Die Aktie des Tages: Mercedes-Benz – zu günstig?

Nach guten Zahlen ist die Mercedes-Benz-Aktie zuletzt tief gefallen. Ist sie dadurch aber automatisch günstig?

Der noch junge Sommer entpuppte sich für die Mercedes-Benz-Aktie als kurstechnische Dürrezeit. Von 68,59 Euro Anfang Juni fiel der Titel binnen eines Monats auf 51,70 Euro. Am Donnerstagmorgen erholte sich die Aktie merklich – zusammen mit anderen Automobil-Werten. Ein Analysten-Kommentar am Mittwoch hatte die pessimistische Grundstimmung der Anleger etwas aufhellen können.

Verfahrene Situation bei der Mercedes-Benz-Aktie

Die Situation ist aus Anlegersicht verfahren genug. Die Inflation und Konjunktursignale sprechen dafür, dass die Verbraucher sich bei Ausgaben in der kommenden Zeit zurückhalten werden. Insbesondere teure Anschaffungen, wie etwa ein neuer PKW, könnten dem Spardiktat zum Opfer fallen. Zudem verteuert sich die Finanzierung aufgrund steigender Zinsen. Das sind schlechte Aussichten für die Autobauer. Und niemand kann momentan zuverlässig prognostizieren, wie schlimm und vor allem wie lange diese Krise andauern wird.

Auf der anderen Seite konnten Automobilhersteller wie Mercedes-Benz zuletzt glänzende Bilanzzahlen vorlegen. Und auch für das zweite Quartal rechnet Patrick Hummel (UBS) bei den Stuttgartern mit starken Zahlen. Möglicherweise gebe es sogar eine Überraschung und der eine oder andere Autobauer hebe sogar noch mal seine Prognose für das zweite Halbjahr an, so der Analyst in seinem Branchenausblick. Schließlich scheinen sich gerade die Lieferprobleme im Halbleiterbereich allmählich aufzulösen.

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Aufgrund der sich verdüsternden Konjunkturaussichten für 2023 und 2024 entschied sich der UBS-Analyst dennoch dazu, das mittelfristige Kursziel auf 80 Euro (zuvor 90 Euro) abzusenken. Er verblieb aber bei seiner Einstufung „Buy“. Für die Mercedes-Benz-Aktie ergäbe sich daraus ein theoretisches Kurspotenzial von rund 50 %.

Zukunftsstrategie von Mercedes

Doch den Aktientitel – viele Jahre ein Liebling der langfristig orientierten Anleger – belasten noch andere Sorgen. So hat das drohende Aus der Benzin- und Dieselmotoren den Konzern grundsätzlich in Frage gestellt. Kann Mercedes seine Spitzenposition auch in einer Automobilwelt behaupten, in der Elektro- und Wasserstoff-Antriebe dominieren? Werden die Autobauer überhaupt noch an der Spitze der Nahrungskette stehen oder Schnittstellenbetreiber wie Apple und Google die Gewinne abschöpfen, während die Hersteller zu reinen Dienstleistern degradiert werden?

Das sind existenzielle Fragen, denen sich derzeit alle etablierten Unternehmen der Branche stellen müssen. Mercedes-Benz hat dazu Mitte Mai ein Strategiepapier veröffentlicht.

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Vorstandschef Ola Källenius beschreibt den Schwerpunkt dieses Konzepts wie folgt: „Was schon immer der Kern unserer Marke war, ist nun auch der Kern unserer Strategie: das Luxussegment. Darauf richten wir unser Geschäftsmodell und Produktportfolio künftig noch konsequenter aus, um so das volle Potenzial von Mercedes-Benz selbst in einem herausfordernden Umfeld zu entfalten. Im Mittelpunkt steht dabei der Anspruch, die begehrenswertesten Autos der Welt zu bauen.“

Ziel ist es, eine durchschnittliche Umsatzrendite von 14 % zu erwirtschaften. Die Unternehmen, die im Massengeschäft tätig sind, liegen erfahrungsgemäß bei 5-7 %. Die Zielmarke ist also ambitioniert, aber auch nicht unrealistisch, wenn man sie beispielsweise mit einem Wettbewerber wie Porsche vergleicht, der schon länger das Luxus-Segment bespielt. Dazu will sich Mercedes-Benz in Zukunft auf drei Produktkategorien beschränken:

  • Top-End Luxury: im Wesentlichen G- und S-Klasse, Mercedes-AMG, Mercedes-Maybach und die Top-End-Modelle der EQ-/EQS-Klasse
  • Core Luxury: im Wesentlichen die C- und E-Klasse
  • Entry Luxury: Hierfür will Mercedes-Benz eine völlig neue Fahrzeuggeneration schaffen

Fazit des Tages

Während der letzten Krise im März/April 2020 fiel die Mercedes-Benz-Aktie bis unter die 20-Euro-Marke. Dieses Niveau hatte der Titel zuletzt zu Zeiten der Bankenkrise 2008 gesehen. Doch die düsteren Prognosen erfüllten sich nicht. Im Gegenteil: Angesichts der Corona-Gefahr kauften die Leute plötzlich wie verrückt Autos. Die fehlenden Halbleiter taten ihr Übriges. Die Preise für Automobile schossen in die Höhe und die Automobilhersteller machten das Geschäft ihres Lebens. Und plötzlich notierte die gebeutelte Ex-Daimler-Aktie wieder auf einem Rekordniveau von rund 90 Euro.

Ich bezweifele allerdings, dass sich dieses Kursmuster in der kommenden Krisenphase so einfach kopieren lässt. Es erscheint mir tatsächlich realistischer zu sein, dass die Umsätze in der Automobilbranche nachgeben werden. Die offene Frage ist: Wie heftig fällt diese Delle aus? Daher kann ich die Anleger verstehen, die sich jetzt mit einem Kauf der Mercedes-Aktie zurückhalten. Sie wollen erst einmal abwarten, wo sich die Wirtschaft mittelfristig hin entwickelt, und das ist auch vernünftig.

Die Zukunftsstrategie von Mercedes-Benz, für die das Unternehmen auch einige Kritik einstecken musste, kann ich aber ebenfalls nachvollziehen. Gegen Neu-Konkurrenten wie Tesla wird ein „Weiter so – wird schon gutgehen“ nicht ausreichen.

Das Management hat die Lage analysiert und festgestellt, wo man noch Vorteile gegenüber der Konkurrenz besitzt, wenn der Motorenbau eines Tages keine entscheidende Rolle mehr spielen wird. Und da stechen die hohe Verarbeitungsqualität und das Design ganz sicherlich hervor. In meinen Augen ist es nur konsequent, genau auf diesem Feld den Markt in Zukunft angreifen zu wollen. Sollte dies gelingen, dürfte die Aktie von Mercedes-Benz auch langfristig wieder gute Perspektiven haben.

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