DAX: Alte Sorgen, neuer Kursrutsch

Der DAX verliert (mal wieder) den Boden unter den Füßen. Der schon seit Längerem aktive Abwärtstrend an den hiesigen Märkten bestätigt sich damit erneut.

Bereits am Mittwoch hatte der DAX mit schwerem Verkaufsdruck nach miesen Vorgaben aus den USA und einigen weiteren nicht gerade erheiternden Meldungen zu kämpfen. Immerhin gelang es den Bullen dabei noch, die wichtige Marke bei 13.000 Punkten zu verteidigen. Damit hatte es sich tags darauf dann aber auch schon wieder erledigt.

Der Donnerstag startete mit heftigen Abschlägen, was den DAX um 2,5 Prozent in die Tiefe rutschen ließ. Der Punktestand verschlechterte sich bis auf 12.677 Punkte am Vormittag und wenn es in diesem Tempo weitergeht, dürfte noch vor dem Wochenende ein Test des 52-Wochen-Tiefs bei 12.438 Punkten bevorstehen. Die Aussichten als trüb zu bezeichnen, wäre da wohl schon fast eine Untertreibung.

Nichts Neues beim DAX

Die Gründe für den neuerlichen Absturz dürften den meisten bereits bekannt sein. Es sind mal wieder Ängste vor einer möglichen Rezession, welche die Käufer in die Defensive schicken. Angetrieben wurden die unter anderem durch niederschmetternde Konjunkturdaten. So scheint der Konsum von einem Tiefpunkt zum nächsten zu wandern, während die Importpreise schon fast unkontrolliert zulegen.

Im Mai verteuerten sich die Importpreise im Vergleich zum Vorjahr um satte 30,6 Prozent, wie einem Bericht der „Tagesschau“ zu entnehmen ist. Einen derartigen Anstieg gab es schon seit Jahrzehnten nicht mehr zu sehen und über kurz oder lang werden die Preiserhöhungen sich auch beim Endkunden bemerkbar machen. Der wird dadurch kaum dazu animiert, wieder in Konsumlaune zu verfallen.

Am schwersten belastet wird die Situation wie gehabt durch die Energiepreise. Bei Erdgas legten die Preise um wahnwitzige 144 Prozent zu, auch beim Erdöl waren drastische Preiserhöhungen zu beobachten. Viele Experten warnen schon, sich Geldreserven für Nachzahlungen im kommenden Jahr beiseitezulegen. Diesem Rat dürften nicht wenige aus der Bevölkerung nachkommen und dieses Geld fehlt dann ebenfalls beim Konsum.

Endlose Problem für den DAX

Das sind jedoch nur einzelne Faktoren, welche für sinkende Kurse im DAX sorgen. Dazu gesellen sich noch weitere Punkte:

  • Krieg in der Ukraine
  • Sorge um die Gasversorgung
  • Steigende Zinsen
  • Steigende Anleiherenditen
  • Gestörte Lieferketten
  • Wieder ansteigende Corona-Infektionszahlen

Im Prinzip haben Pessimisten derzeit die freie Wahl, warum sie für den DAX weiter sinkende Kurse vorhersagen möchten. Und was haben derweil die Optimisten zu bieten? Leider nicht viel, kurzfristig sogar so überhaupt nichts. Als positives Argument für den DAX wird bei Analysten lediglich immer wieder genannt, dass jener bisher noch jede Krise wegstecken konnte. Das mag dieses Mal nicht anders sein. Bis zur Wende könnte aber noch viel Zeit vergehen und währenddessen sind neue Abstürze kaum auszuschließen.

Der DAX in Rot

Nicht viel besser wird die Laune der Anleger bei einem Blick auf die Einzeltitel ausfallen. Kurz vor dem Mittagsgeschäft schaffte es einzig Sartorius, überhaupt Kursgewinne auf die Beine zu stellen und das auch nur in einem sehr überschaubaren Ausmaß. Sämtliche andere Titel im deutschen Leitindex mussten mit Abschlägen leben, die teilweise überdeutlich ausfielen. Unter den letzten zehn Titeln fand sich kein einziger, der nicht um mindestens vier Prozent innerhalb weniger Stunden abwertete

Aktie Kurs (EUR) (30.6.22, 11: 30 Uhr) Differenz zum Vortag
Deutsche Bank 8,20 -4,35 %
Puma 61,02 -4,54 %
Hellofresh 30,10 -4,63 %
Mercedes-Benz 54,90 -4,69 %
HeidelbergCement AG 45,16 -4,77 %
BMW 70,94 -4,80 %
Volkswagen 127,46 -5,21 %
Continental 65,00 -5,36 %
SAP 85,07 -5,66 %
Porsche 61,60 -6,41 %

Auffällig ist, dass vor allem Autobauer im DAX tief in Richtung Süden abgedriftet sind. Das passt allerdings zu den Rezensionssorgen. Denn wenn der Wohlstand nachlässt und die Arbeitslosigkeit potenziell zunimmt, dürften viele sich die Anschaffung eines Neuwagens zweimal überlegen. Gerade erst sucht die Autobranche sich langsam einen Weg aus einer Angebotskrise heraus. Wenn es ganz blöd läuft, könnte die direkt in eine Nachfragekrise übergehen.

Die Sorgen im DAX nehmen kein Ende

Natürlich sind all das für den Moment nur Spekulationen und es kann auch alles ganz anders kommen. Vielleicht sind die Sorgen der Anlegerinnen und Anleger sogar als übertrieben anzusehen und Investments in einige Titel in der Nähe bisheriger Tiefpunkte jetzt besonders interessant. Das ist alles im Bereich des Möglichen.

Gewissheit darüber wird es aber erst mit der Zeit geben und sollte uns tatsächlich eine Rezession drohen, könnten die letzten Verlustwellen nur der Anfang gewesen sein. Vor allem die US-Notenbank Fed ließ bereits durchblicken, dass sie im Zweifel bereit ist, auch eine Rezession zur Senkung der viel zu hohen Inflation in Kauf zu nehmen. Die EZB zeigt sich da etwas zurückhaltender, was aber kaum als Anzeichen einer Entwarnung zu verstehen ist.

Da hilft nur Abwarten und das Beste hoffen

Welche Konsequenz ergibt sich aus der neueren Abwärtsbewegung im DAX also für die Aktionäre? Das hängt stets vom Blickwinkel und dem eigenen Risikobewusstsein ab. Seit Jahresbeginn wertete der deutsche Leitindex um über 20 Prozent ab, einige Einzeltitel verloren um mehr als die Hälfte an Wert. Das Glück ist mit den Mutigen und wer sich jetzt für einen Einstieg entscheidet, für den könnte sich in Zukunft ein enormes Erholungspotenzial bieten.

Allerdings kann es auch noch eine ganze weile in die andere Richtung geben und wer nicht über Nerven aus Stahl in Kombination mit einer Engelsgeduld verfügt, der ist auf der Seitenline für den Moment wohl erst einmal besser aufgehoben.

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