DAX: Von Euphorie keine Spur!

Der DAX zeigte sich am Mittwoch wieder etwas freundlicher. Von einer Trendwende sind die Bullen aber nach wie vor weit entfernt.

Zur Abwechslung gab es beim DAX am Mittwoch mal wieder grüne Vorzeichen zu sehen. Bis zum Nachmittag konnte der Index sich um immerhin 0,4 Prozent verbessern und damit die wichtige Linie bei 13.000 Punkten etwas auf Abstand halten. Bis auf 13.150 Punkte kletterte der deutsche Leitindex zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels. Es scheint sich vorsichtiger Optimismus unter den Anlegern breitzumachen, doch viele verharren derzeit noch auf der Seitenlinie.

Positive Impulse gab es zuletzt vor allem aus den USA, wo zuletzt der Google-Mutterkonzern Alphabet sowie Microsoft frische Zahlen vorlegten. Die fielen alles andere als sensationell aus, aber auch nicht ganz so schlimm, wie es manch einer vermutet hätte. Das reicht im aktuell mehr als herausfordernden Marktumfeld aus, um zumindest eine kleine Erholung auf die Beine zu stellen. Ob es in diesem Stil weitergeht, dürfte sich recht schnell zeigen.

Die Spannung im DAX steigt

Die wohl wichtigste Entwicklung dieser Tage bleibt weiterhin der kommende Zinsentscheid der Fed bzw. die Aussicht auf weitere Zinsschritte in der Zukunft. Eben darauf warten derzeit nicht wenige Anleger und trauen sich daher noch nicht recht aus der Deckung. Als eingepreist gilt derzeit ein Zinsschritt um 0,75 Prozent. Alles darüber oder darunter bringt das Potenzial mit sich, sowohl die US-Märkte als auch die hiesigen Börsen einmal mehr durcheinanderzuwirbeln.

Große Fragezeichen gibt es auch darum, wie die Fed in den kommenden Monaten vorgehen wird. Bisher ist ein Ende der Zinserhöhungen nicht in Sicht und manch einer fragt sich da, wie hoch es hier eigentlich gehen soll oder kann. Solange die Fed keine Anzeichen von nachlassendem Tempo erkennen lässt, dürfte die Angst vor einer Rezession die Märkte weiterhin im Griff haben.

Noch dazu stehen einige weitere Quartalszahlen von US-Tech-Riesen aus. Am Mittwoch nach Börsenschluss werden die Börsianer sehr genau hinsehen, wenn diese großen Player einen Blick in die Bücher erlauben:

  • Apple
  • Meta
  • Amazon

Eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Nicht nur an den Börsen, auch in der Bevölkerung werden derzeit die Ängste vor einer möglichen Rezession immer größer. Angetrieben werden solche Befürchtungen vor allem durch immer geringere Gaslieferungen aus Russland. Die sorgen zwar dafür, dass die Verkaufszahlen nach Heizlüftern derzeit nur so durch die Decke schießen. Davon ab macht sich aber bemerkbar, dass die Verbraucher ihr Geld immer mehr bei sich behalten. Zu diesem Schluss kommen zumindest die Marktforscher von GfK, welche aktuell ein düsteres Bild zeichnen. Für den August wird ein Rückgang des Konsumindex um 2,9 Punkte auf 30,6 Punkte vorhergesagt oder anders ausgedrückt weiter eine weiter nachlassende Nachfrage.

Ironischerweise ist es gerade die Angst vor der Rezession, welche uns momentan direkt in eine solche lenken könnte. Doch es hilft nichts, solange die Konsumlaune rückläufig ist bleiben auch Ängste bestehen und der DAX wird es in einem solchen Umfeld nicht einfach haben. Umso mehr ist jetzt auf gute Vorgaben aus den USA zu hoffen, denn in Europa selbst sind die Aussichten auf erfreuliche Nachrichten derzeit äußerst dünn.

Der DAX schleicht nach oben

Die Zurückhaltung der Börsianer lässt sich auch bei den Einzeltiteln im DAX ablesen, wo am Mittwoch keine Aktie wirklich klare Signale aussenden konnte. Zulegen konnten vornehmlich Titel, die ansonsten besonders schwer unter Druck standen. An der Spitze des Index fanden sich Vonovia und Hellofresh, die sonst auch gerne mal am anderen Ende zu finden sind.

Dort machte sich am Mittwoch Adidas breit, nachdem der Konzern einen Gewinnrückgang vermelden musste und die Analysten darauf prompt mit gesenkten Kurszielen reagierten. Auch hier lastet der nachlassende Konsum schwer auf den Ergebnissen und Besserung ist allzu bald nicht in Sicht. Allgemein steht Titeln aus dem Einzelhandel ein schwerer Sommer bevor und die Hoffnungen auf ein großes Comeback zur Weihnachtszeit halten sich eher in Grenzen.

Aktie Kurs (EUR) (27.7.22, 14:30 Uhr) Differenz zum Vortag
Vonovia 31,00 +3,20 %
Hellofresh 25,54 +2,82 %
Mercedes-Benz 55,71 +2,65 %
HeidelbergCement 48,25 +2,16 %
Deutsche Börse 164,80 +2,04 %
Fresenius 27,47 -1,04 %
Continental 68,20 -1,27 %
Fresenius Medical Care 44,22 -1,36 %
Deutsche Bank 8,03 -1,89 %
Adidas 161,68 -4,74 %

Der DAX hängt in der Luft

Was also können die Anleger vom Mittwoch nun mitnehmen? Tatsächlich nicht allzu viel. Optimisten mögen in dezenten Kursaufschlägen einen Beleg dafür sehen, dass die Bullen noch nicht vollkommen das Handtuch geworfen haben und eine Stabilisierung oberhalb wichtiger Chartmarken bei 12.900 und 13.000 Punkten sind erstmal einigermaßen tröstend. Bisher sind die Zugewinne aber schlicht zu dünn, um daraus in irgendeiner Weise einen Trend ableiten zu wollen. Es bleibt auch nach wie vor bei Abschlägen in Höhe von 17,7 Prozent seit Jahresbeginn im DAX, woran sich auch mit viel Wohlwollen nur wenig Positives finden lässt.

Über die kurzfristige Entwicklung im DAX wird zweifelsohne das entscheiden, was es am Mittwoch von Seiten der Fed zu hören geben wird. Ob die möglicherweise die Inflation noch irgendwie in den Griff bekommen kann, ohne dabei die Wirtschaft abzuwürgen, daran gibt es weiterhin so manchen Zweifel. Davon abgesehen gibt es unverändert derart viele belastende Faktoren, dass an eine größere Rallye bei DAX und Co. schlicht nicht zu denken ist. Es wird wohl dabei bleiben, dass die Anleger sich hauptsächlich darüber freuen, wenn es nicht ganz so drastisch abwärts geht, wie es die Pessimisten befürchten. Für etwas mehr gute Laune sorgt da höchstens der Blick in die etwas weiter entfernte Zukunft.

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DAX
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