Dax: Schwere Niederlage für Bayer-Aktie – doch es gibt Hoffnung!

Dax: Am Mittwoch gab es für Bayer eine neue Hiobsbotschaft rund um Glyphosat. Dabei ist das Agrargeschäft der Leverkusener prinzipiell vielversprechend.

Man sollte gar nicht lange drum herumreden: Es ist einfach ein Desaster. Am frühen Dienstagnachmittag krachte der Dax um weitere 2 Prozent ein. Der deutsche Leitindex setzte damit seine seit Wochen andauernde Negativphase fort.

Allein seit Jahresbeginn verlor die erste deutsche Börsenliga insgesamt rund 18 % an Wert. Es ist der heftigste langanhaltende Absturz seit Jahren. Aber schauen Sie sich einfach die größten Verlierer am Dienstagnachmittag an:

Unternehmen Branche Zeitpunkt Veränderung
BASF Chemie 22.06.2022, 14:00 Uhr -5,43 %
Brenntag Chemie 22.06.2022, 14:00 Uhr -4,48 %
Continental Autokomponenten 22.06.2022, 14:00 Uhr -4,47 %
Sartorius Labortechnologie 22.06.2022, 14:00 Uhr -4,29 %
HelloFresh Lebensmitteleinzelhandel (Online) 22.06.2022, 14:00 Uhr -4,28 %

Dax: Chemie- und Auto-Aktien brechen ein

Sie sehen also: Gerade bei den konjunkturanfälligen Aktien ging es am Dienstag bergab. Insbesondere die Chemieindustrie muss wegen der rückläufigen Gaslieferungen aus Russland fast schon um ihre Existenz fürchten. Aber auch die großen Autoaktien gaben massiv nach – Mercedes-Benz um 3,18 %, BMW um 2,47 % und Volkswagen um 2,25 %.

Zum oben genannten Zeitpunkt gab es lediglich zwei Dax-Aktien, die zumindest ein schmales Plus vorweisen konnten: die Deutsche Telekom (+0,36 %) und Beiersdorf (+1,06 %). Beide Konzerne gelten als einigermaßen resistent gegen Konjunktureinbrüche, schließlich werden Telekommunikationsdienstleistungen und Konsumgüter auch in diesen schwierigen Zeiten von den Verbrauchern nachgefragt. Für viele Anleger dürften jene Aktien also eine Art sicherer Hafen sein.

Dax-Aktie Bayer: neue Hiobsbotschaft wegen Glyphosat

Heute will ich mich aber einem anderen Unternehmen zuwenden, das neben der Inflation und der drohenden Rezession noch mit einem ganz anderen Problem konfrontiert wird. Es geht um: Bayer.

Am Dienstag gab es nämlich erneut eine Hiobsbotschaft für den deutschen Pharma- und Agrarkonzern. Sie werden es schon ahnen: Im Mittelpunkt stand abermals der Unkrautvernichter Glyphosat.

Nach Medienberichten ist Bayer mit einem geplanten Glyphosat-Berufungsverfahren vor dem Obersten US-Gericht, dem Supreme Court, gescheitert. Besonders bitter: Das von Bayer angestrebte Verfahren galt als wegweisender Prozess rund um die mutmaßlichen Krebsrisiken des Herbizids Glyphosat, das man sich mit der milliardenschweren Übernahme des Saatgutkonzerns Monsanto ins Haus geholt hatte.

Dax: Bayer hatte auf positives Signal vom Supreme Court gehofft

Nun gab der Supreme Court bekannt, dass man sich dem Fall nicht annehmen werde. Hintergrund: Im letzten Jahr hatte ein US-Berufungsgericht Bayer zu einer Schadenersatzzahlung in Höhe von 25 Millionen Dollar verurteilt. Der Kläger Edwin Hardeman hatte den von Monsanto vertriebenen, Glyphosat-haltigen Unkrautvernichter „Roundup“ für seine Krebserkrankung verantwortlich gemacht.

Bayer jedoch sah sich ungerecht behandelt, schließlich pocht der deutsche Konzern seit Jahren darauf, dass Glyphosat eben nicht zu Krebserkrankungen beitrage. Die Leverkusener hatten hierfür unterschiedliche Studien angeführt. Entsprechend wollte man das Urteil nicht auf sich beruhen lassen, woraufhin man das Oberste US-Gericht anrief. Bayer hoffte darauf, dass der Supreme Court das Urteil des Berufungsgerichtes rückgängig macht und gleichzeitig grundlegend feststellt, dass Roundup bei vorschriftsgemäßer Anwendung ungefährlich für Menschen ist.

Hätte der Supreme Court so entschieden, wären viele weitere Schadenersatzansprüche gegen Bayer wohl hinfällig geworden. Milliardenschwere Rechtsrisiken hätte man so unter Umständen beseitigen können.

Dax: US-Regierung stellte sich gegen Bayer

Doch Pustekuchen. Das oberste Gericht nahm den Fall nun nicht einmal an. Überraschend kommt das jedenfalls nicht. Das dürfte ein Grund dafür sein, warum die Bayer-Aktie am Mittwochnachmittag zwar nachgab, mit einem Minus von 3,42 % aber einigermaßen stabil blieb (22.06.2022, 14:00 Uhr).

So hatte die US-Regierung bzw. die Generalstaatsanwältin Elizabeth Prelogar dem Supreme Court im Vorfeld bereits die Annahme des Falls abgeraten. Prelogar vertritt das Weiße Haus vor dem Supreme Court und hat damit eine gewichtige Stimme, wenn es darum geht, mit welchen Fällen sich der Gerichtshof befassen soll.

Für Bayer dürfte es jetzt richtig teuer werden. Der Konzern hatte im letzten Sommer wohl schon geahnt, dass der Supreme Court nicht mitziehen wird und weitere Rückstellungen in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar gebildet. Damit will der Konzern ein Programm aufsetzen, um in den nächsten 15 Jahren (!) die Forderungen möglicher Kläger in Sachen Glyphosat zu befriedigen.

Herbizid-Geschäft floriert wegen Ukraine-Krieg

Doch es gibt auch einen Lichtblick, zumindest wenn man sich die Bayer-Bilanz zum ersten Quartal 2022 anschaut. Zum ersten Mal seit der 60 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 konnte Bayer ordentlich von dessen Geschäft profitieren. So stieg der bereinigte Gewinn EBITDA in Q1 um 28 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro.

Bayer profitiert von den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf landwirtschaftliche Hilfsprodukte. So sind die Preise für Unkrautvernichter zuletzt in die Höhe geschossen. Ein Grund dafür ist, dass Landwirte ihre Ernteerträge hochhalten wollen, da Lieferungen von Weizen und Mais aus Russland und der Ukraine wegfallen oder nur noch begrenzt verfügbar sind.

Für Bayer bzw. Monsanto ist das ein Glücksfall. Wie lange diese Sonderkonjunktur anhalten wird, ist allerdings fraglich. Zumindest verschafft sich Bayer damit aktuell ein gewisses finanzielles Polster, um die Rechtsrisiken rund um Glyphosat abzufedern.

Bayer-Aktie bleibt langfristig interessant

Aus dem Schneider ist Bayer jedoch noch lange nicht. Das Glyphosat-Desaster wird wohl noch etliche Jahre wie ein Damoklesschwert über der Aktie hängen. Doch langfristig könnte sich die Übernahme von Monsanto tatsächlich irgendwann einmal auszahlen. Schließlich sind landwirtschaftliche Hilfsprodukte allein schon wegen der wachsenden Weltbevölkerung und der damit einhergehenden, steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln perspektivisch eine Geldgrube.

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