DAX: Auf ganz dünnem Eis!

Der DAX punktete zu Wochenbeginn mit grünen Vorzeichen. Die zarten Zugewinne stehen nach Ansicht der meisten Beobachter aber auf wackeligen Beinen.

Beim DAX ließen sich zu Beginn der neuen Woche grüne Vorzeichen feststellen, was zunächst natürlich eine erfreuliche Nachricht ist. Allerdings blicken die meisten Marktakteure sehr skeptisch auf die dezenten Zugewinne. Die fingen auch recht schnell wieder an zu bröckeln und einen kurzen Ausflug über die Linie von 12.900 Punkten konnten die Bullen letztlich nicht besonders lange verteidigen.

Im Handel am Mittag standen noch 12.878 Punkte auf der Anzeigetafel. Damit notierte der DAX zwar immerhin 0,5 Prozent höher als noch bei Handelsschluss am Freitag. Nennenswerte charttechnische Signale können die Käufer aber nicht hinterlassen und die wichtige Linie bei 13.000 Punkten bleibt erst einmal auf Abstand.

Die Risiken beim DAX verschwinden nicht

Die Gründe für die Zurückhaltung seitens der Börsianer dürften mittlerweile bekannt sein. Wer aufgrund der schieren Anzahl an Krisen etwas den Überblick verloren hat, dem seien die größten Belastungsfaktoren an dieser Stelle noch einmal aufgeführt:

  • (rasant) steigende Zinsen in den USA
  • Nachlassende Konsumlaune
  • Hohe Inflation
  • Fragezeichen bei der Gasversorgung in Europa
  • Krieg in der Ukraine

All dies zusammen führt zu ernsthaften Sorgen vor einer Rezession und damit im Hinterkopf trauen die Käufer sich weiterhin nicht so recht aus der Deckung. Zwar gab es zuletzt auch schon Spekulationen, ob der Tiefpunkt beim DAX bereits erreicht sein könnte und damit nun die perfekte Einstiegsgelegenheit gekommen wäre. Sicherheit darüber kann es aber letztlich nicht geben, gerade in diesen von Unsicherheit geprägten Zeiten, die gefühlt wöchentlich neue Überraschungen für die Anleger bereithalten.

Gute und schlechte Neuigkeiten für den DAX

Auf der Nachrichtenseite konnte der DAX zuletzt etwas davon profitieren, dass die Inflation in Deutschland wieder etwa nachgelassen hat. Mit 7,6 Prozent befand jene sich zwar weiterhin auf einem bedenklich hohen Niveau. Aber eben auch etwas tiefer als noch im Vormonat, als 7,9 Prozent bei der Teuerungsrate gemeldet wurden. Das lässt zarte Hoffnungen darauf aufkeimen, dass die Inflation tatsächlich wieder etwas nachlassen könnte. In Stein gemeißelt ist das aber noch nicht.

Schlechte Neuigkeiten gab es aus Richtung der Exportdaten, welche im Mai 0,5 Prozent geringer ausfielen als noch einen Monat zuvor. 125,8 Milliarden Euro kamen laut Statistischem Bundesamt zustande. Das ist vor allem deshalb schlecht für den DAX, weil Analysten im Vorfeld mit etwas ganz anderem gerechnet hatten. Eigentlich war man fest davon ausgegangen, dass die Exporte um 0,9 Prozent anziehen würden, wie die „Tagesschau“ am Montag berichtete. Da ist es fast schon erfreulich, dass der DAX angesichts dieser unschönen Überraschung nicht noch weiter in Richtung Kurskeller abgedriftet ist.

Eine bunte Mischung

Beim Blick auf die Einzeltitel im DAX ergab sich zuletzt kein klares Bild. Zulegen konnten vor allem einige Titel, die zuvor schwer unter Druck geraten waren, während sich am Ende des Index die üblichen Verdächtigen in Form von Zalando und Hellofresh wiederfanden. Bei letzterer Aktie können viele Beobachter bis heute nicht nachvollziehen, warum sie trotz sichtlichen Wachstums von den Anlegern derart abgestraft wird. Vermutlich scheuen viele aber die fraglos vorhandenen Risiken, gerade aufgrund der nicht enden wollenden Rezessionssorgen.

Etwas überraschend bekam Mercedes-Benz im frühen Handel am Montag die rote Laterne im DAX überreicht. Das dürfte zum einen an Meldungen um einen Rückruf beim EQE liegen, zum anderen verabschieden sich aber auch vermehrt Anleger von der Aktie, nachdem Meldungen um einen kompletten Abschied von für Normalsterbliche bezahlbaren Fahrzeugen die Runde machten. Mercedes-Chef Ola Källenius scheint es mit seinem Fokus auf Luxuskarossen sehr ernst zu meinen, was an den Märkten teils sehr negativ bewertet wird.

Aktie Kurs (EUR) (4.7.22, 12 Uhr) Differenz zum Vortag
Sartorius 352,60 +2,74 %
Siemens 98,23 +2,32 %
Henkel 60,46 +1,82 %
Fresenius 29,57 +1,48 %
Siemens Healthineers 48,81 +1,41 %
Hellofresh 31,32 -0,73 %
MTU Aero Engines 175,15 -1,21 %
Vonovia 29,08 -1,49 %
Zalando 25,65 -1,91 %
Mercedes-Benz 53,81 -2,16 %

Der DAX bleibt auf sich gestellt

Vielleicht konnten auch positive Vorgaben aus Asien dem DAX zu Wochenbeginn etwas auf die Sprünge helfen. In Fernost waren zuletzt einige grüne Vorzeichen zu sehen, was Experten vordergründig auf das Lockdown-Ende in Shanghai zurückführen. Impulse vom anderen Ende der Welt sind beim DAX derweil erst einmal nicht zu erwarten. Aufgrund des Unabhängigkeitstags bleibt die Wall Street am Montag geschlossen. Vielleicht ist das auch besser so, denn nicht wenige erwarten nach leichten Erholungen in den letzten Tagen wieder eine schnelle Gegenbewegung der Bären.

Damit ist wohl oder übel auch im DAX zu rechnen, denn der Bärenmarkt bleibt hierzulande ebenfalls weiter aktiv. Tatsächlich sind die Sorgen der Anleger in Deutschland wahrscheinlich sogar noch größer, da hier weiterhin ernsthafte Bedenken um die weitere Gasversorgung bestehen. Zwar würde ein Abschalten der entsprechenden Pipelines auch Russland schwer schaden und wichtige Einnahmen für das weitgehend isolierte Land wegbrechen lassen. Doch Russlands Machthaber Wladimir Putin hat schon mehr als einmal demonstriert, dass von ihm rationale Entscheidungen kaum zu erwarten sind. Die Anleger hierzulande müssen daher mit allem rechnen und beim DAX kann es jederzeit zum nächsten Kursrutsch kommen. Hingegen spricht nur wenig bis gar nichts für eine plötzliche Erholung des Index und genau deshalb ist es wahrscheinlich gesünder, die eigenen Erwartungen in einem realistischen Rahmen zu halten.

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