DAX: Die Euphorie lässt noch auf sich warten!

Trotz so mancher positiver Entwicklung fehlt es im DAX derzeit noch an klaren Anzeichen dafür, dass der Bärenmarkt überwunden wurde.

Der DAX hat in der laufenden Woche eine recht beeindruckende Entwicklung hingelegt. Zeitweise konnte der deutsche Leitindex sich um fast 1.000 Punkte verbessern und mit damit nicht nur die psychologisch wichtige Marke bei 13.000 Punkten zurückerobern, sondern auch so manche charttechnische Linie hinter sich lassen. Von den Analysten wird vor allem der Ausbruch über 13.020 Punkte als sehr positives Signal gewertet.

Nachdem der Freitag zunächst mit leichten Verlusten startete, drehten die Bullen das Ganze bis zum Handel am Mittag wieder ins Plus. Zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikel ließ sich ein Kursplus von 0,18 Prozent feststellen und der Punktestand belief sich auf 13.270 Zähler. Damit sind die Käufer auf dem besten Wege, an die Höchststände aus dem Juni anzuschließen und damit womöglich eine echte Trendwende auf die Beine zu stellen.

Was hält die Käufer im DAX zurück?

Zuletzt gab es für den DAX durchaus noch einige positive Überraschungen zu sehen. So ist der Gasfluss aus Russland (noch) nicht ganz versiegt und durch Nord Stream 1 fließt sei Donnerstag wieder Gas, wenn auch noch immer auf nicht mit voller Auslastung. Medienberichten zufolge wird die Pipeline derzeit zu 40 Prozent ausgelastet, was ungefähr dem Stand vor den nun beendeten Wartungsarbeiten entspricht.

Für viele Titel im DAX ist das eine erfreuliche Nachricht, denn eigentlich rechneten viele Beobachter schon fest damit, dass Russland den Gashahn nicht wieder aufdrehen würde. Dass es dennoch nicht zu spontanen Kursexplosionen gekommen ist, ist wohl vor allem auf noch immer bestehende Zweifel an der Zuverlässigkeit von Gazprom als Gaslieferant zurückzuführen. Sowohl aus der Politik als auch aus der Wirtschaft gibt es Warnungen zu hören, sich auf russisches Gas nicht länger zu verlassen, ganz gleich, wie viel davon im Moment geliefert werden mag.

Tatsächlich benutzt der Kreml den Gasfluss immer wieder gezielt, um dem Westen Angst einzuflößen, ihn unter Druck zu setzen, zu erpressen oder einfach nur Unruhe zu stiften und auf eine Spaltung hinzuwirken. Der Erfolg dahingehend ist bisher noch überschaubar und in der EU bleibt Ungarn der einzige Ausreißer bei der geschlossenen Front gegen Russland. Doch mit der Zeit könnte eine Zermürbungstaktik das Blatt durchaus noch wenden.

Die EZB lässt das Bömbchen platzen

Für eine andere Überraschung mit Relevanz für den DAX sorgte am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB). Bei der jüngsten Zinssitzung beschloss das Institut endlich eine Zinserhöhung für den Euroraum. In den Augen vieler Beobachter, den Autor dieser Zeilen eingeschlossen, ist das viel zu spät geschehen. Immerhin wagte die EZB aber einen größer als erwarteten Zinsschritt und hob den Leitzins um 0,5 statt der zuvor vermuteten 0,25 Prozent an.

Grundsätzlich ist das für den DAX erstmal eine schlechte Nachricht, da Aktien mit steigenden Zinsen im vergleich zu Anleihen unattraktiver werden und zudem Faktoren wie mögliche Kreditausfälle und ein allgemeines Abebben der Wirtschaft die Laune der Anleger belasten. Letztlich hatte all das aber in den letzten Tagen keinen allzu großen Einfluss, denn die Anleger rechneten bereits fest mit dem Zinsschritt und auch die Höhe hat niemanden ernsthaft schockiert. Stattdessen sind bereits weitaus höhere Zinsschritte fest eingepreist und insgesamt werden die jüngsten Aktionen der EZB eher gelassen angesehen.

Die Letzten werden im DAX die Ersten sein

Keine wirklich klare Entwicklung zeigte sich am Freitag bei den Einzeltiteln im DAX. Angeführt wurde der Index vor allem von Titeln, die sonst gerne am anderen Ende zu finden sind. Im Zuge der allgemeinen Erholung konnten so etwa Vonovia, Zalando und Hellofresh wieder deutlich im Kurs zulegen. Derweil erholte sich SAP einigermaßen vom gestrigen Schock über einen Gewinneinbruch im zweiten Quartal.

Die rote Laterne bekam zunächst die Deutsche Bank überreicht, wo die Freude über steigende Zinsen sich in engen Grenzen hielt und nach einem minimalen Kurssprung schon wieder Gewinnmitnahmen einsetzten. Solche dürften auch einige der Top-Performer aus dem laufenden Jahr derzeit unter Druck setzen, beispielsweise die Aktie der Deutschen Telekom.

Aktie Kurs (EUR) (22.7.22, 12 Uhr) Differenz zum Vortag
Vonovia 31,36 +4,64 %
Zalando 29,79 +4,34 %
Hellofresh 26,77 +4,00 %
SAP 90,28 +2,43 %
Adidas 178,62 +2,02 %
Covestro 33,68 -0,82 %
Deutsche Telekom 18,56 -0,95 %
Siemens 105,88 -1,18 %
Henkel 60,76 -1,36 %
Deutsche Bank 8,33 -1,56 %

Wie geht es weiter im DAX?

Nach einer insgesamt sehr erfreulichen Woche, was im laufenden Jahr selten genug vorkam, stellen die Anleger sich mit Blick auf den DAX jetzt so einige wichtige Fragen:

  • Können die Zugewinne verteidigt werden?
  • Gibt es noch Luft nach oben?
  • Ist der Bärenmarkt endlich überwunden?
  • Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Einstieg gekommen?

Da es mir derzeit leider an einer funktionierenden Glaskugel mangelt, kann ich auf solche Fragen keine zweifelsfreien und eindeutigen Antworten liefern. Grundsätzlich darf die Lage aber weiterhin als schwierig betrachtet werden. Nach den anfänglichen Zugewinnen scheint es derzeit an Anschlusskäufern zu fehlen, welche das Risiko einer erneuten Abwärtsbewegung einzugehen bereit sind.

Ob sich solche noch finden werden, wird zu weiten Teilen von der Nachrichtenlage abhängen. Von Zinsen über Konjunkturdaten bis hin zum weiteren unberechenbaren Verhalten Russlands gibt es hier einige Ungewissheiten. Charttechnisch wandert der Blick derweil vor allem auf die Linien bei 13.000 und 12.900 Punkten. Solange die nicht nach unten passiert werden, ist von Seiten der Analysten zu hören, dass es keinen allzu großen Grund zur Sorge gibt. Immerhin hat der DAX sich bis dorthin ein kleines Polster erarbeitet. Etwas Optimismus ist da vielleicht gar nicht so unangebracht.

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