Der dunkle Schatten des Papiergoldmarktes

Die Auffassung, man könne dem ungedeckten Geld ungestraft vertrauen, wird sich als Illusion, als fataler Fehler erweisen; genauso wie die Meinung, Gold und Silber hätten ihre monetäre Funktion verloren.

„Flash Crash“

Edelmetallanleger mussten jüngst ein festes Nervenkostüm beweisen. Am 9. August 2021 im frühen Handel in Asien gab es bei den Gold- und Silberpreisen kurzzeitig so etwas wie einen „Flash Crash“, also einen plötzlichen Preissturz. Der Goldpreis fiel kurzzeitig von knapp 1.800 USD/oz bei Handelsbeginn auf 1.676,40 USD/oz, fing sich dann bei knapp unter die Marke 1.750 USD/oz. Noch tiefer hinab ging es für den Silberpreis:

Er öffnete bei 24,0 USD/oz und erreichte kurzeitig einen Handelstiefstand von 22,10 USD/oz. Was war geschehen? Nach Angaben des Nachrichtensenders Bloomberg wurden binnen einer Minute 3.000 Gold-Future-Kontrakte mit einem Nominalwert von einer halben Milliarde US-Dollar gehandelt – und das in einem sehr dünnen Handelsgeschehen, in dem die Hauptakteure des Goldhandels noch gar nicht teilhatten.

Wer hinter derartigen Marktbewegungen steckt, darüber lässt sich nur spekulieren. Eigner von physischen Goldpositionen waren es sicherlich nicht, denn der Preissturz ging ganz offensichtlich vom „Papiergeldmarkt“ aus. Aber auch hier sind es vermutlich nicht diejenigen gewesen, die aus Gold-Long-Positionen aus-steigen wollten. Denn auch sie und ihre Broker sind ja an einem „marktschonen-den“ Verkaufsprozess interessiert.

Es bleiben daher nur so etwas wie „Fehler“ – beispielsweise bei Ausführung von Transaktionen („Fat Finger“) oder der Programmierung von Handelsalgorithmen –; oder bewusst und gezielt herbeigeführte Preisdrückerei (um zum Beispiel günstige Einstiegsniveaus realisieren zu können); oder „Überreaktionen“, die im Papiergoldmarkt ausgelebt werden.

Goldnachfrage erholt sich im zweiten Quartal 2021 – und signalisiert fundamentalen Rückenwind für den Goldpreis

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Am 29. Juli 2021 hat das World Gold Council die Daten für das zweite Quartal 2021 veröffentlicht (wir hatten bereits darüber in einem Kurzkommentar berichtet).
Die weltweite Goldnachfrage ging insgesamt nur leicht um 1% gegenüber dem Vorjahr (J/J) zurück auf 955,1 Tonnen. Dies lag jedoch allein am Rückgang der Goldnach-frage der ETFs, alle anderen Nachfragekomponenten entwickelten sich überaus positiv.
Die Gold-Schmucknachfrage erreichte 390,7 Tonnen, ein Plus von 60% J/J – wobei die Nachfragemenge in Q2 2020 Coronavirus-bedingt sehr gering ausgefallen war.

Die Goldnachfrage der Konsumenten in China legte um 55% J/J zu auf 211,7 Tonnen, die in Indien stieg um 20% J/J auf 76,2 Tonnen. Auffällig starke Zuwächse gab es zudem in Japan (+113% J/J), Russland (+122% J/J), den USA (+107% J/J), Italien (+99% J/J) und Großbritannien (+30% J/J); in Deutschland wuchs die Goldnachfrage um 8% J/J auf 48,8 Tonnen, in der Schweiz um 2% J/J auf 12,0 Tonnen, in Spanien um 21% J/J auf 1,9 Tonnen.

Für Technologiezwecke wurden 80 Tonnen Gold nachgefragt (Elektronik: 66,3 Tonnen, andere Verwendungen: 10,8 Tonnen; Zahngold: 2,9 Tonnen), ein Plus von 18% J/J.
Die Goldnachfrage für Investmentzwecke fiel – wie eingangs erwähnt – um 51% J/J auf 284,5 Tonnen. Das lag aber nur an einer gegenüber dem Vorjahresquartal um 90% geschrumpften Goldnachfrage der ETFs (sie erreichte 40,7 Tonnen). Erfreulicherweise verbuchte jedoch das zweite Quartal 2021 den ersten Goldnachfrageanstieg seitens der ETFs nach zwei Quartalen des Nachfragerückgangs.

Die Goldnachfrage in Form von Barren stieg um 79% J/J auf 168,1 Tonnen, die Nach-frage nach Goldmünzen um 23% J/J auf 63,5 Tonnen. Die Zentralbanken fragten 199,9 Tonnen Gold nach, ein sehr kräftiger Anstieg von 214% J/J.

Mit Blick auf das gesamte Goldangebot stieg die Minenförderung um 16% J/J und er-reichte 924,0 Tonnen. Das Recycled Gold ging um 2% J/J auf 276,6 Tonnen zurück.
Insgesamt gesehen hat sich die Goldnachfrage im zweiten Quartal 2021 merklich (gegen-über dem Vorquartal) gefestigt, liegt aber noch unter dem Vorkrisenniveau. Ein „Bremseffekt“ ging lediglich von den Gold-ETFs aus, der sich aber nun verflüchtigen sollte.

Denn die anhaltend niedrigen Zinsen, die anschwellenden Geldmengen und die zunehmende Güterpreisinflation sollten der Goldnachfrage und damit auch dem Goldpreis fortan verstärkt Rückenwind geben. Wir empfehlen, bei gegenwärtigen Goldpreisen die Goldbestände auf- beziehungsweise weiter auszubauen – und Gold als Versicherung gegen die Kaufkraftverlust der offiziellen Währungen im Portfolio zu halten.

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PAPIERGOLD ALS PROBLEM

In der Tat schienen der starke Preisrückgang bei den Gold- und Silber-Futures einherzugehen mit der Erwartung, dass eine sich weiter verbessernde US-Arbeitsmarktsituation die US-Zentralbank (Fed) zu einer früheren Straffung ihrer Geldpolitik veranlassen könnte. Um die Folgen der geänderten Erwartungshaltung auf die Finanzmarktpreise vorwegzunehmen, ist es gut denkbar, dass einige Investoren sich insbesondere mit dem Verkauf (Shorten) von Gold- und Silber-Future-Positionen neu ausrichten wollten.

Der Markt für Gold- und Silber-Futures ist bekanntlich liquide, hat in der Regel ein sehr hohes Handelsvolumen – allerdings nur während der regulären Handelszeiten an der COMEX in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die asiatischen Märkte konnten mit dem Handelsvolumen am frühen Morgen ganz offensichtlich nicht fertig werden, ohne dabei gewaltige Preisausschläge zu verursachen.

Er „Flash Crash“ führt ganz grundsätzlich den „dunklen Schatten“ der Papiergeldmärkte vor Augen, insbesondere in Form der Futures-Märkte. Auf der einen erlauben sie es Minenunternehmen, Edelmetall verarbeitenden Unternehmen und Investoren, sich gegen ungewollte Preisrisiken abzusichern. Auf der anderen Seite bietet der Edelmetall-Future-Markt allerdings auch die Möglichkeit, „rein spekulative“ Geschäfte abzuwickeln – also solche, die in keinem Zusammenhang mit der Erzeugung und Verarbeitung von physischem Metall stehen.

Das wiederum eröffnet die Gefahr, dass der Papiergoldmarkt die Preisfindung für den physischen Markt setzt – und nicht etwa umgekehrt, so dass „der Schwanz mit dem Hund bellt“; zumindest kurzfristig ist daher denkbar, dass das Geschehen im Papiergoldmarkt die Setzung der Preise im Goldmarkt – auch entgegen der fundamentalen physischen Marktlage – dominiert.

KEINE ALTERNATIVE ZU GOLD

Ein „Flash Crash“ hinterlässt in der Regel Spuren: Die Anleger sind verunsichert, ihnen ist vor Augen geführt worden, dass der Marktpreis ihres Gutes plötzlich und ganz unerwartet in die Tiefe gerissen werden kann – durch Kräfte, die in einem anderen Markt, in diesem Fall dem Markt für Derivate, mobil gemacht haben. Zudem haben der Gold- und Silberpreis in einem Umfeld enttäuscht, in dem man eigentlich hätte erwarten müssen, dass sie dem Anleger Gewinne bescheren:

Die Zinsen sind negativ in realer Rechnung, die Zentralbanken sorgen für ei-ne weltweite Geldmengenflut, die Güterpreise schnellen in die Höhe. Verständlich also, wenn Gold- und Silberanleger nun enttäuscht und verunsichert wären. Doch für langfristig orientierte Anleger gibt es keinen Grund, zu verzagen.

Die ungedeckten Währungen – US-Dollar, Euro & Co – verlieren ihre Kaufkraft. Dafür sorgen die Zentralbanken, indem sie die Geldmengen immer weiter erhöhen, um strauchelnde Staaten und Banken über Wasser zu halten. Stark steigen-de Güterpreise – die direkte Folge dieser Geldpolitik – sind bereits unübersehbar.

Seit etwa August 2020 hinken die Preise für Gold und Silber dieser Entwicklung hinterher. Ein Indiz, dass sie mittlerweile erhebliches Aufholpotential bergen. Hinzu kommt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Besserung der „monetären Verhältnisse“ gering ist, wahrscheinlich ist vielmehr eine Verschlimmerung der Lage in den kommenden Jahren.

Für langfristig orientierte Anleger bietet das Halten von physischem Gold und Silber eine Möglichkeit, dem nahezu sicheren Wertverlust der offiziellen Währungen zu entgehen – der aktuell vermutlich von vielen Anlegern und Investoren immer noch sträflich unterschätzt wird. Allzu überraschend ist das allerdings nicht. Denn die Politik will der Wahrheit nicht ins Auge sehen; auch nicht die Banken- und Finanzwirtschaft; und auch nicht die Mehrheit der Journalisten in den Finanzmedien.

Dass in diesem Umfeld die Bedeutung des Goldes und des Silbers als monetäre Metalle nicht gebührlich erkannt und benannt werden, ist nicht verwunderlich. Die Auffassung, man könne dem ungedeckten Papiergeld ungestraft vertrauen, wird sich als Illusion, als fataler Fehler erweisen; genauso wie die Meinung, Gold und Silber hätten ihre monetäre Funktion verloren.

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