Die Aktie des Tages: Deutsche Bank – übertreibt der Markt?

Gegen Ende der Woche erholt sich die Deutsche-Bank-Aktie zwar etwas, aber die Wochen zuvor liefen miserabel. Woran liegt das?

Steigende Leitzinsen bedeuten in der Regel, dass Banken höhere Zinsen für Kredite verlangen und deutlich mehr Geld im klassischen Bankgeschäft erzielen können. Doch ein Blick auf den Chart genügt, um festzustellen, dass diese Binsenweisheit der Deutsche-Bank-Aktie derzeit überhaupt nicht hilft. Auf Monatsbasis hat sich ein Kursverlust von rund 20 % angehäuft. Was läuft da schief?

Positive Signale

Im Frühjahr klangen die Nachrichten aus dem Unternehmen noch weitestgehend positiv:

  • 2021 erwirtschaftete die Deutsche Bank den höchsten Gewinn (2,5 Mrd. Euro) seit 10 Jahren
  • es wurde nach zwei Jahren endlich wieder eine Dividende ausgezahlt (0,20 Euro je Aktie) ausgezahlt
  • im 1. Quartal 2022 erzielte die Deutsche Bank ihren höchsten Quartalsgewinn seit 9 Jahren

Zudem präsentierte die Deutsche Bank in einem Strategiepapier ihre Ziele bis 2025. Besonders interessant aus Aktionärssicht: Für die Geschäftsjahre 2021-2025 will der Konzern insgesamt 8 Mrd. Euro an Dividenden ausschütten. Die Gewinnausschüttung für 2021 umfasste 700 Mio. Euro. Rechnet man den verbleibenden Betrag von 7,3 Mrd. Euro auf die kommenden vier Jahre um, würde dies eine Ausschüttung von 1,825 Mrd. Euro pro Geschäftsjahr bedeuten – also mehr als eine Verdopplung der jetzigen Dividende.

Angst vor Kreditausfällen

Das hört sich doch im ersten Moment recht positiv an, vor allem vor dem Hintergrund steigender Zinsen. Warum spiegelt sich die positive Entwicklung dann nicht im Kursverlauf wieder? Das hat wohl etwas mit dem neuen Selbstverständnis des Konzerns als „globaler Hausbank“ zu tun.

Die Weltwirtschaft hat aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie zwei anspruchsvolle Jahre hinter sich gebracht, die zumindest in manchen Branchen bereits viel Substanz gekostet haben. Nun gesellt sich das Inflationsgeschehen hinzu, das durch den Ukraine-Krieg, die Sanktionen und die explodierenden Energiekosten zusätzlich angeheizt wird.

Für viele Unternehmen könnte es in den kommenden Monaten finanziell eng werden. Es drohen Firmenpleiten und damit Kreditausfälle. Und da stellen sich Investoren natürlich die Frage: Wie viele problematische Kandidaten hat die Deutsche Bank im Portfolio? Diese Frage lässt sich derzeit kaum seriös beantworten, da der beschrieben Worst-Case ja noch gar nicht eingetreten ist. Doch die Anleger gehen angesichts dieser Ungewissheit erst einmal auf Nummer sicher und ziehen sich aus dem Aktienwert zurück.

Deutsche-Bank-Aktie: Analysten senken ihre Kursziele

Aus Sicht der Analysten stellt sich die Situation ähnlich dar. So warnte Jon Peace (Credit Suisse) vor den aktuell schlechten Aussichten für die deutsche Wirtschaft, die auch den Aktienkurs des Bankhauses belasten würden. Dies würde sich bereits an einem gestiegenen Kostendruck zeigen, welche die Deutsche Bank aber wohl im 2. Quartal noch durch größere Umsätze kompensieren könnte. Zuletzt hatte das Management zumindest kommuniziert, vermutlich im oberen Bereich der Umsatzprognose zu landen.

Andreas Pläsier (Warburg Research) hat aber selbst da schon seine Zweifel. Seine Mutmaßung: Das zweite Quartal wird nicht mit dem gelungenen Jahresstart mithalten können. Daher senkte er das Kursziel auf 13,00 Euro ab (zuvor 13,90 Euro), behielt aber die „Buy“-Einstufung bei.

Anke Reingen (RBC) und Kian Abouhossein (JPMorgan) senkten ihre Kursziele auf Grundlage einer Branchenstudie ab. Besagte Studie setzte sich jedoch explizit mit der Lage der Investment-Banken auseinander. Die Deutsche Bank hat aber in den vergangenen Jahren konsequent den Einfluss dieses Geschäftsbereichs auf die Bilanz zurückgefahren. Inwiefern die Branchenstudie dann noch Aussagekraft in Bezug auf das Bankhaus hat, sei mal dahingestellt.

Analysten-Updates zur Deutsche-Bank-Aktie seit Anfang Juli

Analyst Einstufung Kursziel in Euro Kurspotenzial in %
JPMorgan Overweight 13 +58 %
Warburg Research Buy 13 +58 %
RBC Neutral 11,50 +40 %
Credit Suisse Underperform 11 +34 %

Fazit des Tages

Momentan ist schwer vorstellbar, dass wir ein Kursniveau von rund 15 Euro (Anfang Februar 2022) bei der Deutschen Bank in naher Zukunft wiedersehen werden. Dazu sind die Wirtschaftsaussichten derzeit zu düster. Doch andere Zahlen sprechen dafür, dass der deutsche Bankenkonzern sich inzwischen zumindest so robust aufgestellt hat, aus dieser Krisensituation nicht als Verlierer hervorzugehen. Deswegen erscheinen mir die jüngsten Kursverwerfungen etwas übertrieben zu sein.

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