DAX: Bayer, RWE, Infineon, Deutsche Telekom & Co. – der Turnaround nimmt Formen an!

Der DAX hat ein Abrutschen in den Bärenmarkt so gerade noch verhindern können. Nun scheint der Leitindex aus dem Abwärtstrend auszubrechen.

Als Investor musste man in den letzten Wochen und Monaten sehr viel Leidensfähigkeit beweisen. Seit einer gefühlten Ewigkeit befinden sich die Märkte in einer Abwärtsspirale, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint. Inflations- und Zinssorgen auf der einen und Rezessionsängste auf der anderen Seite verschmelzen zu einer toxischen Mischung für das bullische Lager. Die Bären konnten sich dagegen richtig austoben. Und zwar ganz unabhängig davon, ob es sich um Standardwerte (sogenannte Blue-Chips), mittelgroße Werte oder Small Caps handelt.

Im Tech-Bereich fielen die Korrekturen am stärksten aus

Zugegebenermaßen fiel der Sell off im Technologiesektor am stärksten aus. Der Nasdaq-100, der die hundert Aktien Nasdaq gelisteter Nicht-Finanzunternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung umfasst, hat in der Spitze mehr als 30 Prozent verloren. Auf deutschem Boden hat der hiesige TecDAX, der die 30 größten deutschen Technologiewerte beinhaltet, gegenüber den Höchstständen in der Spitze gut 26 Prozent verloren.

DAX schlittert haarscharf am Bärenmarkt vorbei

Der deutsche Leitindex DAX, der im vergangenen Jahr von 30 auf 40 Unternehmen aufgestockt wurde, hat sich etwas besser geschlagen und in der Spitze etwas mehr als 19 Prozent verloren. Per Definition konnte damit so gerade noch ein Abrutschen in einen Bärenmarkt verhindert werden. Nach einer weit verbreiteten Definition rutscht eine Aktie oder ein Index in einen Bärenmarkt, wenn sich die Kurse um mehr als 20 Prozent vom letzten Hochpunkt entfernen.

Nach dieser Lesart konnte der Eintritt in den Bärenmarkt also noch gerade so verhindert werden. Seinen vermeintlichen Tiefpunkt (Korrekturtief) erreichte der DAX bereits am 7. März, als das größte deutsche Börsenbarometer auf Intraday-Basis sogar unter die 12.500-Punkte-Marke rutschte, sich auf Schlusskursbasis aber darüber halten konnte. Es handelte sich um den tiefsten Stand seit November 2020, mittlerweile also um ein 18-Monats-Tief.

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Russische Invasion führte zu starkem Sell off im DAX

Während sich der DAX zu Jahresbeginn noch sehr stabil halten konnte und Rücksetzer unter die 15.000-Punkte-Marke zu verhindern wusste, gerieten die Kurse in der zweiten Februarhälfte mit der sich zuspitzenden Russland-Ukraine-Krise zusehends immer mehr unter Druck. Nach der russischen Invasion am 24. Februar weiteten sich die Korrekturen aus und führten zwei Wochen später zum Pullback bis zur 12.500-Punkte-Marke.

Nach dem Korrekturtief startete der DAX eine kräftige Erholung, die Ende März zum Wiederanstieg bis auf 14.925,25 Punkte führte. Doch sowohl der horizontale Widerstand der 15.000-Punkte-Marke als auch die 50-Tage-Linie (EMA50) bremsten den Leitindex aus. Schwache Vorgaben von der Wall Street  drückten den Märkten ihren Stempel auf und ließen den DAX im April wieder um 2 Prozent nach unten korrigieren.

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Der DAX unternimmt einen weiteren Ausbruchsversuch

Die zaghaften Erholungsversuche wurden immer wieder auf Höhe des EMA50 gestoppt. Nach einem schwachen Start in den Mai präsentiert sich der DAX in den letzten Wochen wieder deutlich fester und wagt nun einen erneuten Ausbruchsversuch über die 50-Tage-Linie und den seit Anfang Januar bestehenden Abwärtstrend. Sollten die Bullen bei diesem Vorhaben erfolgreich sein, könnte es zu einer nachhaltigen Trendwende kommen. Prallt der Index dagegen nach unten ab, drohen Rücksetzer in Richtung des Mai-Tiefs bei 13.380,67 Punkten.

Der DAX im Detail

Schaut man sich die im DAX enthaltenen Einzeltitel an und blickt auf deren Year-to-Date-Performance, also die Kursentwicklung in diesem Jahr, gibt diese noch nicht allzu viel Grund zur Hoffnung. So landen gerade einmal vier von insgesamt vierzig Werten oberhalb des Strichs. Mit Kurszuwächsen von fast 36 Prozent hat der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer die mit Abstand beste Performance hingelegt. Zum elitären Kreis zählen weiter der Essener Energieversorger RWE (+18,42%), die Deutsche Telekom (+15,52%) sowie die Deutsche Börse (+10,98%).

Alle anderen Titel weisen eine negative Year-to-Date-Performance auf. Zu den größten Verlierern zählen der Chipkonzern Infineon (-34,14%), der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius (-42,69%), der Sportartikelhersteller Puma (-43,09%) und der Kochboxenversender HelloFresh (-53,28%).

In der kurzfristigen Perspektive sieht es viel besser aus

Dagegen stimmt die Kursentwicklung in den vergangenen Wochen deutlich zuversichtlicher. Im letzten Monat haben mehr als die Hälfte der im DAX enthaltenen Unternehmen unter dem Strich Gewinne verzeichnet. Das Verhältnis fällt mit 23 zu 17 zugunsten der Gewinneraktien aus. Zu den Top Performern zählten dabei die Aktien von Delivery Hero (+14,71%), Daimler Truck (+12,28%),  Continental (+11,36 %) und Deutsche Telekom (+10,16%), die jeweils zweistellig zulegen konnten. Am anderen Ende zählten Adidas (-6,20%), Allianz (-6,80%), Puma (-7,11%) und Vonovia (-12,69%) zu den größten Verlierern.

Noch besser sieht es aus, wenn man die Performance der DAX-Unternehmen in der letzten Woche betrachtet. In diesem Zeitraum erzielten 35 von 40 Aktien und damit 87,5 Prozent der im DAX enthaltenen Titel per Saldo einen Kursgewinn. Das sorgt für große Zuversicht, dass die bärische Phase endgültig durchbrochen werden kann.

Das pusht die Kurse und gibt Rückenwind

Rückenwind geben die aktuellen Fed-Protokolle. Einige Beobachter sehen darin gar Hinweise auf eine behutsamere Geldpolitik der Notenbank. Zwar hat die Fed weitere Zinserhöhungen um 0,5 Prozentpunkte angekündigt, Sorgen vor einem noch drastischeren Vorgehen aber gemindert. Für positive Stimmung unter den Anlegern sorgen zudem gute Zahlen und optimistische Aussagen einiger US-Einzelhändler. Die Tatsache, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal etwas stärker geschrumpft ist als erwartet werten einige Beobachter ebenfalls als Zeichen dafür, dass die Fed das Tempo bei den Zinserhöhungen drosseln könnte.

Die Erholung kann weitergehen

Der DAX setzt auch zum Ende der Woche den Erholungsschwung fort und kann sich damit deutlicher von der Abwärtstrendlinie und vom 50-Tage-Durchschnitt (EMA50) absetzen. Das Chartbild hellt sich hierdurch immer weiter auf. Für die im DAX enthaltenen Einzelwerte sind das beste Voraussetzungen, um den jüngsten Aufschwung in den kommenden Wochen fortzusetzen.

  • DAX hat in der Spitze etwas mehr als 19 Prozent gegenüber den Höchstständen verloren
  • Damit konnte der Eintritt in einen Bärenmarkt gerade noch verhindert werden
  • Das Korrekturtief datiert vom 7. März
  • Zuletzt waren bei den Einzeltiteln klare Aufwärtstendenzen zu erkennen
  • Fed-Protokolle geben Rückenwind
  • DAX steht vor einem erfolgreichem Ausbruch aus dem Abwärtstrend

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