzen zu können.

Bargeld zukünftig mit Verfallsdatum?

Zu nennen ist hier in erster Linie das Bargeldverbot. Da dieses gerade in Ländern wie Deutschland nur schwer durchsetzbar ist, wird bereit eine gefährliche Alternative erwogen: Das Bargeld soll mit einer Art Verfallsdatum versehen werden. Ist der Stichtag erreicht, verliert es ähnlich wie das Geld auf dem Konto, das den negativen Zinsen nicht entfliehen kann, an Wert.

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Ob diese drastische Maßnahme am Ende tatsächlich gesetzt werden wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall zeigt die aktuelle Diskussion, dass gewisse Kreise bestrebt sind, unser Geld allein auf die Bezahlfunktion zu reduzieren. Die bislang ebenfalls enthaltene Werterhaltungsfunktion soll nach und nach zurückgedrängt werden.

Das geschieht bereits seit Jahren. Etwa dann, wenn man uns wieder und wieder erzählen will, dass Preisstabilität erst ab einem Inflationsziel von mindestens zwei Prozent aber nicht darunter gegeben sei. Einen schamloseren Angriff auf den gesunden Menschenverstand hat es selten gegeben.

Nun reicht die schleichende Enteignung durch Inflation offenbar nicht mehr und es muss zu schärferen Maßnahmen gegriffen werden. Auf dem Höhepunkt der Inflation im Jahr 1923 wurden die Löhne täglich ausbezahlt. Die Frauen haben ihre Männer an den Fabriktoren abgeholt, das Geld in Empfang genommen und sind mit ihm so schnell sie konnten in die Geschäfte gestürmt. Das alles nur, um den Kaufkraftverlust für die eigene Familie so gering wie möglich zu halten.

Nicht die Menschen, sondern das Geldsystem muss gerettet werden

Negative Zinsen von minus fünf bis sechs Prozent sind mit der Hyperinflation der 1920er Jahre zwar nicht zu vergleichen, weil die Entwicklung damals noch schneller und dramatischer verlief. Aber die Reaktionen der Geldbesitzer werden ähnlich sein.

Geld wird nicht mehr gespart, um mit ihm zukünftige Investitionen zu bezahlen, sondern es wird aus Angst vor dem Wertverlust so schnell wie möglich konsumiert. Am Ende steht eine Nation ohne Rücklagen, die in guten wie in schlechten Zeiten nur noch von der Hand in den Mund lebt.

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Auf dem Weg in dieses „Notenbankerparadies“ betont Mario Draghi, dass die EZB die Erlöse aus fälligen Anleihen weiterhin vollständig reinvestieren wird und auch nach der Einstellung der Nettoaufkäufe der Bestand an von der EZB gehaltenen Staatsanleihen nicht sinken soll.

Jeden Zinsschock verhindert der scheidende EZB-Präsident mit der Aussage, dass die Leitzinsen auch nach einem Ende der Anleihekäufe noch für einen längeren Zeitraum auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben.

Auch auf der aktuellen Pressekonferenz im Anschluss an die Notenbanksitzung fehlte nicht das sattsam bekannte geldpolitische Credo: Die EZB unterstrich erneut ausdrücklich ihren unbedingten Einsatzwillen, sollten sich die wirtschaftlichen Aussichten eintrüben oder die Finanzierungsbedingungen nicht mehr im Einklang mit einer steigenden Inflationsentwicklung stehen.

Insofern stellen schwache Alternativrenditen im Zinsvermögen weiterhin eine geldpolitische Lebensversicherung für Aktien dar: Angesichts des nachhaltigen Ausfalls von Zinsvermögen als attraktive Anlageklasse müssen Vermögensverwalter ihren Anlagenotstand auch zukünftig durch Investitionen in Sachwerte befriedigen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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